Fußball

Königliche Gala gegen Königsblau

Schalke 04 wird im Champions-League-Achtelfinale von Real Madrid mit 1:6 gedemütigt

Ein Haken nach rechts, einer nach links, Schuss, Tor – und da war es endlich wieder, dieses animalische Grinsen, dank dem Gareth Bale immer ein bisschen aussieht wie ein Werwolf in kurzen Hosen. Seit seinem Wechsel zu Real Madrid hat der Waliser dieses Grinsen ja oft ausgespart, es lief nicht immer optimal. Am Wochenende verweigerte er in der spanischen Liga nach einem Treffer gar den Torjubel. Doch ausgerechnet im Achtelfinale der Champions League erwachte Bales Killerinstinkt. Beim 6:1-Auswärtserfolg der Madrilenen gegen Schalke 04 erzielte der teuerste Fußballer der Welt zwei Treffer, darunter das 2:0 mit einem traumhaften Solo. Es war der Halbzeitstand und gleichzeitig die Vorentscheidung in einer Partie, die die Spanier nach Belieben dominierten.

Erste Chance nach 60 Sekunden

„Der Klassenunterschied war deutlich. Mit solchen individuellen Aussetzern hat man keine Chance“, sagte Schalkes Julian Draxler, der diesem Spiel womöglich eine andere Wendung hätte geben können. Nach der Führung von Karim Benzema (13.) hatte der Jungstar die große Möglichkeit zum Ausgleich, doch er vergab freistehend aus drei Metern.

Insgesamt begann Schalke nicht schlecht. Schon nach 60 Sekunden setzte der rechtzeitig genesene Benedikt Höwedes einen Kopfball nur knapp neben das Real-Tor. Die Hausherren wollten beflügelt durch die königliche Stimmung in der Arena durchaus mitspielen – und wurden von Real eiskalt bestraft. Bale tänzelte erstmals durch die Abwehr, Cristiano Ronaldo legte mit der Hacke auf und hatte Glück, dass der Ball von Felipe Santana zu Benzema verlängert wurde – schon stand es 0:1. Acht Minuten später begann die Fehlerkette im Mittelfeld beim ebenfalls genesenen Draxler, Santana verlor den Ball gegen Benzema und 100-Millionen-Mann Bale ließ nach seinem nächsten Solo Schalkes Schlussmann Ralf Fährmann keine Chance – 0:2.

Der deutsche Real-Profi Sami Khedira – Rekonvaleszent nach Kreuzbandriss – konnte sich als Tribünengast entspannt zurücklehnen. Real bestimmte in knalligem Orange statt königlichem Weiß mit sichtbar mehr Klasse das Geschehen. Ronaldo scheiterte einmal am Pfosten (32.) und zweimal am wackeren Fährmann (37./45.+1), der hielt was er halten konnte. Einzige versprechende Schalke-Aktion vor der Pause war ein Versuch von Kevin-Prince Boateng (36.), der aber besser dem hinter ihm besser postierten Klaas-Jan Huntelaar den Ball überlassen hätte.

Schalke verkroch sich auch nach der Pause erstmal nicht. Roman Neustädter (47.) setzte mit einem Distanzschuss ein kleines Signal. Doch das Spiel lief nach dem gleichen Muster weiter. Kurz darauf ließ Weltfußballer Ronaldo Joel Matip stehen und hämmerte den Ball zu seinem zehnten Saisontor in der Champions League ins lange Eck.

Nun wäre Schadensbegrenzung angesagt gewesen. Doch Schalke machte es dem Kontrahenten durch zu passive Defensivarbeit zu leicht. Benzema wurde zu seinem zweiten Treffer nach erneuter Hacken-Vorarbeit von Ronaldo freundlich eingeladen. Auch Bale und Ronaldo durften nochmal treffen – Schalke war die Angst vor dem scheinbar unabwendbaren Debakel anzumerken. Nur die Fans feierten unverdrossen – und sangen die alte Uefa-Cup-Hymne aus erfolgreicheren Europacup-Tagen. Huntelaars Tor in der Nachspielzeit entlockte ihnen einen kurzen Jubel. Sein Distanzschuss hat gute Chancen auf das „Tor des Monats“.

Weiterkommen ist kein Thema

Für Real Madrid endete eine unglaubliche Negativserie. Erst zum zweiten Mal konnten die Spanier in Deutschland gegen ein Bundesliga-Team gewinnen – und das im 26. Versuch. Nur Bayer Leverkusen hatte sich bislang im Jahr 2000 2:3 geschlagen geben müssen. Solch ein Ergebnis hätte Schalke noch eine gewisse Resthoffnung für das Rückspiel am 18. März in Madrid gegeben. Nun müsste der erhoffte 75. Europapokalsieg der Königsblauen im Bernabeu schon mit mindestens sechs Toren gelingen – ein komplett unrealistisches Unterfangen.

„Über ein Weiterkommen brauchen wir gar nicht zu sprechen“, sagte Draxler, während Höwedes zumindest die gute Leistung der Anfangsminuten nicht ausblenden wollte: „So blöd das klingt bei einem 1:6, aber wir brauchen uns hinter dieser Leistung nicht zu verstecken“, sagte er. Sein Team sollte sich daran aufrichten. Am Sonnabend wartet in der Bundesliga niemand geringeres als der FC Bayern München.