Riesenslalom

Rebensburg gefällt sich in der Rolle der Jägerin

Für die Olympiasiegerin lief die Saison nicht nach Plan

Eines wird Viktoria Rebensburg nicht wieder passieren. Dass ihre Eltern wie vor vier Jahren während des entscheidenden Laufs zu Olympia-Gold im Flieger sitzen. „Mama und Papa sind nicht da“, sagte Rebensburg vor der Riesenslalom-Entscheidung am Dienstag. „Sie haben sich entschlossen, alles von zu Hause aus zu verfolgen.“

Weil die kuriose Riesenslalom-Entscheidung bei den Winterspielen von Vancouver vor vier Jahren wegen Nebels um eine Nacht vertagt werden musste, waren sie schon auf dem Heimweg. Rebensburg fuhr von Rang sechs zu Gold. Die Eltern fehlen diesmal, dagegen erinnerte das Wetter in den Bergen von Krasnaja Poljana einen Tag vor dem Riesentorlauf an die Bedingungen von 2010: dichter Nebel. Und noch etwas war ähnlich: Nach langer Krankheitspause ist die 24-Jährige sicher nicht die Favoritin.

„Ich sehe mich ein bisschen in der Jägerrolle, weil die Saison anders verlaufen ist, als sie begonnen hat“, berichtete Rebensburg an der Seite von Maria Höfl-Riesch. Die Vorzeigefahrerin der deutschen Alpinen liefert beständig, neun der vergangenen zehn Einzelmedaillen bei Großereignissen gehen auf ihr Konto. Nur Rebensburg steuerte auch eine Plakette bei – und soll das nach Wunsch von Chefcoach Thomas Stauffer auch diesmal tun. Dritte Deutsche am Start: Olympia-Debütantin Barbara Wirth.

Höfl-Riesch lässt Start offen

„Es ist klar, dass Vicky und Maria eine Medaillenchance haben. Da sind wir sicher im erweiterten Favoritenkreis“, erklärte Stauffer. Allerdings war am Montag nicht sicher, ob Höfl-Riesch überhaupt würde starten können. Eine Erkältung der 29-Jährigen ist schlimmer geworden, sie habe sich im Training nicht wohl gefühlt, hieß es. Ob sie das Rennen fährt, soll erst am Dienstagmorgen entschieden werden. Möglich ist, dass sie verzichtet, um fit in den Slalom am Freitag zu gehen. Dort rechnet sich die Weltmeisterin von 2009 und Olympiasiegerin von Vancouver bessere Chancen aus.

Für Rebensburg ist das Rennen nach ordentlicher Abfahrt und verpasster Super-G-Chance die größte Gelegenheit auf das Podest. Die zehnmalige Weltcup-Gewinnerin war allerdings in diesem Winter zeitweise mehr damit beschäftigt, wann sie welche Pille nehmen muss oder wann der nächste Arzttermin ansteht, als mit der Trainingsplanung. Rechtzeitig kehrte sie zurück in den Weltcup, ohne jedoch ihre bestleistung zu erreichen. „Momentan sind einfach andere Favoritin im Riesenslalom“, sagte die Bayerin, die ihre Goldene von Vancouver zu Hause „auf meiner Fensterbank“ liegen hat.

Für den Dienstag sind Schneefall und Minus-Temperaturen vorhergesagt, auch Nebel könnte aufziehen. Wie damals. Bei der Vorstellung an ein solches Wetter muss Rebensburg lachen. „Ach, da hätte ich nichts dagegen“, sagte sie. „Da muss man einfach flexibel sein, und so gehe ich auch an die Sache ran.“ Vor vier Jahren endete das in Gold.