Snooker

Am Billardtisch wird man schnell zum Millionär

Judd Trump ist mit 24 Jahren schon ein Star im Snooker

Dass Berlin einen Billardspieler der Extraklasse hatte, daran werden sich nur noch wenige erinnern. Er heißt Dieter Müller, wird am Sonntag 70 Jahre alt und war zwischen 1977 und 1985 viermal Welt-, achtmal Europameister und 32 Mal Deutscher Meister. Seine Duelle gegen Belgiens Nationalhelden Raymond Ceulemans zogen damals genug Menschen in den Bann, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen die Übertragungswagen losschickte, um sie in die deutschen Wohnzimmer zu übertragen.

Heute ist Billard aufgrund der Sendervielfalt fast das ganze Jahr im TV präsent, gespielt wird aber nicht mehr Carambolage, Dreiband oder Cadre 71/2, sondern Snooker. Und die Stars kommen nicht mehr aus Deutschland oder Belgien, sondern zumeist aus England. So wie Judd Trump, der derzeit mit der Elite des Lochspiels beim German Masters in Berlin weilt, das noch bis Sonntag im Tempodrom ausgetragen wird.

Eine Million Euro an Preisgeldern erspielt zu haben, ist für die Granden der Snooker-Szene fast zwangsläufig, in Berlin winkt dem Sieger beispielsweise ein Scheck über 80.000 Euro. Keiner allerdings hat sich in einem solchen Eiltempo in die Weltspitze gespielt wie Trump. Er ist als die Nummer vier der Weltrangliste angereist, vor knapp einem Jahr war er sogar schon mal die Nummer eins und er hat bereits über 1,3 Millionen Euro an Preisgeldern erspielt. Schon mit 16 Jahren wurde er Profi, heute ist er gerade mal 24 Jahre alt.

„Ich habe eigentlich mein ganzes Leben Snooker gespielt, andere Sportarten haben mich nie interessiert“, erzählt Trump, der auf seinem Weg nach oben bereits englischer U-13 und und gar dreimal U-15-Meister war. Sein erstes Maximum-Break, 147 Punkte in einem Frame, perfektes Snooker, vom dem viele ein Leben lang träumen, spielte er mit 14. „Es war damals ein ganz normaler Schritt, Profi zu werden und ich genieße mein Leben, um die Welt zu ziehen und zu spielen, auch sehr.“

Auf der Weste, mit der an den Tisch tritt, wirbt Judd auch für ein chinesisches Unternehmen. Wie Superstar Ronnie O’Sullivan, der die Qualifikation für Berlin verpasste, dennoch kam, um seine Autobiografie zu signieren, gehört Trump zu denen, die helfen sollen, Snooker weltweit noch beliebter zu machen. „Wir haben gegenüber anderen Sportarten sicherlich noch einiges aufzuholen und es ist schade, dass es keine wirklich guten deutschen Spieler oder beispielsweise welche aus Russland gibt“, sagt Judd. „Aber du brauchst schon sehr früh die besten Spieler, um dich mit ihnen zu messen. Die gibt es in England, aber die Entscheidung, wegen Snooker schon früh dein Elternhaus zu verlassen, ist sicherlich sehr schwer.“

Im Tempodrom zählt nur der Sieg

Einmal am Tisch, liebt es der Engländer, schnell zu spielen, Grübeleien über das Für und Wider seines Stoßes sind nicht sein Ding. Und nach der Partie ist er dann auch schnell weg. Gemeinsame Abendessen mit Kollegen gibt es nicht. „Ich bleibe während Turnieren gern für mich allein, weil ich ja da bin, um zu siegen. Freundschaften könnten mir da im Wege stehen.“ Auch seinen Lieblingszeitvertreib, in Klubs zu gehen, in denen Hip-Hop gespielt wird, verkneift sich Trump im Berlin. Er sei hier, „um das German Masters zu gewinnen“.

Hemd, Weste nach Maß und eine Fliege sind zumeist auch die Arbeitskleidung des Engländers. Vielleicht nicht mehr lange. Seit Saisonbeginn wird auf der European Tour auch in Poloshirts gespielt – ein Versuch, das Image des Sports passend zu den neuen Helden zu verjüngen. „Ich finde das gut“, sagt Trump, „unser normales Outfit ist schon etwas antiquiert. Ich bin sowieso mehr der Typ, der Shorts trägt.“ Sollten die je zum offiziellen Outfit der Tour werden – Trump ist jung genug, es noch zu erleben.