Olympiasieg

Rodelrepublik Deutschland

Natalie Geisenberger holt abermals Gold für die Rodel-Frauen. Streit mit Zweitplatzierter Hüfner

Nach 64 Kurven und 5536 Metern war sie am Ziel ihrer Träume. „Ich wollte in der 17 schon kreischen, das war einfach nur geil“, sagte Natalie Geisenberger nach ihrem Ritt zu Rodel-Gold mit Tränen in den Augen. In Kurve 17 hatte sie wohl schon gewusst, wie gut es gelaufen war: Mit vier Lauf-Bestzeiten und mehr als 1,1 Sekunden Vorsprung auf Teamkollegin Tatjana Hüfner fuhr die 26-Jährige am Dienstag zu ihrem ersten Olympiasieg. Im rasanten Rodel-Sport eine Ewigkeit – und der größte Vorsprung in einem olympischen Frauen-Rennen seit 50 Jahren.

Zwei Tage nach dem Coup von Felix Loch wurde auch Geisenberger ihrer Favoritenrolle auf der Eisrinne von Krasnaja Poljana gerecht. Den Erfolg des Kollegen hatte sie am Sonntag live miterlebt. „So etwas beflügelt natürlich“, meinte sie. Vancouver-Olympiasiegerin Hüfner machte als Zweite den deutschen Doppelerfolg perfekt und hat nach Bronze 2006 und Gold 2010 nun den kompletten Medaillensatz beisammen. Dritte wurde die frühere Weltmeisterin Erin Hamlin (USA).

Völlig entspannt präparierte Geisenberger ihren Schlitten vor dem letzten Durchgang. „Ich kann mit dem Druck umgehen. Ich habe ihn mir ja selber gemacht“, hatte sie zuvor betont. Und tatsächlich ließ die blonde Miesbacherin, die im Weltcup in diesem Winter sieben von acht Rennen gewinnen konnte, nie einen Zweifel an ihrem Sieg aufkommen. „Sportlerinnen mit dieser Ausstrahlung kann man nie genug haben“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Im Auftaktdurchgang legte Geisenberger einen Bahnrekord hin und lag fast eine halbe Sekunde vorne. Die Konkurrenz war geschockt, da störte sie selbst ein kleines Missgeschick nicht. „Mein Rennschuh ist einfach aufgeplatzt, zum Glück hatte ich einen anderen dabei“, erzählte Geisenberger nachher – und zeigte fast schon ein Siegerlächeln.

Es war der fünfte Olympiasieg in Serie für die deutschen Rodel-Frauen. In der Geschichte der Winterspiele gab es bei bislang 13 Entscheidungen seit 1964 zehn Goldmedaillen. Auch diese Winterspiele demonstrieren abermals den Standortvorteil Bundesrepublik: Mit Altenberg, Königssee, Oberhof und Winterberg stehen in Deutschland so viele Rodelbahnen wie sonst nirgendwo auf der Welt.

Jetzt hat bei den Kufen-Königinnen eine Wachablösung stattgefunden. War Hüfner jahrelang die deutsche Nummer eins, steht nun Geisenberger im Rampenlicht. Das sorgt für Misstöne: „Mir wurde vieles schwer gemacht, und es wurden mir viele Steine in den Weg gelegt“, sagte Hüfner und attackierte den Verband: „Ich hatte den Eindruck, dass eine Natalie Geisenberger deutlich mehr Unterstützung bekam.“ Das Verhältnis der beiden besten deutschen Rodlerinnen ist seit Jahren unterkühlt. Geisenberger wollte die Angriffe nicht großartig kommentieren: „Ich habe jetzt andere Dinge zu tun.“