Mirko Slomka

„Ich denke nicht an die Zweite Liga“

Neuer HSV-Trainer Mirko Slomka verordnet der Mannschaft mehr Training und glaubt an sie

Mirko Slomka hat das Himmelfahrtskommando beim Hamburger SV voller Tatendrang im roten HSV-Trikot mit kurzen Ärmeln angetreten. „Es ist eine irre spannende Herausforderung, zunächst die zwei Plätze gutzumachen, die man für den Klassenverbleib braucht“, sagte der 46-Jährige bei seiner Vorstellung in der HSV-Arena. 13 Spiele bleiben dem wie ein Heilsbringer empfangenen Coach, um den Traditionsverein vor dem ersten Absturz aus der Fußball-Bundesliga zu bewahren. „Wir alle werden ziehen und zerren, um aus der schwierigen Lage rauszukommen“, sagte Slomka, dessen wortreiche Ausführungen stets ein Lächeln begleitete.

Eine Stunde nach der von einem großen Medienaufkommen begleiteten Präsentation stand das erste Training an. Zu dem fanden sich mehr als 500 Zuschauer ein. Der Nachfolger von Bert van Marwijk erhält beim HSV einen Vertrag bis 2016. Dieser gilt auch für die Zweite Liga. „Es wäre natürlich blauäugig, wenn man den Blick auf die Tabelle richtet, als Verein nicht daran zu denken. Ich gehe aber vom Klassenverbleib aus“, betonte Slomka, der seinen langjährigen Co-Trainer Nestor El Maestro mitbringt.

Mit der Verpflichtung des dritten Coaches in dieser Saison hat der nach sieben Punktspiel-Pleiten in Serie auf Rang 17 abgestürzte HSV seinen letzten Trumpf im sportlichen Überlebenskampf gezogen. Der den ohnehin klammen Klub teuer zu stehen kommt. So sind für die beurlaubten Trainer Thorsten Fink 800.000 Euro, für van Marwijk bis zu drei Millionen fällig. Das Gehalt von Slomka soll eine Million Euro pro Jahr (plus Nichtabstiegsprämie) betragen. „Wir müssen uns wirtschaftlich an die Decke strecken“, sagte Klubchef Carl-Edgar Jarchow. Nachdem der Aufsichtsrat den Deal einstimmig abgesegnet hatte, traten fünf der elf Räte aus dem zerstrittenen Gremium zurück.

Slomka übernimmt einen HSV, der mit mageren 16 Zählern auf Abstiegsrang 17 steht. Bei seinem Debüt am Sonnabend geht es gegen Champions-League-Finalist Borussia Dortmund. Slomka sagte: „Ein fantastischer Gegner, um zu zeigen: Dieser Verein lebt!“

Dann folgen die Gegner Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, 1. FC Nürnberg, VfB Stuttgart und SC Freiburg – alles direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. Vorerst nicht dabei ist Rafael van der Vaart. Der Niederländer fällt mit einem Bänder- und Kapselriss im rechten Sprunggelenk drei Wochen aus. Zuletzt war aber auch der mitschwächelnde Kapitän seinem Team keine große Hilfe.

Slomka will nicht alles auf den Kopf stellen, aber auf jeden Fall mehr trainieren als van Marwijk. Ansonsten gelte es, „das vorhandene Potenzial“ besser auszuschöpfen: „Manchmal reicht es, an ein paar Stellschrauben zu drehen“, verriet der als Motivator bekannte Coach. „Wir müssen der Mannschaft wieder das Erfolgs-Gen einhauchen.“

Unterdessen hat van Marwijk einen Tag nach seiner Entlassung dem Hamburger SV Bundesliga-Fähigkeiten abgesprochen. „Ich hatte immer Hoffnung und glaube auch heute noch an die Chance. Sie ist aber nur sehr klein“, sagte der Niederländer der „Hamburger Morgenpost“: „Letztlich fehlt es auch an Qualität.“