Historische Pleite

Nach Bob-Debakel eskaliert der Streit um das Material

Potsdamer Kuske bezeichnet seinen Zweier als Trabi

Die deutschen Piloten haben im Zweierbob eine historische Pleite erlebt. Nach zuletzt drei Olympiasiegen von Christoph Langen und André Lange kam Weltmeister Francesco Friedrich am Montag im Sanki Sliding Center nur auf den achten Rang und fuhr damit das schlechteste Ergebnis seit 58 Jahren ein. Dem 23-Jährigen fehlten 1,46 Sekunden auf den Triumphator Alexander Subkow aus Russland. Zweiter wurde der Schweizer Beat Hefti vor dem US-Piloten Steven Holcomb.

Auch Thomas Florschütz auf Platz elf und Maximilian Arndt als 15. konnten die Erwartungen nicht erfüllen. Schon vor dem vierten Durchgang verschärfte sich zudem die Materialdiskussion im Team. „Das war heute ein Trabi. Es ist eindeutig eine Materialgeschichte“, betonte Florschütz-Anschieber Kevin Kuske aus Potsdam. „Es liegt logisch auf der Hand, dass wir heute im falschen Gerät sitzen.“

Cheftrainer Christoph Langen klagte ebenfalls über das Fahrgerät. „Wir haben alles probiert, um auf Geschwindigkeit zu kommen.“ Er verfolgte zunächst fluchend die Leistungen seiner drei Piloten und reagierte fassungslos. Erstmals seit 1994 blieben die Zweierbobs ohne Medaille, zuletzt lief es 1956 mit dem achten Platz von Andreas Ostler so schlecht. „Es ist wichtig, dass der Verband und (Schlittenbauer) FES die Streitereien beilegen“, betonte Arndt.

Friedrich hatte im Vorjahr bei der WM in St. Moritz noch die komplette Weltelite düpiert, konnte sich aber auch zum Abschluss nicht mehr nach vorn schieben. Er resignierte schon zur Halbzeit, weil das Material nicht lief. „Beim ersten Lauf waren wir noch richtig gut dabei, dann wurden wir durchgereicht“, meinte er. „Unabhängig davon, dass wir einen Nachteil mit unseren Geräten haben, haben wir einen Schritt zurück gemacht im zweiten Lauf, wo wir angreifen wollten“, erklärte Langen.

Der Verband ließ Kritik am Schlittenbauer des Zweierbobs 208 anklingen. Es werde eine „breite, aber faire Diskussion“ mit der FES geben, kündigte Thomas Schwab, Generalsekretär und Sportdirektor des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), an. „Letztendlich sind die Schlitten immer ein Partnerprodukt, wenngleich nicht immer alles so umgesetzt wird, wie sich der Verband das vorstellt.“