Karriereabschluß

Hoffnung auf einen goldigen Abschied

Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch und Biathletin Andrea Henkel starten heute in ihren letzten olympischen Rennen

Sie wollen eine Medaille, am liebsten Gold. Natürlich, sind ja auch ihre letzten Rennen bei Olympischen Spielen, da würde es perfekt passen, als Nummer eins der in Sotschi versammelten Sportwelt adieu zu sagen und in Deutschland noch einmal groß gefeiert zu werden. Wenn die alpine Rennläuferin Maria Höfl-Riesch, 29, und Biathletin Andrea Henkel, 36, heute zum letzten Mal bei Winterspielen an den Start gehen, haben sie dasselbe Ziel vor Augen: einen glanzvollen Abschied.

Den Anfang macht die Partenkirchenerin Höfl-Riesch, die ab 13.45 Uhr zum 1. Lauf im Slalom antritt. Der zweite Durchgang erfolgt dann um 17.15 Uhr. Dazwischen geht Skijägerin Henkel mit der deutschen Staffel auf die Hatz über 4x6 Kilometer mit insgesamt acht Schießeinlagen. „Ich will das letzte Rennen hier einfach nur noch genießen“, frohlockt Höfl-Riesch, die wie Henkel in den vergangenen Tagen von einer hartnäckigen Erkältung geplagt wurde.

So ähnlich ihre Ziele für ihre allerletzten olympischen Rennen heute sein werden, so unterschiedlich haben die beiden deutschen Vorzeige-Athletinnen die vergangenen zwei Wochen bei den Winterspielen erlebt. Während Höfl-Riesch voller Stolz und mit Glücksgefühlen die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier ins Stadion trug, saß Henkel in den Bergen vor dem Fernseher und verfolgte die Zeremonie. Auch sie war als Trägerin der deutschen Flagge in den Tagen zuvor im Gespräch gewesen, hatte aber dann kurz vor der Bekanntgabe via Facebook abgesagt. Zwar wäre sie bei ihrer vierten Olympia-Teilnahme gern zum ersten Mal zur Auftakt-Zeremonie gegangen, doch am Ende entschied sie sich schweren Herzens dagegen und für ein wenig Ruhe vor ihrem ersten Wettkampf. Dann aber kamen der Husten – und die sportlichen Enttäuschungen. Platz 18 im Massenstart war ihr bisher bestes Resultat in den Einzelrennen.

Nur selten war der Skijägerin in den Tagen von Sotschi zum Lachen zumute, ihr feines Lächeln hat die Thüringerin aber selbst nach der Nicht-Berücksichtigung für die Mixed-Staffel, in der das deutsche Quartett auf Rang vier lief, nicht ganz verloren. Zumindest zeigt sie sich so auf ihrer Facebook-Seite den Fans. „Entschuldigt bitte vielmals, dass ich in den letzten Tagen etwas wortkarg war, das soll sich natürlich wieder ändern“, bedankte sie sich für Trost und Aufmunterung. Vielleicht wird Henkel ihren Trainern Gerald Hönig und Ricco Groß noch dankbar sein, dass sie ihr wegen der Bronchitis weiter Schonung verordnet haben. Das Ergebnis wird sich heute in der Staffel zeigen.

Für Höfl-Riesch waren die Winterspiele mit Ausnahme der Erkältung ein lustvolles Fest. Mit dem Rückenwind als Fahnenträgerin fuhr die 29-Jährige erst zu Gold in der Super-Kombination und dann zu Silber im Super-G. Den Riesenslalom ließ sie aus, um richtig fit für das Finale furioso heute im Slalom zu sein. Gewonnen hat die Bayerin eigentlich alles, was es in der alpinen Welt zu gewinnen gibt. Sie ist die erfolgreichste Deutsche ihrer Sportart bei Winterspielen. Nun soll der glänzende Abschluss in der Disziplin her, in der sie vor fünf Jahren die erste ihrer zehn Medaillen bei Großereignissen gewann.

Weltmeisterin 2009, Olympiasiegerin 2010, neun ihrer 27 Weltcup-Siege glückten im Torlauf. Aber als Mitfavoritin will sich Höfl-Riesch trotz dieser glanzvollen Bilanz keineswegs sehen. Nur einmal konnte sie für den Slalom trainieren. „Natürlich wird es mit dieser Mini-Vorbereitung umso schwerer, sich gegen die starken Technik-Spezialistinnen zu behaupten und um eine Medaille mitzufahren“, sagte die Skirennfahrerin, „aber ich werde versuchen, in meinem allerletzten Olympia-Rennen nochmal alles aus mir rauszuholen.“

Bei Andrea Henkel steht schon fest, dass sie nach dieser Saison ihre Karriere beendet, eine Medaille würde ihr den Abschied sicher versüßen – es wäre ihre fünfte bei Olympia. Sie will künftig in den USA bei ihrem Freund Tim Burke leben und als Fitnesstrainerin Fuß fassen. Bei Höfl-Riesch steht noch nicht fest, ob sie nach der Saison Schluss macht oder noch „ein Jahr zum Genießen, wirklich ohne Druck“ ranhängt.