Bundesliga

Watzke klagt: „Die Bayern wollen uns zerstören“

BVB-Boss schließt erneutes Wettrüsten kategorisch aus

Die Schärfe seiner Worte war wohl überlegt. Hans-Joachim Watzke, 54, wusste, dass seine Aussagen eine Diskussion neu befeuern würden. Die Debatte darüber, ob die größer werdende Dominanz des FC Bayern München der Bundesliga nicht doch Schaden zufügt, ist jedenfalls um eine Facette reicher. „Es gibt derzeit keine andere Liga, die derart von einem einzigen Klub dominiert wird wie die Bundesliga“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung von Borussia Dortmund in Berlin. „Das sind keine spanischen, das sind schottische Verhältnisse“, führte er weiter aus.

Der große Rückstand der Dortmunder, die am Freitagabend 2:1 (1:0) bei Eintracht Braunschweig gewannen, auf die Münchner in der Bundesliga spricht eine deutliche Sprache. Watzke erklärte, dass der BVB zwei Jahre lang alles getan habe, um dem Rekordmeister Paroli zu bieten. Und die Reaktion der Bayern damit herausgefordert habe. „Jetzt schlagen sie zurück. Sie wollen uns zerstören. Nicht dahingehend, dass sie uns menschlich kaputtmachen wollen, weil sie uns nicht mögen, sondern um uns dauerhaft als direkten Konkurrenten auszuschalten, indem sie sich an unseren Spielern bedient haben. Damit wir nie wieder eine Gefahr für sie darstellen. Das ist legitim, und damit müssen wir leben“, erklärte er.

Spielergehälter verdoppeln sich

Nachdem die Münchner im vergangenen Jahr Mario Götze aus Dortmund verpflichtet hatten, wird nun auch Stürmer Robert Lewandowski im Sommer den BVB verlassen und künftig für den FC Bayern auflaufen. „Wenn sie das zweifache Gehalt geboten bekommen, haben wir nun mal keine Chance“, so Watzke: „Trotzdem werden wir unseren Grundkurs nicht verlassen.“ Der BVB werde weiter versuchen, den Münchnern die Stirn zu bieten, aber nicht um jeden Preis, erläuterte Watzke. Der Klub hat aus früheren Fehlern gelernt: 2005 stand der BVB kurz vor dem finanziellen Aus. Auch deshalb, weil Watzkes Vorgänger im Amt des Geschäftsführers, Gerd Niebaum, versucht hatte, im Wettrüsten mit dem wirtschaftlich übermächtigen Konkurrenten aus dem Süden mitzuhalten.

Nachdem die Dortmunder 1995 und 1996 Deutscher Meister geworden waren und 1997 sogar die Champions League gewannen, blies der gestürzte Branchenführer aus München erstmals zum Gegenangriff. Die Bayern starteten Abwerbungsversuche bei mehreren Topspielern des BVB. Die Dortmunder wehrten die Attacken ab, hielten Stars wie Matthias Sammer und Stefan Reuter – doch zahlten einen hohen Preis dafür: Das Gehaltsvolumen stieg in der Folge extrem. Durch weitere Einkäufe und Investitionen in die Infrastruktur wollte Niebaum auch in den folgenden Jahren auf Augenhöhe mit Bayern bleiben – bis dem BVB schlicht die Luft ausging.

Derzeit scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Nach der Konsolidierung des BVB und dem Höhenflug in der Ära Jürgen Klopp, der in zwei Meisterschaften (2011 und 2012), dem Pokalsieg 2012 und dem Einzug ins Champions-League-Finale 2013 gipfelte, lockten die Münchener wieder Spitzenspieler aus Dortmund. Watzke wollte Verständnis für die eigene Situation wecken, deshalb hat er in Berlin so drastische Worte gewählt. Denn die Borussen haben derzeit sportliche Probleme. Demgegenüber steht eine gewachsene Erwartungshaltung: Die Dortmunder werden als Gegenentwurf zu den Bayern gesehen.

Trotzdem kündigte Watzke Verstärkungen an. Nach dem serbischen Mittelfeldtalent Milos Jojic, 21, von Partizan Belgrad, der bereits unter Vertrag genommen worden ist, sollen im Sommer weitere Verstärkungen kommen. „Wir werden investieren, und das nicht wenig. Mal sehen, was wir für unser Geld noch kriegen“, sagte Watzke: „Wir werden ein paar Ausrufezeichen setzen und haben noch Raum für Steigerungen im Gehaltsbudget.“ Was sie bei Hertha BSC nicht so gern hören werden: Deren Torjäger Adrain Ramos steht auf der BVB-Wunschliste sehr weit oben.