Kommentar

Mehr als eine Verliererin

Marcel Stein über Pechsteins Leistungen in Sotschi

Das eigene Bild in den Medien ist ihr ziemlich egal. Von Sympathie könne sie sich nichts kaufen, sagt Claudia Pechstein. Entsprechend tritt die Berlinerin auf: angriffslustig, wenig diplomatisch, oft auch verbittert. Bei dem, was sie durchmachen musste, scheint das nur menschlich. Zwei Jahre war sie gesperrt, wie es aussieht, nicht rechtmäßig.

So etwas macht einen hart im Umgang mit anderen. Zuweilen übertreibt es Pechstein vielleicht mit ihrer spröden Art, mit ihrer Kampfesattitüde. Weshalb sie viele nun als eine der großen Verliererinnen der Olympischen Spiele betrachten dürften. Schließlich kündigte sie an, mit einer Olympiamedaille dem Weltverband eins auswischen zu wollen.

Das ist misslungen, aber als Verliererin sollte niemand Pechstein betrachten. Platz vier und fünf auf ihren Spezialstrecken kurz vor ihrem 42. Geburtstag sind Ausdruck enormer Leistungsfähigkeit. Trotz ihres Alters präsentiert sich die Berlinerin als Musterbeispiel für sportliche Professionalität. Keine andere deutsche Eisschnellläuferin konnte in Sotschi mit solchen Ergebnissen aufwarten. Dafür muss sie niemand lieben, aber Pechstein verdient in jedem Fall großen Respekt.