Affäre um Lewandowski gefährdet Dortmunds Ziele

Polizeiermittlungen und Unruhe der Fans stören beim Kampf um die Champions League

Für die letzten Minuten vor dem Anpfiff war eigentlich ein ganz anderes Thema vorgesehen. „Nie wieder!“ heißt die Initiative des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL), mit der am Sonnabend auch Borussia Dortmund an die Opfer des NS-Regimes erinnern wollte. Doch vor dem Rückrundenstart gegen den FC Augsburg (15.30 Uhr, Sky) interessieren sich die Dortmunder Fans nun aber nur noch für ein Thema: Und das heißt Robert Lewandowski.

Der polnische Stürmerstar, der in der Hinrunde elf Liga-Treffer erzielte, hatte formell korrekt Anfang Januar seinen Wechsel am Saisonende zu Bayern München offiziell verkündet. Überrascht hat es nicht mehr, extrem übel schien es ihm in Dortmund niemand zu nehmen. Bis auf den 17-Jährigen, den der Dortmunder Torjäger in der Nähe seines Wohnsitzes für eine abfällige Geste am Straßenrand zur Rede stellte und dabei angeblich geschlagen haben soll. Der Schüler und Dauerkartenbesitzer („Er stürmte auf mich los wie ein Stier“) erstattete jedenfalls Anzeige wegen Körperverletzung. Die Polizei ermittelt nun.

Lewandowskis Abschiedstour könnte jetzt doch noch zum Spießrutenlauf werden, schon zuvor beim Weggang von Mario Götze hatten sich die Gemüter auf den Rängen immer erhitzt. „Da wurden Grenzen überschritten“, sagte Götze später dazu mal, ohne genaue Details zu nennen. Personenschützer mussten damals an seinem Haus Streife laufen, Lewandowskis Berater Maik Barthel dachte bereits öffentlich über ähnliche Maßnahmen nach. Personenschützer wie bei Götze

„Ich habe mit Robert Lewandowski gesprochen, er bestreitet die Vorwürfe vehement“, beeilte sich BVB-Boss Hans- Joachim Watzke denn auch, Druck aus der Sache zu nehmen. „Robert erklärt, der Junge habe ihm den Mittelfinger gezeigt, daraufhin sei er aus dem Auto ausgestiegen, habe ihm seine Hand auf die Schulter gelegt und ihn gefragt, warum er so etwas mache. Robert schwört, dass er den Jungen dabei nicht im Gesicht berührt oder gar geschlagen hat. Ich glaube Robert zu hundert Prozent“, sagte Watzke der „Bild“.

Unruhe kann der BVB nicht gebrauchen, läuft er doch sonst Gefahr, seinen Status als zweite Kraft zu verlieren. Hinter Branchenführer Bayern rangieren Leverkusen und Mönchengladbach auf den Plätzen zwei und drei. Watzke hofft auf eine Trendwende: „Ziel bleibt die direkte Qualifikation für die Champions League.“

Bis auf die erst im Februar zurückerwarteten Mats Hummels und Ilkay Gündogan sowie den Langzeitverletzten Neven Subotic stehen nach der Winterpause wieder alle Profis zur Verfügung. Das erhöht die Chance, dass es dem Champions- League-Finalisten nach zuletzt drei Heimpleiten in Serie gegen den FC Bayern (0:3), Bayer Leverkusen (0:1) und Hertha BSC (1:2) gelingt, den mäßigen Eindruck zu korrigieren. „Ich möchte nicht, das jemand nach Dortmund fährt und mit drei Punkten rechnet. Das ist unser Fehler, dass sich das eingeschlichen hat“, sagte Trainer Jürgen Klopp. Im Trainingslager von La Manga investierte Klopp viel Zeit, um das Umschaltspiel wiederzubeleben. Einzig die Schlagzeilen um Lewandowski störten nun die harmonische Vorbereitung. Der Pole selbst hatte ja längst versprochen, dass er bis zum Ende seines Vertrages alles für Dortmund geben will. „Ich hoffe, es ist und bleibt ein Einzelfall und ich kann ganz in Ruhe die Rückrunde spielen und mich ausschließlich auf Borussia konzentrieren“, betonte Lewandowski nun. Dafür braucht es heute gegen Augsburg am besten Tore und einen Sieg.