Interview

„In der Bundesliga herrscht eine Feuerlöschmentalität“

Private-Equity-Experte Zuschke über Hertha und Investor KKR

Aufregung in der Fußball-Bundesliga. Mit KKR (New York) ist erstmals ein Private-Equity-Unternehmen bei einem Klub eingestiegen. 61,2 Millionen Euro investiert die „Heuschrecke“ bei Hertha BSC. Ein Modell für die Branche? Morgenpost-Redakteur Lars Wallrodt sprach mit Stefan Zuschke, dem Deutschland-Chef von BC Partners, wie KKR ein Investoren-Unternehmen mit Milliarden-Umsätzen.

Berliner Morgenpost:

Was haben Sie gedacht, als Sie vom KKR-Deal gehört haben?

Stefan Zuschke:

Ich dachte: Hut ab! Eine mutige Entscheidung der Kollegen. Die Bundesliga ist ja ursprünglich kein Feld für unsere Branche mit den Restriktionen, die dort herrschen. Nehmen Sie die „50+1“-Regel, die untersagt, dass Investoren mehr als 49 Prozent übernehmen dürfen. Das ist etwas, was uns eher abschreckt. Insofern sehe ich den Einstieg von KKR bei Hertha als eines der riskanteren Investments an.

Warum?

Was sind wichtige Kriterien, wenn wir investieren? Erstens Planbarkeit des Geschäftes. Zweitens Kontrolle auf das Management. Drittens einen Plan, nach einigen Jahren auszusteigen und Gewinne zu realisieren. Bei allen drei Punkten wüsste ich bei einem Einstieg in einen Fußballklub spontan keine Antwort, wie das gehen soll.

Wie wird sich KKR bei Hertha einmischen?

Ich nehme nicht an, dass dort in sportliche Fragen eingegriffen wird. Aber im wirtschaftlichen Bereich. Seien wir ehrlich: Zu vielen Klubmanagern fehlt echte Wirtschaftskompetenz in Bezug auf Strategie und Kapitalstruktur. Da werden Cateringrechte verkauft, Markenrechte, Stadien – in der Liga herrscht eine Feuerlöschermentalität. Da Strukturen reinzubringen, um auf schuldenfreier Basis wirtschaften zu können, ist etwas, was Investoren wie KKR leisten können. Dann würde auch Mehrwert geschaffen.

Also wird sich KKR doch einmischen?

Wirtschaftlich ja, und ich glaube, dass das auch gewollt ist. KKR hat eine Menge Erfahrung und gute Kontakte.

Angenommen, Hertha gerät in Abstiegsnot: Diskutiert dann der Investor bei Transfers oder Trainerentlassungen nicht doch mit?

Ich bezweifle, dass es bei KKR jemanden gibt, der mehr über Fußball weiß als Mi- chael Preetz. Insofern würde ich das Ver- sprechen erst mal glauben, dass sich nie- mand in sportliche Belange einmischt. So funktioniert Private Equity ja: Wir mischen uns nicht so sehr ins operative Geschäft ein, sondern versuchen, im Hintergrund Strukturen für den Erfolg des Unternehmens zu schaffen.

Bis 2021 soll Hertha 36 Millionen Euro verzinst zurückzahlen. Ist das möglich?

Das ist eine Option. Eine andere wäre, dass Hertha an die Börse geht und KKR so profitiert. Das halte ich nicht für un- realistisch und könnte ein Input sein, den KKR einbringt. Borussia Dortmund hat ja vorgemacht, dass so etwas im Fußball funktionieren kann. Dafür müssten die Voraussetzungen geschaffen werden. Damit kennt KKR sich aus.

Birgt der Deal für Hertha Risiken?

Nicht so große wie für den Investor. Was halt passieren kann, ist, dass Hertha das Geld nicht zurückzahlen kann.

KKR kann seinen Anteil an Hertha auf 33 Prozent aufstocken und mehr Einfluss im Aufsichtsrat ausüben. Ist das das Ziel?

Das könnte ich mir vorstellen. Letztendlich streben wir Finanzinvestoren immer eine gewisse Mitsprachemöglichkeit an. Je mehr Anteile ich habe, desto mehr Einfluss kann ich ausüben. Darum glaube ich, dass KKR anstrebt, ihr Gesellschafterdarlehen in weitere Anteile umzuwandeln. Für Hertha ist das attraktiv, weil das Geld dann nicht zurückgezahlt werden muss. Allerdings hätte KKR dann deutlich mehr Mitspracherechte.

Bei einigen Hertha-Fans hat der Einstieg von KKR für Unmut gesorgt.

Dafür habe ich volles Verständnis. Ro- mantik oder Vereinspatriotismus darf von unserer Branche nur bedingt erwar- tet werden. Am Ende des Tages legen wir Investorengelder an und wollen Rendite sehen. Dass es da Vorbehalte gibt, ver- stehe ich. Aber der Fan hat auch etwas davon, wenn vielleicht der ein oder andere Star geholt wird und der Klub einer sicheren Zukunft entgegen sieht.