Wintersport

Langen schimpft über die lahmen Bobs aus Berlin

Entwickler aus Schöneweide unter Druck wie noch nie

Panik ist noch nicht ausgebrochen, aber im deutschen Boblager herrscht hektische Betriebsamkeit. Nach dem Weltcup-Debakel vom Königssee am vergangenen Wochenende arbeiten die Tüftler vom Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Schöneweide rund um die Uhr an einer Lösung für Olympia in Sotschi. Der Vorsprung deutscher Ingenieurs-Kunst im Eiskanal scheint aufgebraucht. „Wir hoffen, dass wir fünf nach zwölf eine kleine Stellschraube finden, damit wir sagen können: Jetzt haben wir es“, sagte Bundestrainer Christoph Langen: „Wir werden alles tun, und wir werden in Sotschi eine sehr gute Performance sehen.“

Die letzten Tage vor dem Start der Winterspiele am 7. Februar werden zum Wettlauf mit der Zeit. Bei der Generalprobe auf der Heimbahn in Königssee erlebten die erfolgverwöhnten deutschen Bobfahrer ein Desaster. Kein EM-Gold, keine Weltcup-Podestplatzierung und teilweise riesige Zeitabstände.

Langen nahm bei seinem Rundumschlag auch seine Fahrer nichts aus, kritisierte aber vor allem das Material. „Wir beschleunigen nach den Kurven nicht so wie die anderen, wir kommen nicht richtig auf Speed“, sagte der Chefcoach über die neuen Fahrgeräte und bemängelte außerdem die Zeitabstimmung: „Leider kam der Bob in diesem Jahr auch etwas zu spät, und im Weltcup kann man kaum etwas verbessern.“

Sechs Millionen Euro Jahresetat

Laut Harald Schaale, Leiter des FES-Instituts, haben die Wetterbedingungen am Königssee die negative Entwicklung begünstigt. „Nassen Schnee in der Spur wie in Königssee wird es auf der komplett überdachten Olympiabahn von Sotschi nicht geben“, sagte Schaale, fügte aber an: „Wir sind auch nicht zufrieden. Es gibt noch Möglichkeiten, das müssen wir genau mit dem Trainer absprechen.“

Die Entwicklung im deutschen Bob-Lager ist ungewöhnlich, gelten die FES-Techniker doch seit Jahrzehnten als absolute Profis, die den deutschen Teams nicht selten den entscheidenden Vorsprung im Kampf um Gold verschafften.

Allein in den Kufensportarten – Rodeln, Bob, Skeleton – lautet die Faustformel für Erfolg: Ein Drittel macht das Material aus, ein zweites Drittel die Fähigkeit des Athleten, mit dem Material umzugehen, und der Rest der Start. „Wenn schon eine der drei Komponenten nicht funktioniert, hat man keine Chance mehr auf eine Medaille“, sagt Schaale.

Im Bobsport mischen Autobauer mit klangvollen Namen in der Spitze mit. BMW stattet die US-Bobs aus, die Italiener sind mit Ferrari unterwegs, die Engländer mit McLaren – alle rücken den Deutschen auf die Pelle. „Unser technisches Monopol der vergangenen Jahre ist aufgebraucht“, sagt Langen.

Rund 70 Mitarbeiter sind im FES beschäftigt, je zur Hälfte Ingenieure und Facharbeiter. Dort werden auch Kufen für Eisschnellläufer sowie Bindungssysteme für Skispringer erdacht. Insgesamt kümmert sich das Institut um 13 Sportarten. Das Budget beträgt 6,2 Millionen Euro. Neben dem FES wurde auch dem Institut für angewandte Trainingswissenschaften in Leipzig (IAT) im deutschen Einigungsvertrag der Bestand zugesichert.