Snowboard

Mit Yoga zum Gold

Slopestyle-Olympiasiegerin Jamie Anderson ist die perfekte Botschafterin der jungen Sportart

Die Rolle als Botschafterin ihres Sports erfüllte Slopestyle-Olympiasiegerin Jamie Anderson mit sichtbarer Begeisterung. Nachdem die US-Snowboarderin den Triumph mit pathetischer Geste auf den Knien und einer Hand auf dem Herzen gefeiert hatte, pries die 23-Jährige die trickreiche Show über Rails und große Sprünge. „Wir wollten auf der größten Bühne der Welt zeigen, was für eine spaßliebende, kreative und einzigartige Sportart wir sind“, sagte die mehrmalige Gewinnerin der X-Games mit der amerikanischen Fahne über den Schultern. „Die Erwartungshaltung und der Druck waren so groß. Ich wollte dies mehr als mein Leben“, meinte sie strahlend – und relativierte die Aussage gleich darauf mit einem Augenzwinkern.

Nicht nur die tollen Tricks und spektakulären Bilder überzeugten trotz der mäßigen Stimmung im Extreme Park bei der Winterspiel-Premiere von Slopestyle. Vor allem die offensichtlich nicht nur gespielte Freundschaft der vermeintlichen Konkurrentinnen vermittelte ein erfrischendes Bild. „Ich bin so stolz auf all die Mädchen“, sagte Anderson – und scherzte reichlich mit der drittplatzierten Britin Jenny Jones herum. Auf dem Podest kreischten alle drei Medaillengewinnerinnen im Chor.

Als die unumstrittene Gewinnerin weiter wortreich die Vorzüge des Boardens beschrieb, frotzelte Jones: „Du bist so ein Hippie aus Kalifornien.“ Spätestens als das blonde US-Girl über ihre Entspannungstechniken vor der Olympia-Premiere philosophierte – Meditation, Yoga, Kerzen aufstellen – wirkte die Pressekonferenz wie ein Kaffeekränzchen alter Freundinnen.

Sicher landen statt riskanter Tricks

Selbst die Topfavoritin Torah Bright zeigte sich nach zwei verpatzten Läufen als Siebte äußerlich kaum enttäuscht. „Das passiert einfach mal“, kommentierte die Australierin lakonisch nach dem verfehlten Angriff auf dreimal Edelmetall ihre Vorstellung. Das Multitalent will bei den Winterspielen jetzt nicht nur ihren Halfpipe-Triumph von Vancouver wiederholen, sondern auch im Snowboardcross glänzen.

Nach der Premiere der Männer mit umstrittenen Urteilen hätten sie sich an die Jury angepasst und statt riskanter Tricks mehr auf sichere Landungen gesetzt, sagte Jones, die sich hinter der Finnin Enni Rukajarvi Bronze sicherte.

Ohne erhoffte Medaille blieb hingegen die Österreicherin Anna Gasser. Im ersten Durchgang sorgte sie zunächst für einen Schmunzler. Kurz nach einem verfrühten Start saß sie auf der Rampe, krabbelte unterstützt von ihrem Co-Trainer wieder zurück und begann ihren Lauf erneut. „Die Konzentration war da schon ein bisschen weg“, meinte Gasser, die in beiden Läufen schon vor dem letzten, imposanten Sprung nicht sauber landen konnte.

Nachdem sich im Training unter anderem noch die Finnin Merika Enne und Christy Prior verletzt hatten, war der abschließende Kicker danach etwas entschärft worden. Im Showdown schlug die fünftplatzierte Sarka Pancochova aus Tschechien zwar dennoch hart mit dem Hinterkopf auf, fuhr aber zumindest aufrecht ins Ziel.