Enttäuschung

Nur im Playboy vorn

Deutsche Biathlon-Frauen können sich historisches Debakel nicht erklären. Verletzte Gössner zeigt sich derweil nackt

„Tja, was soll man dazu sagen?“, befand Magdalena Neuner, die schwangere Olympiaheldin von 2010, nach dem Debakel. Auch die deutschen Biathlon-Verantwortlichen wirkten nach den Plätzen 27, 29, 30 und 40 im Verfolgungsrennen geschockt. „Ich bin fassungslos, damit habe ich nie gerechnet“, sagte Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig. Cheftrainer Uwe Müssiggang stellte nach dem schwächsten Olympiaabschneiden eines deutschen Teams fest: „An so eine derbe Klatsche kann ich mich nicht erinnern.“

Beim ersten Olympiasieg der Weißrussin Darja Domratschwa war die ehemalige Langläuferin Evi Sachenbacher-Stehle mit sechs Schießfehlern als 27. beste Deutsche. Die mit starkem Reizhusten ins Rennen gegangene Andrea Henkel wurde nach drei Strafrunden 29. Direkt hinter der achtmaligen Weltmeisterin landete Laura Dahlmeier (ein Fehler) auf Platz 30. Die zweite Olympia-Debütantin, Franziska Preuß, beendete das Zehn-Kilometer-Rennen nach drei Fahrkarten auf dem 40. Rang. Damit gab es erstmals seit der Aufnahme der Verfolgung in das Olympiaprogramm 2002 kein deutsches Edelmetall.

„Die anderen waren einfach besser“, versuchte die 36-Jährige Henkel zunächst einen Scherz. Dann fahndete sie nach ernsthafteren Erklärungen: „Ich bin in diesem Jahr nicht in der Lage zu attackieren. Ich muss sehen, dass ich vom Schießen lebe, aber das hat leider nicht geklappt. Auf diesem relativ leichten Stand darf man nicht so viele Fehler schießen. Warum das so ist, weiß ich auch noch nicht.“

Niemand findet eine Begründung

Wie die Doppel-Olympiasiegerin von 2002 fand auch die 33-jährige Evi Sachenbacher-Stehle keine Begründung: „Ich habe keine Ahnung was los war“, meinte sie und stellte fest: „Bei mir kann es passieren, denn ich bin noch nicht so lange dabei.“

Natürlich hatte die deutsche Mannschaft auch der Olympiaverzicht von Miriam Gössner geschwächt. Die 23-Jährige, im Vorjahr mehrmals im Weltcup erfolgreich, musste wegen starken Rückenproblemen in Folge eines Mountainbike-Unfalls auf Starts in Sotschi verzichten. Sie sorgte am Dienstag dann aber doch für Schlagzeilen, weil sie für die neueste Ausgabe des „Playboy“ die Hüllen fallen ließ. Damit verblüfft sie sogar ihre beste Freundin Magdalena Neuner. „Sie weiß nichts davon. Das wird auch für sie eine Überraschung“, sagte Gössner im Interview mit dem Männer-Magazin.

Auch ihren Freund, Gold-Hoffnung Felix Neureuther, „überfiel“ die 23-Jährige mit dem Plan für das Foto-Shooting förmlich: „Ich hatte mich schon entschieden, die Bilder zu machen, bevor wir zusammengekommen sind. Als dann der Termin für die Fotos anstand, habe ich einfach gesagt: Ich fahre am Wochenende zum Playboy-Shooting. Er fand das völlig okay.“ Gössner weiter: „Ich wollte eine andere, eine weibliche Seite von mir zeigen, und ich denke, das ist toll gelungen. Man kennt uns Sportlerinnen ja immer nur im Rennanzug und in Trainingsklamotten, da ist nicht viel mit Weiblichkeit.“

In Klaus Siebert durfte sich wenigstens ein deutscher Trainer bei Olympia freuen. Er hatte Darja Domratschwa zu ihrem ersten Gold geführt. „Darja hat es sich wirklich verdient. Das ist der Lohn für ihre harte Arbeit. Ich freue mich wahnsinnig für sie“, stellte er mit Tränen in den Augen fest.

Die Fahnenträgerin des weißrussischen Teams bei der Eröffnungsfeier dankte besonders Siebert, der von einer heimtückischen Krebserkrankung geplagt wird und unmittelbar nach den Spielen nochmals an der Leber operiert werden muss.

Die mit dem norwegischen Biathlon-König Ole Einar Björndalen befreundete Darja Domratschewa übernahm nach dem zweiten Schießen die Spitze und holte unangefochten Gold vor der Norwegerin Tora Berger und Slowenin Teja Gregorin.