Olympia

Die Größte von allen

Mit dem Gewinn der Silbermedaille im Super-G wird Höfl-Riesch zur besten deutschen Skifahrerin

Maria Höfl-Riesch zu schnell für Gold? Da musste sie lachen, und wenn die 29-Jährige lacht, dann lässt sich meist schon ein Zwischenton heraushören. Aus ihrem Gesicht lässt sich ablesen, ob es aufgesetzt ist oder befreit, gezwungen oder spontan. „Ich bin mit einem brutalen Tempo aus dem letzten Flachstück rausgekommen. Aber sobald ich in der Luft war, konnte ich nichts mehr ändern.“ Sie bremste heftig ab, dachte: „Kannste gleich stehen bleiben und dann: Na gut, fährste halt ins Ziel“, schilderte die Skirennläuferin grinsend jene Szene bei der Einfahrt in den Steilhang, die sie als Führende am Sonnabend im Super-G wohl die Goldmedaille gekostet hat.

Streckenposten steht im Weg

Aber enttäuscht deswegen? I wo. Als sie im Ziel die Ziffer auf der Anzeigetafel neben ihrem Namen erblickte, konnte Höfl-Riesch es nicht glauben: Platz zwei nach solch einer Fahrt? „Im ersten Moment dachte ich: Das muss ein Fehler sein!“ Wieder lachte sie herzhaft, und spätestens da wurde klar: Hier freut sich jemand ehrlich über den Gewinn einer Silbermedaille – und ärgert sich nicht über eine verpasste goldene. „Nullkommanull“, bestätigte sie.

Nur die Österreicherin Anna Fenninger, 24, war noch 0,55 Sekunden schneller an dem Tag, an dem Maria Höfl-Riesch zur erfolgreichsten alpinen Skiläuferin Deutschlands bei Olympischen Spielen aufstieg. Dreimal Gold und einmal Silber hat die Bayerin nun auf der Habenseite. Katja Seizinger, 41, fuhr in den 90er-Jahren zu dreimal Gold und zweimal Bronze. Aus Statistik mache sie sich nicht viel, behauptete Höfl-Riesch, ein bisschen stolz ist sie dennoch: „Mein Hauptziel war es nicht. Aber schön, wenn man in die Annalen eingeht.“

Die Fahrt zu Tal hielt für die Deutsche am Sonnabend einen Schreckmoment bereit. Just als sie mit hohem Tempo auf ein Tor zusteuerte, bemerkte sie einen Streckenarbeiter keine zwei Meter davon entfernt. Offenbar hatte er nicht rechtzeitig das Weite gesucht. „Ich bin dann einfach dran vorbeigefahren. Ein kurzer Moment der Irritation, aber ohne Auswirkungen“, sagte Höfl-Riesch. An Protest dachte sie nicht eine Sekunde, sagte sie: „Nein, ich bin davon nicht wirklich beeinflusst worden. Ich habe mir schon gedacht: Steht da jetzt einer im Lauf? Aber dann habe ich gesehen, dass er zurückgefahren ist.“ Thema durch.

Nach dem Sieg in der Kombination am Montag und der Enttäuschung als Abfahrts-13. mit schweren Beinen („Traum geplatzt“) hat sich die hoch gewachsene Allrounderin wieder einmal rechtzeitig berappelt. „Maria ist unsere Wundertüte“, lobte Wolfgang Maier, der Alpindirektor des Deutschen Skiverbands. Viktoria Rebensburg hingegen, die deutsche Olympiasiegerin Im Riesenslalom 2010, landete auf Rang neun.

Sie schien damit alles andere als zufrieden zu sein: „Ich habe mich ziemlich geärgert. Das hätte nicht mehr sein müssen“, grummelte die 24-Jährige aus Kreuth. Sie hatte an derselben Stelle gepatzt wie Höfl-Riesch. Über deren Silber-Coup äußerte sie sich eher einsilbig: „Cool, ja. Starke Fahrt.“ Dagegen lobte DOSB-Präsident Alfons Hörmann das „faszinierende Zwischenergebnis. Grandios. Und sie hat ja noch zwei Chancen.“ Im Riesenslalom am Dienstag wäre eine Medaille eine Überraschung; im Slalom am Freitag jedoch zählt sie erneut zu den Favoritinnen. Höfl-Riesch mit Katja Seizinger zu vergleichen, das könne man allerdings nicht, meint die frühere Skirennläuferin Martina Ertl-Renz, 40: „Die beiden sind grundverschieden, sie waren und sind auch in ihrer Außendarstellung ganz anders. Die Katja hat sich immer abgeschirmt und wollte ihre Ruhe haben.“ Höfl-Riesch hingegen genießt den Rummel um ihre Person.

Ertl-Renz selbst hat drei Olympiamedaillen gewonnen, sie sagt: „Maria ist ein absoluter Wettkampftyp, sie hat das Sieger-Gen. Es gelingt ihr immer wieder, auf den Tag genau fit zu sein.“ Auch Hilde Graßl, vormals Gerg, 38, ist Olympiasiegerin, sie kennt den Unterschied zu früher: „Maria hat kein so starkes Team um sich, wie ich es früher hatte. Sie muss sich auf sich selbst konzentrieren. Das war schon als ganz junge Athletin so. Ich freue mich sehr für sie, dass sie ihre Stärken wieder umsetzen konnte. Dreifache Olympiasiegerin – wow!“

Karriereende rückt näher

Was nach der Karriere folgt? Ein Job als Fernsehexpertin vielleicht? Als Werbebotschafterin? Maria Höfl-Riesch und ihr Manager und Gatte machen noch ein Geheimnis darum. Ebenso wie über den Zeitpunkt des Karriereendes. Sie sagt: „Wenn ich heimkomme, habe ich ein, zwei Tage zum Durchschnaufen. Dann werde ich mir auf jeden Fall mal tiefgründige Gedanken machen.“ Sprach’s und ging. Glücklich und lächelnd, na klar.