Basketball

Lieber Titel als Rekorde

Albas Basketballteam will mit einem Sieg gegen Bonn ins Pokal-Halbfinale und beim Top4 in Ulm den Titel verteidigen

Sie haben unter widrigsten Umständen in der Ukraine Albas 14 Jahre alten Rekord von 14 Pflichtspielsiegen eingestellt und die Serie nur 48 Stunden später mit einem beinhart erkämpften Erfolg gegen Bayreuth ausgebaut. Die Mannschaft von Sasa Obradovic hätte es verdient, die strapazierten Beine erst mal hochzulegen. Stattdessen aber wartet auf sie das erste Alles-oder-Nichts-Spiel der Saison. Nur mit Sieg Nummer 16 am Mittwoch gegen Bonn (20 Uhr, O2 World) bleibt für Berlins Basketballteam die Chance lebendig, den Titel des Pokalsiegers zu verteidigen. Niederlagen in Juschne oder Bayreuth hätte Alba noch reparieren können. Reißt die Serie aber ausgerechnet jetzt, verfolgen die Berliner das Finalwochenende in Ulm (29./30. März) vor dem Fernseher.

„Wir haben noch nichts erreicht“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi, sein Sportdirektor Mithat Demirel warnt, für die Erfolge der vergangenen Wochen könne man „nichts kaufen“. Die Siegesserie sei eine feine Sache, „weil es im Sport immer darum gehe, Grenzen zu verschieben“, sagt Baldi. Ein Signal sei dieser Erfolg, „vor allem für die Jungs, die das geschafft haben, Kompliment“. Aber sowohl bei Baldi als auch Demirel hört man durch, dass ihnen ein weiteres Pokalsieger-Banner unter dem Dach der O2 World sehr gefallen würde. Beide wissen: Das Maß aller Dinge im Sport sind Titel.

Keine Qualität ohne Fitness

Baldi blickt mit Respekt auf den Alles-oder-Nichts-Klassiker gegen Bonn, weil die Odyssee durch die Ukraine „Körner gekostet hat“ und die seiner Schätzung „noch ein, zwei Wochen fehlen. Erfolgserlebnisse und Wille sind nicht alles, für ein gutes Maß an Konzentration und Qualität braucht man auch eine gewisse Fitness“.

Die meisten „Körner“ haben nicht nur in der unmittelbaren Vergangenheit sicherlich Reggie Redding und Clifford Hammonds verbraucht. Beide schickt Obradovic im Eurocup pro Spiel knapp 30 Minuten und in der Bundesliga knapp 27 Minuten aufs Parkett. Mehr Spielzeit bekommt bei Alba niemand. Redding, weil er bissig verteidigen, aber auch punkten kann und entschlossen zum Rebound geht. Hammonds organisiert zum einen das eigene Spiel und ist sehr effektiv, wenn er die Kreise des gegnerischen Spielmachers stört.

Diese Defensiv-Qualitäten werden gegen Bonn mit über Sieg oder Niederlage entscheiden. „Einem sehr spielstarken Gegner“, auf den schon viele versucht hätten sich einzustellen, weiß Baldi. Dreh- und Angelpunkt sei Spielmacher Jared Jordan, von dessen Ideen würden die Bonner leben.

Ein Fall für Hammonds also. „Jared ist ein sehr, sehr schlauer Spieler“, sagt Albas Spielmacher über sein Bonner Gegenüber, der mit 7,5 Assists pro Spiel der beste Passgeber der Bundesliga ist. „Irgendwie scheint er nie Fehler zu machen. Mein Job wird es sein, ihn zu bedrängen und zu irritieren und davon abzuhalten, die richtigen Entscheidungen zu treffen.“

Diese Aufgabe wird wohl streckenweise auch Redding zufallen, denn Albas Kader glänzt in dieser Saison auch dadurch, dass alle Spieler auf mehreren Positionen einsetzbar sind. Redding ist ganz sicher von allen der flexibelste, eine Allzweckwaffe, wenn man so will. Wie sein Spielmacher-Kollege rollt auch er mit den Augen, wenn man ihn nach der vergangenen Woche fragt und antwortet auf die Kraftfrage mit einem Zwinkern: „Ja, ja, die Akkus sind wieder voll.“ Redding kam aus Tübingen zu Alba und erwies sich fast aus dem Stand als absoluter Glücksgriff. Blickt man in sein Gesicht, sieht man, dass er mit seinem Wechsel zu Alba noch glücklicher ist als der Klub mit ihm.

„Wir haben jetzt 15 Spiele in Folge gewonnen, in Tübingen waren es für mich zuletzt in der ganzen Saison 16“, strahlt Redding. „Aber wir haben uns nie vorgenommen, diesen Rekord zu knacken. Wir gehen einfach in jedes Spiel, um zu gewinnen. Wenn wir irgendwann ein Spiel verlieren, wird es nicht das Ende der Welt sein, gegen Bonn aber wollen wir jetzt unbedingt den 16. Sieg. Ich war noch nie bei einem Pokal-Top4. Jetzt will ich da hin. Ich bin zu Alba gekommen, um die Chance zu haben, um Titel zu spielen. Die will ich jetzt nutzen.“

Die Chancen dürften für Redding und sein Team für eine Reise nach Ulm nicht schlecht stehen. Alba und Bonn trafen in dieser Saison bereits dreimal aufeinander. Die Berliner gewannen im Eurocup 86:65 (A) und 76:61 (H), verloren aber in der Liga knapp 59:60 (A). „Diese Partien habe ich bei all den Spielen, die wir hinter uns haben, fast vergessen“, witzelt Obradovic. „Nein, nein“, sagt er dann, „beide Mannschaften kennen sich sehr gut“, und betont auch den „hohen Basketball-IQ“ der Bonner, „bei denen einer für den anderen spielt und jeder immer im richtigen Moment am richtigen Platz ist“. Aber jeder in seinem Team wisse, „dass es ein Alles-oder-Nichts-Spiel ist. Die Erwartungen sind hoch, und wir alle wollen ins Top4.“ Und dann sagt Obradovic, was man nicht oft von ihm hört: „Und wir sind der Favorit!“