Finanzen

Hertha spart Millionen durch Rückkauf der TV-Rechte

KKR-Europachef Huth zieht in Aufsichtsrat ein. Liga zeichnet Nachwuchsarbeit der Berliner aus

Der spektakuläre Einstieg des strategischen Partners KKR (New York) bei Hertha BSC bringt einiges in Bewegung beim Bundesligisten. 61,2 Millionen Euro hat das Private-Equity-Unternehmen aus den USA überwiesen. Die Zusammenarbeit ist zunächst auf sieben Jahre festgelegt. Damit will sich der Verein von Altlasten aus der Vergangenheit befreien. Verursacht durch diverse „kreativen Maßnahmen“ (Vorgriffe auf die Zukunft, Sale-and-lease-back-Geschäfte, Fortfaitierungs-Maßnahmen) hatte Hertha ein jährliches strukturelles Defizit von vier Millionen Euro. Zudem betrug die Planungssicherheit jeweils nur ein Jahr. Dann mussten die bisher 37 Millionen Euro an Bank-Verbindlichkeiten neu mit den Kreditinstituten verhandelt werden. Mit dem Einstieg von KKR kann Hertha heute schon die Jahre bis 2021 konkret angehen. Zum einen wurden mit den KKR-Millionen die Bankverbindlichkeiten abgelöst. Dann schloss Hertha im Januar einen neuen Vertrag mit Sportrechte-Vermarkter Sportfive.

Bisher musste der Klub von den zentralen TV-Erlösen zwölf Prozent an Sportfive abgeben. Durch Zahlung eines Betrages im einstelligen Millionen-Bereich hat Hertha diese Provision erheblich gesenkt. Da Sportfive nicht gänzlich verzichten mochte, bekommt der Sportrechte-Vermarkter, wie ein Beteiligter formuliert, „als Erinnerungswert an bessere Zeiten“ künftig drei Prozent. Beispiel: Hertha hat für diese Bundesliga-Saison mit TV-Einnahmen von 22,2 Millionen Euro kalkuliert. Bei den alten Konditionen hätte Sportfive davon 2,67 Millionen erhalten. In der neuen Konstellation werden es lediglich 666.000 Euro. Sportfive hat über lange Jahre Hertha aus mancher Bredouille geholfen. Allerdings hatte das stets seinen Preis. Nun verschieben sich die Gewichte. Hertha und Finanzinvestor KKR erwarten, dass sich die Absenkung der Provision in den kommenden Jahren verstärkt auszahlen wird. So erhalten die 36 Profiklubs in Deutschland von 2013 bis 2017 für die TV-Rechte pro Saison im Schnitt 628 Millionen Euro. Analysten erwarten jedoch durch den Auftrieb des deutschen Fußballs deutliche Steigerungsraten. Zum Vergleich: Die Premier League, die noch als beste Liga der Welt gilt, erhält für die Fernsehrechte pro Saison 1,23 Milliarden.

Mittlerweile ist entschieden, welcher Vertreter von KKR in den sechsköpfigen Aufsichtsrat der Hertha-Kommanditgesellschaft einziehen wird. Dort nimmt Johannes P. Huth Platz, der Europachef von KKR mit Sitz in London. Bei den sechs Monate dauernden Verhandlungen drehten sich die meisten Gespräche um die wirtschaftlichen Bedingungen. Genauer gesagt darum, wie die sich verbessern lassen. So wird etwa der Rückkauf der Catering-Rechte, die Hertha ebenfalls im Januar vorgenommen hat, den Verein im Jahr um 2,7 Millionen Euro entlasten.

Auch bei einem sportlichen Thema hörten Huth und seine Finanzspezialisten besonders genau hin: bei der Qualität der Nachwuchsarbeit. Da fügte es sich für Hertha, dass gerade die im Drei-Jahres-Rhythmus vorgenommene Untersuchung der Ausbildungsarbeit durch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) anstand. Die Talentförderung ist seit Jahren ein Faustpfand von Hertha. Das aus Anderlecht/Belgien stammende Unternehmen „Footpass Deutschland“, spezialisiert auf Qualitätsmanagement im Sport, kam für die DFL zu dem Ergebnis: Hertha erhielt erneut die Topwertung von „Drei Sternen“. In allen acht Bereichen gab es die Top-Note „exzellentes Level“. Eine zusätzlichen Wertung vergab Footpass für die Rubrik „Effektivität und Durchlässigkeit“. Das Heranführen der eigenen Talente zu den Profis und den Nationalmannschaften genüge „höchsten Leistungsanforderungen“. Dafür erhielt Hertha einen Bonusstern.

„Das ist eine tolle Würdigung unserer Arbeit, die im Nachwuchs unter der Leitung von Hans-Peter Jacob geleistet wird“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Die Vertreter des Investors werden vor allem an den Wertzuwachs denken, den der Nachwuchs verspricht. Eines ist auch klar: KKR wird Hertha daran messen, wie hoch die Rendite ausfällt. Da muss sich der Klub steigern. Schwarze Zahlen aus dem laufenden Geschäft hat Hertha nicht einmal in den letzten zehn Jahren erwirtschaftet.