Hertha BSC

Luhukays Problemzone auf dem linken Flügel

Hertha sucht Verstärkung für das offensive Mittelfeld

Erwärmt war Jos Luhukay nicht von dem, was er beim 3:1 (2:0) im Testspiel seiner Reservisten gegen Regionalliga-Spitzenreiter Neustrelitz sah. Die Hände tief in den Jackentaschen verborgen, verfolgte der Niederländer am Mittwoch das Treiben auf dem Rasen des Hanns-Braun-Platzes im Olympiapark. „Vom Ergebnis her bin ich zufrieden“, sagte der Trainer schmallippig. Viel konzentrierte sich im Spiel auf die Darbietungen der Linksaußen Änis Ben-Hatira und Nico Schulz. Denn auf der Position hat Hertha gerade ein Problem.

Statt am vergangenen Wochenende Bundesliga gegen Wolfsburg zu spielen, musste der 20 Jahre alte Schulz in der vierten Liga bei Lokomotive Leipzig für die U23 auflaufen. Ein deutliches Zeichen an den Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Er steckt in einer Formkrise und kann sich auch im Training derzeit nicht daraus befreien.

Mehr als 20 Minuten sprach Luhukay zu Wochenbeginn auf dem Trainingsplatz auf Nico Schulz ein. Über den genauen Inhalt der Aussprache wollten beide lieber nicht sprechen. „Das ist etwas zwischen Nico und mir. Das bleibt unter uns. Ich möchte das Vertrauensverhältnis aufrecht erhalten. Ich halte viel von Nico und hoffe, dass er am nächsten Wochenende gegen Stuttgart wieder die Alternative ist, die er war“, sagte der Niederländer. Die Tür für Schulz ist weiter offen. Im Testspiel nahm er die Chance auch an und zeigte sich agiler als noch in der vergangenen Woche. Dass er die sofortige Chance auf eine Rückkehr in den Kader hat, liegt auch an der Situation von Ben-Hatira.

Der tunesische Nationalspieler gab nach seinem Syndesmoseriss von Anfang Dezember am vergangenen Bundesligaspieltag sein Comeback, wurde zum Ende der Partie eingewechselt. „Es ist wirklich schön, dass ich wieder das Vertrauen des Trainers bekommen habe. Ich bin nun fit und freue mich über jeden Einsatz, den ich bekommen kann“, sagte Ben-Hatira. Doch die körperliche Verfassung ist nur ein Teil. Bereits im Vorjahr hatte Luhukay gesagt, dass der offensive Mittelfeldspieler für seine unnachahmlichen Dribblings eine gewisse „Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit“ brauche.

Mit ein wenig Glück hätte er sich schon davon etwas beim Kurzeinsatz gegen Wolfsburg holen können. Doch sein Kopfball prallte gegen die Latte. „Ein kleines bisschen verfolgt mich auch das Pech. Das war gefühlt mein 20. Aluminium-Treffer“, sagte der 25-Jährige. Auch im Test gegen Neustrelitz war dem Mittelfeldspieler das Bemühen nicht abzusprechen. Er versuchte Dribblings, wechselte die Seiten, bot sich im Gegensatz zum Brasilianer Ronny auch im zentralen Mittelfeld an. Doch die Bindung zum Spiel fehlt ihm immer noch.

Klar ist, dass ein vollständig einsatzfähiger Ben-Hatira in der Bundesliga die Aufgaben auf der linken Seite zur vollen Zufriedenheit erfüllt. An acht Treffern war er vor seinem Ausfall direkt beteiligt. Doch wie schon im Vorjahr warf ihn eine Verletzung aus der Bahn. Wenn dann noch Schulz mit seiner Form zu kämpfen hat – wie derzeit –, bekommt Hertha ein Problem auf der linken Außenposition. In den vergangenen beiden Partien spielten einmal Linksverteidiger Johannes van der Bergh und Rechtsaußen Sami Allagui dort. Passabel, aber eben nicht vollständig zufriedenstellend.

Deshalb ist Hertha auf der Suche nach einem neuen Flügelspieler. Vorzugsweise einem, der auf beiden Seiten agieren kann. Denn eigentlich gilt rechts als die etwas schwächer besetzte Seite. Dort soll der Vertrag mit Marcel Ndjeng, 31, verlängert werden. Ein Kandidat für eine Verpflichtung ist Karim Bellarabi, der in dieser Saison von Leverkusen an Braunschweig ausgeliehen ist und beim Werksklub einen Vertrag bis 2015 besitzt. Bereits im letzten Sommer war Hertha an dem 23-Jährigen interessiert. Sollte Adrian Ramos verkauft werden, hat Luhukay angekündigt, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. Das Investment in einen Flügelspieler wäre ein solcher Schritt.