Fußball

Brandy rettet Union einen Punkt

Berlins Zweitligist kommt auch in Düsseldorf nicht über ein Unentschiedenhinaus und bleibt in diesem Jahr ohne Sieg

Uwe Neuhaus war nicht zufrieden. „Ich weiß nicht, ob es gerecht war oder ungerecht. Unter dem Strich müssen wir mit dem Unentschieden leben“, sagte der Trainer des 1. FC Union. Seine Mannschaft hatte soeben ein 1:1 (0:1) bei Fortuna Düsseldorf erkämpft. Für sich betrachtet ein Ergebnis, mit dem der Berliner Fußball-Zweitligist gut leben könnte. Um im Rennen um die Aufstiegsplätze ein Ausrufezeichen zu setzen, ist dieses Remis allerdings zu wenig. Union bleibt auch im zweiten Pflichtspiel dieses Jahres ohne Sieg.

Dass es nach dem 0:0 gegen Dynamo Dresden eine Woche zuvor nun wenigstens wieder einen Punkt gab, war Sören Brandy zu verdanken. Der Stürmer, der sein sechstes Saisontor erzielte, fasste die Partie vor 30.678 Zuschauern treffend zusammen. „In der zweiten Halbzeit haben wir Düsseldorf schon vor Probleme gestellt. Aber in Halbzeit eins haben wir die Düsseldorfer auch zum Tor eingeladen“, sagte Brandy.

Tatsächlich war es ein Fehler von Fabian Schönheim, der den Rückstand für die Köpenicker einleitete. Der Innenverteidiger wehrte artistisch einen langen Pass ab, das Spielgerät fiel jedoch Tugrul Erat vor die Füße. Mit einem Schlenzer düpierte Fortunas Offensivmann Union-Torwart Daniel Haas, der weit vor seinem Tor stand – ein unhaltbarer Treffer in der 35. Minute. Nach dem Wechsel wusste dann Brandy einen Pass von Martin Dausch zu nutzen, indem er den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte drosch (58.).

Köhler nach 22 Minuten vom Platz

Endspielmentalität hatte Neuhaus von den Seinen vor der Partie gefordert. Die Mannschaft solle mit der Leidenschaft, die eines Finales würdig ist, antreten. Dafür hatte der Coach seine Startelf gehörig verändert. Baris Özbek kehrte überraschend ins defensive Mittelfeld neben Damir Kreilach zurück, der seine Gelbsperre abgesessen hatte. Dafür rückte Benjamin Köhler statt Martin Dausch ins linke Mittelfeld und Michael Parensen (für Patrick Kohlmann) links in die Viererabwehrkette. Zudem ersetzte Brandy auf der rechten Seite Christopher Quiring und Simon Terodde im Angriff Adam Nemec.

Maßnahmen, die in den ersten 45 Minuten nicht griffen. Wie schon gegen Dresden kamen die Berliner oft einen Schritt zu spät in die Zweikämpfe. Und die gab es in der Anfangsphase zuhauf. Benjamin Köhler stoppte einen Düsseldorfer Konter und sah bereits nach 14 Minuten die Gelbe Karte. Als zwei Minuten später nach einem Luftduell zwischen Köhler und Leon Balogun der Düsseldorf am Boden liegen blieb, bekam Köhler von Schiedsrichter Tobias Stieler bereits die letzte Ermahnung: Noch einmal, und das Spiel ist für dich beendet. Das war es dann nach 22 Minuten auch tatsächlich, als Neuhaus Dausch für Köhler brachte - eine reine Schutzmaßnahme vor dem sich andeutenden Platzverweis.

Es ging rustikal zu. Balogun räumte Parensen an der Seitenlinie ab (20.), Terodde stand dem Düsseldorfer beim Tackling gegen Tobias Levels in nichts nach (22.). Doch es waren die Unioner, sicherlich auch ein wenig verunsichert nach der Ermahnung für Köhler, die mit der Spielweise weniger gut zurechtkamen. So durften sich die Köpenicker wie schon gegen Dresden bei Haas bedanken, dass es nicht mit einem höheren Rückstand in die Pause ging. Der Schlussmann, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, klärte innerhalb weniger Sekunden gegen Erat und Andreas Lambertz (32.).

Dann kam die zweite Halbzeit – und Union war hellwach. Plötzlich wurden verloren gegangene Bälle nicht verloren gegeben, sondern zurückerkämpft. Plötzlich zahlte sich der Ballbesitz von 61 Prozent aus. Union agierte, Fortuna reagierte nur noch. Und prompt hatten die Berliner auch endlich Chancen. Eine verunglückte Parensen-Flanke klatschte nur an die Latte (50.), ein abgefälschter Schuss von Kapitän Torsten Mattuschka strich knapp am linken Pfosten vorbei. Schließlich kam der Ausgleich durch Brandy, der nach knapp einer Stunde jenen Killerinstinkt vor dem Tor zeigte, den man bei Union in diesem Jahr bis dahin noch vermisst hatte. „Die Berliner sind ein lange eingespieltes Team – ihnen hat eine zwingende Chance zur Punkteteilung gereicht“, sagte Fortuna-Verteidiger Levels.

Hoffer vergibt letzte Chance

Dass die Düsseldorfer in der Schlussphase noch ein Tor aus Abseitsposition erzielten (Erat), das zu Recht nicht gegeben wurden – geschenkt. Dass Erwin Hoffer in der Nachspielzeit den Ball im Union-Strafraum noch vertändelte, statt den besser postierten Mitspieler zu sehen – vergessen. Union hatte sich den Punkt verdient, mehr aber auch nicht.

„Wir müssen zusehen, dass wir nächste Woche gegen den FSV Frankfurt über 90 Minuten die Leistung bringen, die wir in Düsseldorf in der zweiten Halbzeit gebracht haben“, blickte Torschütze Brandy gleich in Richtung kommendes Punktspiel gegen die Hessen am Freitag in der Alten Försterei: „Wenn wir den Gegner permanent beschäftigen, werden wir zu Chancen kommen und gegen Frankfurt auch gewinnen.“

So jedoch reist die Köpenicker Reisegruppe „mit gemischten Gefühlen nach Hause“, sagte Brandy. Bis auf Trainer Neuhaus, der war nicht zufrieden.