Vanessa-Mae

Faulheit als Antrieb

Warum sich Star-Geigerin Vanessa-Mae heute im Riesenslalom in das Abenteuer Olympia stürzt

Star-Geigerin Vanessa-Mae als Skirennfahrerin bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi – daran muss sich auch die dreimalige Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch erst noch gewöhnen. „Wenn man die so sieht, wie klein und zerbrechlich die ist, kann man sich gar nicht vorstellen, wie die durch so einen Lauf kommen und womöglich noch gegen die Stangen fahren kann“, sagte Höfl-Riesch vor dem Riesenslalom am Dienstag. Um eine Medaille wird die 35 Jahre alte Mae in den Bergen von Krasnaja Poljana auch nicht fahren. „Für mich geht es nur darum, in zwei Läufen Spaß zu haben“, sagte sie. „Es ist mir völlig egal, ob ich am Ende auf dem letzten Platz lande. Die Hauptsache ist doch, dass ich hier dabei bin.“

Seit 2009 in der Schweiz zu Hause

Aber auch ohne sportliche Glanztaten steht Mae, die unter dem Namen ihres Vaters als Vanessa Vanakorn für Thailand startet, am Schwarzen Meer im Rampenlicht. Die wilde Geigerin ist bekannt für ihre gewagten Roben und aufreizenden Posen. Mae mit Geige und Schmollmund im nassen Hemdchen halb im Wasser, oder im knallroten Edeloutfit mit Ausschnitt bis zum Bauchnabel – mit solchen Fotos hat die seit 2009 in Zermatt in der Schweiz lebende Künstlerin Millionen Fans begeistert. Geboren wurde sie im tropischen Singapur. Mit ihrer aus China stammenden Mutter zog sie im Kindesalter nach Großbritannien.

Mit einem Repertoire von Klassik bis Techno hat sie weltweit Musik-Preise gewonnen und stand schon mit 24 Jahren auf der Liste der Superreichen. Um Aufmerksamkeit geht es Vanessa Mae daher nach eigenen Angaben nicht. Wegen ihrer „faulen Seite“ habe sie ein Ziel gesucht. „Ich habe mich gefragt, ob ich wirklich nur an sonnigen Tagen skifahren gehen werde oder tatsächlich besser werden will“, meinte sie. Mit dem Ziel, sich für die Olympischen Winterspiele zu qualifizieren, ließ sie sich selbst dann keine Wahl mehr.

Beeindruckt hat sie damit auch Barbara Wirth. „Ich habe sie im Sommer schon im Trainingslager im Zermatt getroffen“, berichtete die 24-Jährige, die neben dem Riesenslalom auch im Slalom an den Start gehen will. „Sie hat sich brutal gefreut, dass sie mit uns mittrainieren darf. Das habe ich als schönen Moment empfunden. Es war interessant, wie ehrgeizig sie ist“, sagte Wirth.

Voraussetzung für einen Start bei den Winterspielen ist eine gewisse Punktzahl bei FIS-Veranstaltungen: Im Weltcup, Europacup oder bei FIS-Rennen. Letztere gelten als dritte Liga der Skirennfahrer, in der Talente Rennpraxis bekommen, aber auch länger verletzte Spitzenathleten ihr Renngefühl wiederfinden sollen. Auch dort gibt es aber Punkte. Schlechtes Wetter und Rennabsagen machten die Qualifikation zwar kompliziert. Vier Starts binnen zwei Tagen in Slowenien reichten aber, um die Kriterien des Skiweltverbands zu erfüllen. „Das Wetter war in letzter Minute zum Glück auf meiner Seite, und ich habe es geschafft – das ist fast surreal“, sagte Mae.

Von zwei Bodyguards beschützt

Verletzungssorgen hat die laut offiziellen Angaben 1,60 Meter kleine und 48 Kilogramm leichte Künstlerin nicht. „Ich habe mir schon den Ellenbogen gebrochen und das überlebt. Man muss sein Leben auch mit ein bisschen Risiko leben, um es lebenswert zu machen“, erklärte sie. Nach ihrem Abenteuer als Leistungssportlerin soll allerdings bald wieder die Musik im Mittelpunkt stehen. „Das ist einfacher. Alles ist nur Interpretation, es gibt kein richtig und falsch und keinen Wettkampf.“

In Sotschi gefällt es der oft von zwei Bodyguards begleiteten Vanessa-Mae sehr gut. „Alle sind super entspannt, und das Buffet im Olympischen Dorf ist toll“, sagte sie. Auf die Frage, ob sie denn auch dort wohne, antwortete sie mit „Ja“. Allerdings soll die Teilnehmerin mit dem größten Glamour-Faktor auch ein Hotelzimmer in Rosa Chutor bezogen haben, denn ihr Chihuahua Max hat im Sportlerdorf keinen Zutritt.

Maria Höfl-Riesch und Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg jedenfalls sind „gespannt“ auf Vanessa-Maes Auftritt vor ungewohntem Publikum. Dann kann sie auch beweisen, dass sie wirklich keine Schönwetterfahrerin mehr ist. Angesagt für Dienstag ist: Schnee.