Handball

Der Pokal-Traum der Füchse lebt

Angeführt von Kapitän Iker Romero besiegen die Berliner Lemgo und stehen zum ersten Mal im Final Four

Der Jubel wollte gar kein Ende nehmen: Die Spieler der Füchse Berlin tanzten ausgelassen auf dem Parkett, die Fans in der Max-Schmeling-Halle schrien und sangen wie verrückt. „Oh, wie ist das schön…“ Sie feierten das 26:23 (13:13) ihrer Mannschaft gegen den TBV Lemgo. Welch ein großer Schritt für den Berliner Handballverein: Zum ersten Mal in der Klubgeschichte stehen die Füchse im Final Four um den deutschen Pokal am 12./13. April in Hamburg.

Schon eine Minute nach der Schlusssirene hatten alle ein grünes T-Shirt übergestreift, auf dem zu lesen stand: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Hamburg.“ Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten standen der überragende Torhüter Petr Stochl und Iker Romero, mit neun Toren bester Berliner Werfer. „Wir haben Probleme gehabt. Jeder hat aber für jeden gekämpft. Wir wussten, nur so könnten wir es schaffen“, sagte Stochl. Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson war „sehr stolz auf meine Mannschaft. Das ist für uns ein ganz großer Moment.“ Geschäftsführer Bob Hanning freute sich vor allem „über die Art und Weise, wie wir voller Leidenschaft gespielt haben“.

Für Hamburg haben sich neben den Berlinern auch die Rhein-Neckar Löwen (33:23 gegen den Zweitligisten VfL Bad Schwartau), die SG Flensburg-Handewitt (25:19 bei der HSG Wetzlar) und die MT Melsungen (30:27 gegen Frisch Auf Göppingen) qualifiziert. Bereits am Freitag um 11 Uhr werden in der Hamburger O2 World die beiden Halbfinal-Partien ausgelost. Am Freitag liegt es in den Händen einer besonders hübschen Glücksfee: Die Auslosung nimmt die amtierende Miss Germany Vivien Konca vor.

Schon beim Warmspielen der Teams war den Berliner Fans etwas mulmig zumute. Dass Sven-Sören Christophersen, Pavel Horak und Paul Drux wegen Verletzungen nicht würden spielen können, war allen klar. Doch es fehlte auch noch Torwart Silvio Heinevetter. Der Nationalspieler hatte in der Schlussphase der EHF-Cup-Partie in Constanta einen Ball auf den Kehlkopf bekommen, doch das war nicht der Grund seines Ausfalls. Heinevetter war so stark erkältet, dass ein Einsatz nicht in Frage kam. So rückte Routinier Petr Stochl von Beginn an ins Tor. Als zweiter Keeper nahm der 17-jährige A-Jugend-Spieler Alexander Heyder auf der Bank Platz.

Die geschwächten Berliner taten sich von Beginn an schwer. In der Abwehr war man nicht immer aufmerksam und in der Offensive fehlte die Durchschlagskraft. Es wurde viel zu viel quer vor der Lemgoer Abwehr gespielt, der direkte Zug zum Tor fehlte. Hinzu kamen viele Abspielfehler, die die Gäste immer wieder zu Toren nutzten. Vor allem Konstantin Igropulo agierte anfangs unglücklich. Erst scheiterte er mit einem Siebenmeter am starken Lemgoer Torwart Nils Dresrüsse (wie kurz danach auch Fredrik Petersen), dann konnte er zweimal frei vor dem Keeper nicht verwandeln.

Dass der Rückstand der Berliner nur auf maximal drei Treffer anwuchs (9:12/24. Minute), hatten sie vor allem Stochl zu verdanken, der viele gute Paraden zeigte. Und die Füchse hatten ja immer noch einen Iker Romero. Der Spanier, der „Mann für die besonderen Augenblicke“, dessen Vertrag am Saisonende nicht verlängert wird, erzielte bis zum Wechsel vier Treffer. Der 33-Jährige übernahm nach Petersens und Igropulos Fehlschüssen auch Verantwortung an der Siebenmeterlinie und verwandelte insgesamt fünfmal sicher. Mit der Sirene zur Pause erzielte er das 13:13. Die Füchse waren wieder im Spiel.

Es ging in Hälfte zwei erst einmal so weiter wie vor dem Wechsel: Stochl hielt sehr gut, die Füchse vergaben große Chancen – doch zumindest Romero traf. Und ihm gelang es auch, sein Team mit einem Trickwurf von Außen erstmals mit drei Toren Differenz (18:15/40.) in Führung zu werfen. Der unglaubliche Stochl zeigte vor 3312 Zuschauern jetzt Weltklasse-Reflexe, hielt sogar zwei Siebenmeter. An den Routiniers, Stochl, 37, und Romero, 33, richteten sich die Füchse auf. Sie steigerten sich, jetzt traf auch Bartlomiej Jaszka (20:16/47.), der insgesamt sieben Treffer erzielte.

Das Final Four in Hamburg war nur noch 13 Minuten entfernt. Aber die Füchse wurden hektisch und haderten mit den Schiedsrichtern. Lemgo glich zum 20:20 aus, Jaszka postwendend zur 21:20-Führung, Jesper Nielsen legte nach (22:20/56.). Noch einmal glichen die Lemgoer zum 22:22 (57.) aus. Doch dann besorgten zweimal Romero, Jaszka und Nielsen den Rest. Und dann war nur noch Jubel.