Wintersport

De Ketele/Müller triumphieren im Velodrom

Sixdays-Chef Schnorfeil träumt von Weltcup-Serie

Lob von allen Seiten, viel mehr kann sich ein Veranstalter nicht wünschen. Das gilt auch für Sechstage-Chef Rainer Schnorfeil und sein Team, nach der von knapp 75.000 Zuschauern besuchten 103. Auflage des Berliner Radspektakels. Die Feststellung des mit Rennende 2013 ausgeschiedenen Bahnchefs Heinz Seesing – „Das Berliner Sechstagerennen steht wie ein Fels in der Brandung!“ – hat vorläufig Bestand. Das bewies nicht nur das Siegerduo Andreas Müller/Kenny de Ketele (Berlin/Belgien), sondern auch Leif Lampater/Jasper de Buyst sowie Robert Bartko/Theo Reinhardt auf den Rängen zwei und drei. Entspannt zurücklehnen können sich Seesing-Nachfolger Schnorfeil oder sein Sportlicher Leiter Dieter Stein mit Blick auf die 104. Austragung (22. bis 27. Januar 2015) aber definitiv nicht.

„Was unser unmittelbares Umfeld angeht, haben wir ein lachendes und ein weinendes Auge. Berlin hat einige extrem zuverlässige, treue Sponsoren und ein sensationelles Publikum. Aber“, so der 56-Jährige aus Delmenhorst, „es ist dringend notwendig die 1997 anlässlich der Eröffnung des Velodroms geschlossenen Verträge zu überprüfen. Hertha, Union, Alba, die Füchse, die Eisbären und die BR Volleys gab es in der heutigen Konstellation nicht als Konkurrenten auf dem Zuschauer- und Sponsorenmarkt. Die finanziellen Vertragsinhalte für die Nutzung des Velodrom sind geblieben. Und alle, absolut alle anderen Kosten sind massiv gestiegen.“ Schnorfeil spricht es nicht aus, klar ist aber, die Berliner Politik muss entscheiden, wie sie dem wichtigsten Nutzer der Radsporthalle helfen kann. Denn ohne das Sechstagerennen ist das Velodrom tot.

Doch allein ein funktionierendes Rennen in Berlin rettet die stagnierende Sechstageszene nicht. Neben der Hauptstadt veranstaltet nur Bremen Sixdays in Deutschland. Zürich, Gent, Grenoble, Amsterdam, Fiorenzuola, Rotterdam und Kopenhagen sitzen (einige mit Viertagerennen) noch mit im Boot. Das klingt noch gut, ist es aber nicht. „Wir alle müssen den Besuchern stets Top-Fahrerfelder bieten. Und das wird immer schwerer. Die talentierten Nachwuchsleute brauchen genug Startmöglichkeiten, um vom Sport leben zu können“, nennt Schnorfeil die höchste Hürde.

Immerhin hat es in London in einem kleineren Kreis von Interessenten schon mal ein „loses Gespräch“ gegeben. Rainer Schnorfeil: „Ziel ist es, den Rad-Weltverband mit einzubinden. Im Prinzip sollte das wie die Weltcups im Ski oder Biathlon laufen. Inklusive gesicherter TV-Übertragungen, inklusive der Verpflichtung für die großen Profirennställe auch Bahnfahrer abzustellen.“ Dazu ein Preisgeldtopf, der nicht unter einer Million Euro liegen sollte. „Klar, das ist vorläufig Wunschkonzert. Aber der Wintersport hat gezeigt, wie es funktionieren kann“, sagt Schnorfeil.