Hertha BSC

Gerangel um Ramos

Herthas Torjäger soll sich mit Dortmund über einen Wechsel einig sein. Auch die Berliner wollen den Kolumbianer halten

Hertha BSC spielt als Aufsteiger eine bärenstarke Saison. Die Helden dieses Aufschwungs gefallen auch der Konkurrenz. So meldet die „Bild“, dass Borussia Dortmund einig sei mit Adrian Ramos über einen Wechsel im Sommer. Der Stürmer des Hauptstadtklubs spielt derzeit die beste Saison seiner Karriere und führt (gemeinsam mit Dortmunds Robert Lewandowski) mit elf Treffern die Torjäger-Liste der Fußball-Bundesliga an. Ramos habe seine Entscheidung bereits Hertha mitgeteilt. Es gehe nur noch um die Höhe der Ablösesumme.

Ganz so weit scheinen die Dinge noch nicht zu sein. Hertha-Manager Michael Preetz sagte der Morgenpost: „Adrian hat Vertrag bei Hertha bis 2015. Wer immer etwas von Adrian will, muss sich zunächst mit uns in Verbindung setzen. Das hat bisher niemand getan.“ Auch habe Ramos Hertha nicht darüber informiert, dass er Berlin vorzeitig verlassen wolle. Dennoch kommt die Entwicklung nicht überraschend. Jürgen Klopp, Trainer des BVB, hatte sich im vergangenen Dezember, in der Woche vor der Partie gegen Hertha, als Fan von Adrian Ramos bekannt.

BVB hat Bedarf im Sturmzentrum

Ramos hatte seine Qualitäten auch im Dortmunder WM-Stadion unter Beweis gestellt und gegen den BVB zum zwischenzeitlichen 1:1 getroffen. Am Ende gewannen die Berliner beim Champions-League-Finalisten sensationell mit 2:1.

Dass die Borussen dringend Bedarf im Sturmzentrum haben, wurde zum Jahresbeginn deutlich, als Dortmunds Stürmer-Star Robert Lewandowski verkündete, er werde im Sommer zum FC Bayern München wechseln. Wie zu hören ist, will der BVB mit der mutmaßlichen Belastung von drei Wettbewerben für den Jahrgang 2014/15 zwei hochkarätige Stürmer verpflichten. Gut möglich, dass Ramos einer davon wird.

Aufsteiger Hertha buhlt seit mehreren Monaten schon um Ramos. „Wir möchten, dass Adrian seinen Vertrag bei uns über 2015 hinaus verlängert“, sagte Manager Preetz. Hertha hat einige Argumente. Trainer Jos Luhukay stellt Ramos stets auf dessen Wunschposition als Stoßstürmer auf. Sein künftiges Gehalt soll von (geschätzt) 1,5 Millionen Euro stattlich aufgestockt werden.

Gleichwohl weiß der Bundesliga-Rückkehrer, dass die Argumente ausgehen, wenn ein hochkarätiger Klub ernsthaft Interesse an dem Kolumbianer hat.

„Adrian ist auf bestem Wege, ein Topjahr zu spielen“, sagt Preetz, „dass er damit das Interesse anderer Vereine weckt, ist normal.“ Dem Vernehmen nach ist der AS Monaco konkret dran. Auch zwei der großen englischen Vereine verfolgen die Entwicklung von Ramos genauestens. Nun also Dortmund. Egal, wo Ramos unterschreibt, wird er für einen Drei-Jahres-Kontrakt elf, zwölf Millionen Euro einstreichen können.

Wer näher dran ist bei Hertha, dem war bereits aufgefallen, dass Ramos seit Jahresbeginn allen Medienterminen konsequent aus dem Wege geht. Im Trainingslager vor zwei Wochen in Belek ließ Ramos mehrfach freundlich, aber bestimmt mitteilen, er stehe nicht zur Verfügung. Man kann annehmen, dass Ramos nicht lügen will. Und sich derzeit für das Motto entscheidet, dass es manchmal weise ist, zu schweigen.

Wie das Hertha-Interesse liegt, hat Manager Preetz am Sonntag im „Doppelpass“ bei Sport 1 erklärt. Auf die Frage, ob Ramos unverkäuflich sei, antwortete Preetz: „In Deutschland gibt es genau einen Verein, der seine Spieler für unverkäuflich erklären kann. Das ist der FC Bayern. Selbst Borussia Dortmund hat zuletzt mehrfach schmerzlich erfahren, dass wichtige Spieler den Verein verlassen haben.“ Gemeint waren die Abgänge von Mario Götze und Lewandowski eben zum FC Bayern. „Wir in Berlin müssen, wie jeder anderer Bundesligist auch, schauen, wie wir die Mannschaft finanzieren.“

Übersetzt heißt das: Stimmt der Preis, ist Hertha verhandlungsbereit. Als Größenordnung schwebt dem Hauptstadtklub ein Erlös von etwa zehn Millionen Euro für den Torjäger vor.

Hertha hat auch Pierre-Michel Lasogga, 22, unter Vertrag, der bis zum Saisonende für den Hamburger SV auf Torejagd geht. Die Berliner wollen ebenso mit Lasogga verlängern, auch dessen Kontrakt ist bis Juni 2015 datiert. Preetz sagt: „Es ist alles möglich: Dass wir mit Ramos und Lasogga verlängern. Dass wir nur mit einem verlängern. Oder, dass keiner von beiden bei uns verlängert.“ In diesem Fall ist Hertha stark daran interessiert, beide Stürmer in diesem Sommer zu verkaufen, um jeweils eine stattliche Einnahme zu erzielen. Manager Preetz sagt: „Ich bin gelassen.“

Kluge und Franz vor Abschied

Rascher werden sich zwei andere Personalien entscheiden: die von Peer Kluge, 33, und von Maik Franz, 32. Das Transferfenster ist bis Freitag geöffnet. Beide habe zwar Verträge bis 2015. Aber beide haben nur geringe Chance auf Einsätze. Um die Personalkosten zu reduzieren, ist Hertha interessiert, die Routiniers (mit gut dotierten Verträgen) von der Gehaltsliste zu bekommen. Manager Preetz hat Kluge und Franz zu Jahresbeginn signalisiert, Hertha werden ihnen keine Steine in den Weg legen, falls sie sich mit Ende Januar verändern wollen.

Kluge sagte der Morgenpost, er fühle sich wohl bei Hertha. Aber: „Es gibt aber auch interessante Angebote. Das prüfen wir“, sagt Kluge. Mit „wir“ meint er sich und seinen Berater Jörg Neubauer. Kluge hat zwei Anfragen vorliegen aus Ländern, die für deutsche Profis eher exotisch klingen: von Hapoel Tel Aviv, dem 13-maligen Meister aus Israel. Der zweite Klub, der die Fühler nach Kluge ausgestreckt hat, kann mit einem deutschen Trainer punkten: Ferencváros Budapest. Dort sitzt Thomas Doll auf der Bank, Ex-Coach des Hamburger SV und von Borussia Dortmund. „Beide Klubs sind interessant für Peer. Wir schauen, was sich realisieren lässt“, sagt Neubauer. Ebenfalls auf dem Wunschzettel von Doll: Maik Franz.