Debüt

Aus Berlin in die beste Liga der Welt

Mit gerade mal 16 Jahren debütiert Gedion Zelalem beim FC Arsenal. Seine ersten Schritte im Fußball machte er bei Hertha

Es war die 71. Minute im FA-Cup-Spiel zwischen dem FC Arsenal und Coventry City (4:0), als Trainer Arsène Wenger sein Mittelfeldtalent Gedion Zelalem auf den Platz schickte. Der Junge aus dem Nachwuchs war neben Stars wie Mesut Özil, Per Mertesacker oder Lukas Podolski nicht nur der fünfte Deutsche auf dem Spielfeld. Der gebürtige Berliner , der einst bei Hertha BSC mit dem Fußball anfing, ist für Arsenal noch viel mehr. Er soll in die Fußstapfen von Cesc Fabrégas treten, der bei den Londonern zum Superstar reifte.

Heute gibt es den Profivertrag

Mit dem Spanier vom FC Barcelona hat Zelalem jetzt schon eins gemeinsam. Beide debütierten mit gerade einmal 16 Jahren im Profiteam des FC Arsenal. Für den Deutschen war es die letzte Chance auf diese Parallelität zu Fabregas. Am Sonntag feiert er seinen 17. Geburtstag. Für Teenager Grund für eine normale Feier. Für Fußballer ist damit aber eine Grenze überschritten. Sie dürfen offiziell Profiverträge unterschreiben.

Arsenal wird dem Deutschen mit äthiopischen Wurzeln ohne Zweifel so schnell wie möglich ein Papier zur Unterschrift vorlegen. Schon heute legendär ist Wengers Verhalten, als er den Jungen das erste Mal spielen sah. Der Trainer brauchte nur wenige Minuten, um von dem Können überzeugt zu sein. Noch am Spielfeldrand ging er zu Zelalams Vater und sagte nur einen Satz: „Ihr Sohn wird für Arsenal spielen.“ Mit gerade einmal 16 Jahren wechselte er im vergangenen Januar in die Jugendakademie des Premier League-Klubs.

Obwohl der Mittelfeldspieler noch nicht volljährig ist, hat er schon viel erlebt. So viel, dass sich mit den USA, Äthiopien und Deutschland gleich drei Fußballverbände von drei verschiedenen Kontinenten um ihn bemühen. Begonnen hat alles in Berlin, wo er 1997 geboren wurde. Wahrscheinlich hätte er ohne weiteres auch alle Nachwuchsmannschaften von Hertha durchlaufen. Doch seine aus Äthiopien stammende Familie, die 1990 Asyl in Deutschland erhielt, zog zu Verwandten nach Washington.

Vielleicht wirkt der Teenager deswegen bereits so erwachsen. Er musste von Grund auf alles neu lernen. Doch was auch in den USA gleich blieb, war die Bewunderung für die Fähigkeiten von Zelalem, der aus äthiopischer Tradition heraus den Vornamen seines Vater Zelalem Woldyes als Nachnamen trägt. Matt Pilkington, sein Trainer bei den Olney Rangers schwärmte im „Guradian“: „Er dribbelt wie Iniesta und passt wie Xavi.“

Arsène Wenger war so überzeugt von Zelalem, mit dem Arsenal bereits zwei Jahre vor der Verpflichtung über seinen amerikanischen Trainer Kontakt hatte, dass er ihn gleich nach seinem Wechsel nach London in das U21-Team nahm. In der Vorbereitung auf diese Saison gab er ihm nicht nur eine feste Rückennummer, für die Profis, sondern nahm ihn auch mit nach Ostasien auf eine mehrtägige Promo-Tour von Arsenal, auf der er in allen vier Spielen eingesetzt wurde.

Drei Länder buhlen um ihn

Vor allem seine beiden Torvorbereitungen in den Partien wurden beim Internet-Vide3odienst Youtube Hits. „Er braucht nicht mehr lange“, war sich Teamkollege Jack Wilshere sicher. „Er sieht Pässe wie kaum ein anderer Spieler und ist am Ball sensationell. Selbst im Training ist es ein Albtraum, gegen ihn zu spielen.“

Doch Zelalem hat bei seinem kometenhaften Aufstieg auch schon Rückschläge erleiden müssen. Zu Beginn der aktuellen Spielzeit saß er schon zweimal auf der Ersatzbank, wurde aber in der Premier League nicht eingewechselt. Dann setzte ihn eine Knieverletzung außer Gefecht. Aber er kämpfte sich über die Akademie-Mannschaft zurück.

Mittlerweile hat sich selbst Jürgen Klinsmann bei ihm gemeldet. Der US-Nationalcoach möchte ihn davon überzeugen, für die Amerikaner anzutreten. Doch bisher hat Zelalem, der die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, bis hin zur U17 für die DFB-Auswahl gespielt. Strategisch wäre ein Wechsel zum amerikanischen Pass unklug. Damit würde er seine deutschen Papiere verlieren und damit die Möglichkeit, frei in der Europäischen Union den Verein zu wechseln.

„Er hat gezeigt, dass er keine Angst hat“, lobte Wenger den Deutschen nach seinem Profidebüt. Der hat mit seiner Einwechslung auch einen Meilenstein für den Klub gesetzt: Er ist der erste Arsenal-Spieler, der noch nicht geboren war, als Wenger 1996 bei den Londonern als Trainer anfing.