Fußball

„So schlecht war Manchester in Europa noch nie“

United nach 0:2-Blamage in der Champions League ratlos

Abgesehen vom Ergebnis standen hinterher noch zwei andere Werte zu Buche, die das Desaster in schaurige Zahlen fassten: Zum ersten Mal in seiner 112-jährigen Geschichte verlor Manchester United beim 0:2 (0:1) gegen Olympiakos Piräus gegen eine griechische Fußballmannschaft. Und gab dabei nur einen einzigen Torschuss ab. „Das einzig Gute an diesem Spiel war, dass es noch ein zweites gibt“, sagte ein sichtlich geschockter David Moyes.

In der Summe bedeutet das: Dem Trainer des englischen Erstligisten stehen nach der Blamage im Champions-League-Achtelfinale schwere Zeiten bevor. Die Medien übten sich erwartungsgemäß nicht in Zurückhaltung. „Das war eine entsetzliche, planlose und leidenschaftslose Darbietung“, schrieb der „Daily Telegraph“. Ex-Premier-League-Profi Dietmar Hamann teilte mit, er habe den Klub noch nie so hilflos gesehen. „Manchesters desaströse Saison liegt in Trümmern“, resümierte das Boulevardblatt „The Sun“.

Zuvor hatten die Profis um Superstar Wayne Rooney noch große Töne gespuckt. Trotz sportlicher Krise wurde sogar der Gewinn der Champions League in Aussicht gestellt. Nun droht dem Rekordmeister auch im vierten Wettbewerb das Aus: Im FA-Cup und im Liga-Pokal ist der Klub nach peinlichen Pleiten gegen Außenseiter ausgeschieden. In der Premier League haben die Red Devils 15 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter FC Chelsea. Und in der Königsklasse müsste fast ein Wunder her, damit der Einzug ins Viertelfinale noch gelingt.

Noch kein Spielkonzept erkennbar

„So schlecht waren wir in Europa noch nie, ganz klar“, sagte Moyes und legte die Stirn in Falten: „Wir waren eigentlich in einer guten Form und mit einer guten Mentalität nach Griechenland gereist. Aber wir haben es einfach nicht gezeigt“, sagte der 50-Jährige ratlos. Angreifer Robin van Persie hatte hingegen eine Erklärung für das nächste Debakel: Es gibt im Spiel des Premier-League-Sechsten einfach kein funktionierendes System. „Leider besetzen meine Mannschaftskameraden recht häufig die Räume, in die ich vorstoßen möchte“, sagte der niederländische Nationalspieler: „Dann muss ich meine Läufe anpassen.“ Vor allem das Zusammenspiel mit Rooney, den United bis 2019 mit 360.000 Euro pro Woche entlohnt, ist nicht existent. Am Dienstag spielte van Persie in der gesamten Partie einen Pass zu Rooney – beim Anstoß.

Sieben Monate nach seinem Amtsantritt hat Moyes noch immer keine Struktur gefunden, die das zweifellos vorhandene Talent seines Teams ausschöpft. In Medien wurde spekuliert, wann die Bosse im Old Trafford die Geduld mit dem Nachfolger von Trainer-Legende Alex Ferguson verlieren. Der „Guardian“ wusste gestern immerhin zu vermelden, dass Moyes die volle Rückendeckung des Vereins habe.

Vielleicht muss der Schotte einfach nur diese Spielzeit durchstehen, bis er mit neuem Personal angreifen kann. Anfang der Woche hatten mehrere englische Medien berichtet, dass Moyes den deutschen Nationalspieler Toni Kroos von Bayern München im Sommer mit einem Jahresgehalt von 14 Millionen Euro auf die Insel locken will. Auch Ilkay Gündogan von Borussia Dortmund soll auf dem Zettel des reichen Klubs stehen. Im Rückspiel gegen Olympiakos Piräus muss Moyes jedoch mit dem vorhandenen Kader die Wende schaffen. „Es ist sehr schwer, drei Tore in diesem Wettbewerb zu schießen, aber wir haben das schon geschafft und glauben fest daran, es erneut schaffen zu können“, sagte Moyes. Er hoffe auf eine magische Nacht im Old Trafford. Als er das sagte, wirkte der Coach, als wisse er genau, dass er nicht der einzige ist, der insgeheim daran zweifelt.