Eishockey

Amerika glaubt an ein Happy End

Eishockeystars besiegen Russland im Penaltyschießen und lassen damit so manche Enttäuschung vergessen

Der Extreme Park ist für die USA bei den Olympischen Winterspielen von Sotschi bislang die einzige Goldquelle. In den Traditions-Sportarten glänzten die Top-Stars um Bode Miller hingegen weitgehend durch Misserfolge, so dass sich die TV-Zuschauer und Medien schon verzweifelt – aus ihrer Sicht – obskuren Sportarten zuwenden. „Es gab eine Zeit, in der Amerikaner über Rodeln als dummen Nicht-Sport gelacht haben, in dem Deutsche auf Mittagstabletts den Berg runterrutschen“, schrieb „Sports Illustrated“ nach dem erstmaligen Bronze durch Erin Hamlin. „Jetzt schauen wir Rodeln, als ob es Baseball wäre.“

Begeisterung lösen in der Heimat weitgehend nur die neuen Helden aus. Nach knapp der Hälfte der Entscheidungen feierten US-Athleten magere vier Olympiasiege, drei davon bei der Premiere von Slopestyle. Neun von 13 Medaillen gab es bei den Trickartisten. Vor allem im Shorttrack, Eisschnelllauf, bei den alpinen Herren oder auch in der Loipe verlaufen die Spiele hingegen völlig enttäuschend. Selbst Snowboard-Halbgott Shaun White verpasste sensationell eine Medaille. Als nächste Hoffnung trat Shorttracker J.R. Celski am Freitag im Vorlauf auf eine schwarze Begrenzung und segelte chancenlos in die Bande. Wenig später stürzte auch Teamkollegin Emily Scott im Finale.

NBC zahlte 775 Millionen Dollar

Als letztes Mittel suchten die Eisschnellläufer einen überraschenden Schuldigen. Shani Davis und Co. tauschten die neuen High-Tech-Anzüge vor den 1500-Meter-Rennen am Wochenende gegen altes Material aus. „Wir müssen alles versuchen, um die Stimmung zu verbessern. Jetzt ist es an uns, die Blockade im Kopf einiger Sportler zu lösen“, erklärte US-Coach Matthew Kooreman die ungewöhnliche Maßnahme.

Weltrekordler Davis hatte schon nach seinem achten Rang über 1000 Meter klare Worte gefunden: „Ich habe keine Ausrede“, meinte der Weltrekordhalter über seinen verpassten dritten Olympiasieg auf seiner Paradestrecke. „Ich muss damit den Rest meines Lebens zurechtkommen. Ich war einfach nicht gut genug.“ Woraufhin „USA Today“ spottete: „Ein bekannter Refrain diese Woche.“

775 Millionen US-Dollar hatte der Sender NBC für die Übertragungsrechte der Winterspiele gezahlt – und durch das Aus von Alpin-Superstar Lindsey Vonn wegen eines Kreuzbandrisses schon vor dem Start den ersten Schock hinnehmen müssen. Skisprung-Weltmeisterin Sarah Hendrickson reiste nach einer schweren Knieverletzung zwar nach Sotschi, blieb aber als 21. wie erwartet ohne Chance. „Der Druck war einfach zu groß. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen“, meinte die 19-Jährige anschließend. Ein Eintrag ins Geschichtsbuch gelang ihr zumindest – als Startnummer eins war sie die erste skispringende Frau überhaupt bei Winterspielen.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Snowboarder Sage Kotsenburg holte Gold im Slopestyle – Amerika stellte somit erstmals seit 1952 wieder den ersten Olympiasieger der Winterspiele. Und auch auf ein glänzendes Ende der Spiele beim Eishockey-Finale am 23. Februar wies die „New York Daily News“ schon vorsorglich hin: „Das US-Team könnte Gold gewinnen – das würde alles andere vergessen machen.“

Hoffnung darauf machte der Sieg im Prestigeduell gegen Gastgeber Russland in der Vorrunde. Vor den Augen des russischen Präsidenten Wladimir Putin setzten sich die Amerikaner mit 3:2 (0:0, 1:1, 1:1) nach Penaltyschießen durch. Sie haben damit beste Chancen auf den Gruppensieg, der den automatischen Einzug ins Viertelfinale bedeutet. Russlands Kapitän Pawel Dazjuk hatte für die Russen zwar einen Doppelpack (30./53. Minute) erzielt, doch Cam Fowler (37.), Joe Pavelski (50.) und TJ Oshie in einem famosen Shootout schlugen zurück.