Hertha BSC

Zu Hause keine Macht

Fans pfeifen nach Herthas enttäuschendem 0:0 gegen Freiburg. Cigerci scheidet verletzt aus

Pfiffe hallten durch das Olympiastadion. Schiedsrichter Peter Sippel hatte soeben die Partie von Hertha BSC gegen den abstiegsbedrohten SC Freiburg beendet, da entlud sich der spontane Frust der Zuschauer. 0:0 trennten sich die Berliner am Freitagabend unter Flutlichtkulisse von den Breisgauern. „Ich kann die Enttäuschung der Fans verstehen. Aber vielleicht ist dann auch die Erwartungshaltung etwas zu hoch. Wir müssen mit dem Ergebnis jetzt vernünftig umgehen“, sagte Hertha-Trainer Jos Luhukay. Doch es dürfte vielmehr der ideenlose Auftritt seiner Mannschaft gewesen sein, der die Anhängerschaft verärgerte, als das Remis. Mit dem gewonnenen Punkt nämlich verweilt der Aufsteiger mit nun 35 Zählern auf dem Konto weiter auf Tabellenplatz sieben und nähert sich langsam aber sicher dem Erreichen des Saisonziels: dem Klassenerhalt.

Wieder mit zwei Stürmern

„Wir hatten in den ersten Minuten eine richtig gute Chance. Es würde helfen, wenn wir da auch mal in Führung gegangen wären. Der Rest des Abends war ein unglaublich zähes Spiel“, sagte Herthas Manager Michael Preetz nach dem Spiel. Die Blau-Weißen warten durch das torlose Remis und nach zwei Heimpleiten zuletzt weiter auf den ersten Sieg vor eigener Kulisse im Jahr 2014. „Das war kein schönes Spiel von beiden Seiten und insgesamt zu wenig“, fasste Routinier Levan Kobiashvili die Nullnummer gegen seinen Ex-Verein zusammen.

Luhukay ließ erneut mit zwei Angreifern beginnen wie beim 2:1 in Stuttgart vor einer Woche. Neben Stammtorjäger Adrian Ramos rückte Sami Allagui wieder in die vorderste Reihe. Nur eine einzige Änderung nahm Luhukay gegenüber dem VfB-Spiel vor: Statt Nico Schulz durfte Änis Ben-Hatira auf dem linken Flügel auflaufen und gab damit nach 90 Tagen sein Startelf-Comeback. Der Deutsch-Tunesier hatte sich Anfang Dezember eine komplizierte Sprunggelenksverletzung zugezogen und war zuletzt jeweils nur eingewechselt worden.

Unter der Woche hatte Luhukay erklärt, die taktische Variante eines 4-1-3-2 vornehmlich gegen Gegner zu erwägen, die auffällig oft in der ersten Viertelstunde Gegentore kassieren. Und die Breisgauer waren so ein Team: Vor der Partie hatten sie bereits sieben Tore in den ersten 15 Spielminuten kassiert. Fast wäre Luhukays Konzept auch früh aufgegangen: Nach wenigen Sekunden sprang der Ball Allagui vor die Füße, der aus 20 Metern abzog, doch sein Schuss verfehlte knapp das Tor. Freiburg, das Team von Trainer Christian Streich, probierte es mit Admir Mehmedi ebenfalls früh aus der Distanz, aber Thomas Kraft im Berliner Tor war aufmerksam (8. Minute).

Die Anfangsphase überstanden die Freiburger, die vier Spiele zuvor auswärts in Folge verloren hatten und dabei kein einziges Tor erzielen konnten. Weil sie auch an diesem Abend torlos blieben, stellten sie einen Negativ-Vereinsrekord auf. Die Berliner Bemühungen stockten meist schon kurz hinter der Mittellinie, wo die Süddeutschen mit einer vielbeinigen Abwehr die Räume eng machten. Herthas Probleme im eigenen Stadion, gegen tief stehende Gäste zu kombinieren und zu Torgelegenheiten zu kommen, traten wieder deutlich hervor. Zuletzt halfen den Berlinern in solch zerfahrenen Begegnungen oft Standards, und beinahe wäre es wieder so gekommen, als Marcel Ndjeng einen Freistoß gefährlich in den Fünf-Meter-Raum hob und dort Allagui fand, doch dessen Kopfball flog am Tor vorbei (35.). Kraft war noch einmal gefragt, als plötzlich Mehmedi vor dem Berliner Gehäuse auftauchte und es aus 18 Metern probierte (44.). Ein fußballerischer Leckerbissen war das ansonsten aber nicht, was die 37.920 Zuschauer im Olympiastadion – darunter Berlins Regierender Bürgermeister in Begleitung von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder auf der Ehrentribüne – zu sehen bekamen.

Mit einer Rettungstat von Kraft begann auch der zweite Durchgang: Wieder war es der beste Freiburger Mehmedi, der im Hertha-Strafraum mit dem Kopf an den Ball kam und den Schlussmann der Berliner zu einer sehenswerten Parade zwang (53.). Hertha versuchte das Angriffsspiel nun variabler zu gestalten: Immer wieder wechselten Ben-Hatira und Ndjeng die Seiten, ließ sich mal Allagui etwas nach hinten fallen, dann mal Ramos, um die kompakte Freiburger Abwehr zu knacken. Gelingen aber wollte dies nicht.

Auch Ronny kann nichts reißen

Luhukay reagierte und brachte Per Skjelbred für den bemühten aber blassen Ndjeng (60.). Kommando zurück also ins 4-1-4-1 mit Allagui rechts auf dem Flügel. Momente später musste Tolga Cigerci mit Verdacht auf Muskelfaseriss im Oberschenkel raus. Für ihn kam Defensivkraft Peter Niemeyer. Hertha schmiss jetzt noch einmal die Offensivmaschinerie an: Einen ersten Schuss von Ramos konnte Oliver Baumann im Freiburger Tor nur mit der Schulter parieren (74.). Ein zweiter Versuch des Kolumbianers strich knapp über die Latte (77.).

Luhukay zog nun seinen letzten Trumpf und brachte unter tosendem Applaus die Ultima Ratio Ronny: „Durch die Einwechslung von Ronny hatten wir die Hoffnung, dass nach vorne noch etwas geht.“ Doch auch der Brasilianer sorgte nicht mehr für Belebung, und es blieb am Ende beim Remis. „Das war kein Fest, weder für die Zuschauer noch für uns“, sagte Linksverteidiger Johannes van den Bergh. „Wir waren nicht so dominant wie in den anderen Heimspielen zuvor. Deshalb ist das Unentschieden ein gerechtes Ergebnis.“