Porträts

Zwei Medaillenhoffnungen für Berlin

Die Morgenpost stellt die elf Olympia-Teilnehmer aus der Hauptstadt vor

Eisschnelllauf

Jenny Wolf, geboren am 31. Januar 1979 in Berlin: Vor vier Jahren in Vancouver ging die Sprinterin als große Favoritin an den Start – und wurde Zweite. Es dauerte lange, das zu verarbeiten. Jetzt geht sie anders an ihren Wettbewerb, das 500-Meter-Rennen, heran: „Weil ich in den Jahren davor fast alles gewonnen habe, hatte ich in Vancouver schon viel Druck, auch emotional. Das fühlt sich jetzt entspannter an, ich bin nicht die Favoritin, habe meine Medaille und bin eigentlich froh, dass ich es noch einmal so weit geschafft habe. Das ist eine ganz andere Situation.“ Die große Favoritin heißt jetzt Sang-Hwa Lee aus Südkorea. Doch Wolf gewann in ihrer Karriere fünf WM-Titel, in ihrem vierten und letzten olympischen Anlauf will sie noch einmal um Gold kämpfen.

Claudia Pechstein, geboren am 22. Februar 1972 in Berlin: Schon fast 42 Jahre ist sie alt, aber trotzdem eine der Favoritinnen über 3000 und 5000 Meter. Pechstein nimmt zum sechsten Mal an Olympia teil und will sich unbedingt ihre zehnte Medaillen holen. Vor allem eines treibt Deutschlands mit fünf Goldmedaillen erfolgreichste Olympionikin an: Sie will es dem Weltverband zeigen, der sie wegen erhöhter Blutwerte, die mit einer vererbten Anomalie zu erklären sind von 2009 bis 2011 gesperrt hat. Zu Unrecht, wie sich längst gezeigt hat.

Monique Angermüller, geboren am 27. Januar 1984 in Berlin: Für sie sind es die zweiten Spiele nach Vancouver. Angermüller ist auf den 1000 und den 1500 Metern zu Hause. Zwar konnte sie über 1000 Meter schon 2010 ein Rennen gewinnen, in Sotschi zählt sie jedoch nicht zu den Medaillenanwärterinnen.

Bente Kraus, geboren am 21. Februar 1989 in Berlin: Bei der Verabschiedung nach Sotschi kamen ihr die Tränen. Kraus wurde auf ihren Vater angesprochen, der im vergangenen Jahr verstorben ist. „Wir hatten beide immer diesen Traum von Olympia“, sagte sie. Der Vater trainierte sie vom sechsten Lebensjahr an, nun nimmt sie zum ersten Mal an den Spielen teil. „Ich fände es schön, wenn er das hätte erleben können“, so Kraus, die über 3000 Meter startet, aber nicht um die Medaillen kämpfen kann.

Samuel Schwarz, geboren am 22. August 1983 in Berlin: An guten Tagen kann er ganz nach vorn laufen, Podiumsplätze sind keine Seltenheit. Der 1000-Meter-Mann rechnet sich bei seiner zweiten Olympiateilnahme etwas aus. Allerdings ist die Weltspitze sehr eng beieinander, kleinste Fehler rächen sich sofort. Schwarz, der einst als Sportakrobat angefangen hat, gilt als Perfektionist.

Eishockey

Susann Götz, geboren am 14. Dezember 1982 in Bad Muskau: In ihrer Sportart fallen die Damen kaum auf, nur bei Olympia rücken sie etwas mehr in die Scheinwerfer. „Wir genießen es, dass man merkt, dass es uns gibt“, sagt Götz. Sie führt die Nationalmannschaft als Kapitänin an, in dieser Funktion ist die Verteidigerin auch beim OSC Eisladies tätig. Schon 2006 in Turin war Götz (235 Länderspiele) bei Olympia, damals landete das Team auf Platz fünf. Der soll nun möglichst auch wieder herauskommen.

Nina Kamenik, geboren am 27. April 1985 in Berlin: Die Stürmerin erlebt ihre olympische Premiere. 160 Länderspiele absolvierte sie bisher, wurde genau wie Götz viermal Deutscher Meister mit dem OSC. „Die Spannung wird von Tag zu Tag größer“, sagt sie.

Lisa Schuster, geboren am 28. Mai 1987 in München: Im letzten Moment fuhr sie doch noch nach Russland, zwei Tage vor Beginn der Spiele wurde Schuster (110 Länderspiele) nachnominiert. „Lisa Schuster ist in der Liga einer der Topscorer. Jetzt wird sie die entscheidenden Tore machen“, sagte Bundestrainer Peter Kathan.

Eiskunstlaufen

Peter Liebers, geboren am 16. April 1988 in Berlin: Der vierfache Deutsche Meister basteln begeistert an einer Eisenbahn für den Garten. In Sotschi läuft er zum ersten Mal olympisch. Dafür hat er sich in allen Bereichen verbessert: mehr Kraft, mehr Ausdruck, höhere Schwierigkeiten. Für eine Medaille wird es dennoch nicht reichen.

Stefano Caruso, geboren am 19. April 1987 in Rom: Im vergangene August erhielt der Italiener den deutschen Pass. Gemeinsam mit Tanja Kolbe startet der Eistänzer allerdings schon seit drei Jahren für Deutschland. Wollte eigentlich Fußballer werden, die Eltern hatte jedoch etwas dagegen.

Tanja Kolbe, geboren am 7. September 1990 in Berlin: Bei der EM im Vorjahr belegte die Eistänzerin gemeinsam mit Stefano Caruso den achten Platz. Kolbe gilt als sehr talentiert und hat einen großen Sprung gemacht. Bei ihrer ersten Olympia-Teilnahme wünscht sie sich einen Platz unter den besten 15.