Bundesliga

„Es ist eine Katastrophe, was wir da spielen“

Beim HSV herrscht Untergangsstimmung, weil es mit dem neuen Trainer noch schlechter läuft

Rafael van der Vaart hatte nicht einmal den halben Weg zu den wütenden Anhängern zurückgelegt, da kehrte der Kapitän des Hamburger SV um und schlich mit hängendem Kopf davon. Noch bevor der Niederländer in der Kabine angekommen war, attackierte das Sinnbild des HSV-Niedergangs aber die eigenen Kollegen. „Die Fans schimpfen zu recht“, sagte der wieder einmal blass gebliebene Star nach dem 0:3 (0:2) des Bundesliga-Dinos bei 1899 Hoffenheim: „Ich kann es nicht mehr sehen, wie wir die Tore bekommen. Es ist eine Katastrophe, was wir spielen. Am Ende des Tages fehlt die Qualität.“

Mit diesem Offenbarungseid per Fernseh-Interview via Sky traf van der Vaart den Nagel auf den Kopf. Der Auftritt der Hanseaten bei der fünften Niederlage in Folge (zum zweiten Mal nacheinander 0:3) war desolat. Die Hamburger, die nach 19 Spieltagen lediglich 16 Punkte auf dem Konto haben, erarbeiteten sich nicht eine echte Torchance.

Dazu leistete sich die schlechteste Defensive der Liga wieder einmal zahlreiche Fehler. Ohne erkennbare Gegenwehr taumelten die Hamburger dem womöglich ersten Abstieg ihrer Klubgeschichte entgegen. Was die Anhänger von der Verfassung ihrer Mannschaft halten, war nicht zu überhören. „Wir haben die Schnauze voll“, schallte es aus dem Gästeblock. „Man hat gesehen, dass es für uns gegen den Abstieg geht. Alles geht schief. So macht Fußball keinen Spaß. Wir müssen schnell die Wende schaffen“, äußerte der ratlos wirkende van der Vaart, der selbst vor 25.603 Zuschauern in der Rhein-Neckar-Arena ein Schatten früherer Glanzzeiten war.

System ist kein Problem

Immerhin nahm der 30-Jährige seinen Landsmann auf der Trainerbank, der zuletzt wegen seiner Aufenthalte in der Heimat in die Kritik geraten war, in Schutz. „Der Coach kann nichts dafür, es ist nicht seine Schuld. Sein System verstehen wir“, sagte van der Vaart über Bert van Marwijk.

Die Zahlen sprechen allerdings gegen den Trainer, der in 13 Partien lediglich zwölf Punkte geholt hat. Damit ist die Ausbeute unter van Marwijk („Nach dem 0:3 war es desolat“) schlechter als unter seinem Vorgänger Thorsten Fink (1,27 Zähler im Schnitt). In Sinsheim besiegelten das Abseitstor von Roberto Firmino (4.) sowie die regulären Treffer von Niklas Süle (44.) und Andreas Beck (61.) die Hamburger Pleite. Eine solche Negativserie von fünf Partien hatte der letzte, bislang noch nie abgestiegene Dino der Fußball-Bundesliga zuletzt in der Saison 1970/71 erlebt.

„Ich habe noch nie in meiner Trainerkarriere fünfmal in Folge verloren“, gestand van Marwijk ein: „Aber ich bin kein Typ, der aufgibt.“ Ob der Niederländer vielleicht von der Chefetage zum Aufgeben gezwungen wird, kann er nach eigener Aussage nicht einschätzen. „Ich habe mir noch keine Gedanken über meinen Job gemacht. Und das mache ich auch nicht“, sagte der ehemalige niederländische Nationaltrainer: „Aber wenn man denkt, dass es ein anderer besser kann, dann müssen die mir das sagen.“ Das 0:2 kurz vor der Pause nannte van Marwijk „einen Knackpunkt. Das ist das Problem, seit ich hier angefangen habe: Wir haben viele Spielanteile, geben aber viel zu leicht die Tore weg.“

Mit „die“ meinte van Marwijk Sportchef Oliver Kreuzer. Der stellte sich hinter den Trainer – schließlich hat er ihn an die Elbe geholt. „Ständig immer alles auf den Trainer zu schieben, das hat man in den letzten Jahren immer gemacht. Immer war der Trainer schuld, immer wieder ist man auf die Trainer los“, sagte Kreuzer: „Das ist der richtige Trainer für diesen Verein. Da muss man andere Dinge hinterfragen.“