Zwischenbilanz

Snowboarder gefährden deutsche Medaillenpläne

Die Miene von Michael Vesper wurde immer ernster.

Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) war extra gekommen, um den deutschen Snowboard-Rennfahrern zuzuschauen. Was Vesper sah, entsprach aber nicht seinen Erwartungen. Ein deutscher Snowboarder nach dem anderen schied im Parallel-Riesenslalom aus. Weltmeisterin Isabella Laböck erwischte es bereits in der Qualifikation. „Das ist natürlich überhaupt nicht zufriedenstellend“, klagte die 27-Jährige und verwies auf die eisige Piste und auf Rückenprobleme. Amelie Kober zog sich einen knöchernen Kapselausriss im Ellenbogen zu, Alexander Bergmann verpatzte nach eigenen Angaben „die Schlüsselstelle zwischen steilem und flachem Teil“. Als letzter deutscher Starter schaffte es Patrick Bussler bis ins Halbfinale, landete am Ende auf einem guten vierten Platz.

Der deutsche Sport hat sich entschlossen, das Abschneiden seiner Athleten hauptsächlich an Medaillen festzumachen. Drei Medaillen hatte Snowboard-Verbandspräsident Hanns-Michael Hölz eingeplant, was Snowboard-Sportdirektor Stefan Knirsch als „extrem ambitioniert“ bezeichnete. Bei noch zwei ausstehenden Wettkämpfen (Parallelslalom der Frauen und Männer am Sonnabend) hat er da wohl recht. Die Snowboarder hatten die große Chance, sich mit guten Ergebnissen mehr öffentliche Wahrnehmung zu erarbeiten. Bislang haben sie sie nicht genutzt.