Regionalliga

Hertha versetzt Aufstiegsheld Kluge zum Nachwuchs

Auch Maik Franz soll der U23 zum Klassenerhalt in der Regionalliga verhelfen

Maik Franz hatte keine Zeit. „Passt nicht. Es geht jetzt gleich raus zum Training.“ Die Vorbereitung gilt jedoch nicht dem Bundesliga-Spiel von Hertha BSC am Sonnabend beim Hamburger SV (18.30 Uhr). Die nächsten Gegner heißen Lok Leipzig, FSV Zwickau, BAK und Germania Halberstadt. Das gleiche gilt für Per Kluge. In einem Gespräch teilten Manager Michael Preetz und Trainer Jos Luhukay den Routiniers mit, dass sie auch in der Bundesliga-Rückrunde kaum Chancen auf Einsätze haben. Das letzte Liga-Spiel von Franz, 32, datiert vom 19. Mai 2013 (1:1 gegen Cottbus). Kluge, 33, hat in dieser Saison gerade zehn Minuten absolviert, verteilt auf zwei Ligaspiele, das letzte am 31. August (0:2 in Wolfsburg).

„Wir haben uns so entschieden unter Berücksichtung der Lage der U23, die dringend Unterstüzung braucht“, sagte Manager Preetz. Die Regionalliga-Mannschaft von Trainer Ante Covic liegt als Tabellenvorletzter zur Halbserie vier Punkte hinter dem sicheren Ufer zurück.

Dennoch ist die Entscheidung ein Paukenschlag. Kluge, ein Wunschspieler von Luhukay, war in der vergangenen Saison der verlängerte Arm des Trainers. Er verfügt über die Erfahrung von 220 Bundesligaspielen. Luhukay hatte Kluge noch vor der Saison zum Vizekapitän bestimmt. Auch Franz (192 Bundesliga-Einsätze) kennt das Geschäft.

„Maik und Per sollen den jungen Spielern der U23 die Richtung vorgeben“, sagte Preetz. Zudem setze Hertha seinen Weg fort, Nachwuchsspieler bei den Profis einzubinden. So trainierte gestern wieder Anthony Syhre, ein 18-jähriger Innenverteidiger, bei den Profis mit. Demnächst sollen Shawn Kauter, 17, und Louis Samson, 18, öfters bei der Lizenzspieler-Mannschaft dabei sein. Sie sollen in die Lücken stoßen, die Kluge und Franz hinterlassen.

Doch das ist nur ein Teil der Geschichte. Die Versetzung von Kluge und Franz hat auch mit Geld zu tun. Beide haben stattlich dotierte Bundesliga-Verträge mit einer Laufzeit bis Juni 2015. Hertha hätte das Duo gern von der Gehaltsliste bekommen. Das hat der Manager den Routiniers Anfang Januar, zu Beginn der Wechselperiode, dargelegt. Es gab Angebote: Thomas Doll, Trainer bei Ferencvaros Budapest, lockte beide mit einer Stammplatz-Garantie und ordentlichem Gehalt. Der FC Utrecht war an Franz interessiert. Maccabi Haifa an Kluge. Die Spieler jedoch lehnten alles ab. Man darf vermuten, dass die Dotierung jeweils geringer war als das Hertha-Salär. Die Klubverantwortlichen waren verärgert. Gleichwohl haben Franz und Kluge laufende Verträge – auf deren Erfüllung zu pochen, steht ihnen zu.

Nicht ganz klar ist, was intern gelaufen ist: War es so, dass die beiden Oldies, ohne Chance auf Einsätze, für schlechte Stimmung in der Mannschaft gesorgt haben? Oder hatte der Trainer Befürchtungen, sie könnten für schlechte Stimmung sorgen? Kluge hatte noch in der Vorwoche die Option vierte Liga, weit von sich gewiesen. Zur neuen Situation sagte Kluge gestern: „Ich sage nichts.“ Franz sagte dem „Kicker“: „Ich bin enttäuscht. Wir haben uns nie etwas zuschulden kommen lassen.“

In jedem Fall sollen – so der Wunsch von Hertha – Kluge und Franz „bis auf weiteres“ in der U23 trainieren und spielen. Die Situation könne sich ändern, wenn die Regionalliga-Mannschaft rasch den Klassenerhalt sichert. Oder, beim Blick auf die Wechselmöglichkeiten: In einigen Ländern ist die Transferliste bis Ende Februar geöffnet (Schweiz, Russland, Ungarn, Polen), in anderen gar bis Anfang April (Norwegen, Schweden).

Unklar in solchen Fällen ist die rechtliche Lage. Im Mustervertrag der Deutschen Fußball-Liga steht, dass Spieler eine Versetzung in eine zweite Mannschaft akzeptieren müssen, wenn diese mindestens in der Oberliga spielt (Paragraph 2/Absatz A). Dem gegenüber steht das Verständnis der Spielergewerkschaft VdV. Die Rechtsprechung sage, dass professionelle Spieler einen Anspruch auf die Teilnahme am Trainingsbetrieb der Profi-Mannschaft haben. Prognose: In der Angelegenheit Franz/Kluge ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.