Eishockey

Hamburg lässt den Eisbären wenig Hoffnung

Ersatztorwart Elwing wird immer mehr zum Sorgenfall

In der Werbeunterbrechung des ersten Drittels schaute Jeff Tomlinson nach oben zum Videowürfel. Sein Blick schien auf der Suche zu sein nach etwas, dass ihm sagt, dass das alles nicht wahr sein kann, was da auf dem Eis passiert. Ganz kurz nur sah er die Zahlen, dann wendete er sich schnell wieder ab und wusste, dass er nicht etwa einen Albtraum erlebte. Nach nur zehn Minuten lag der EHC Eisbären gegen den Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), die Hamburg Freezers, mit 1:4 zurück. Viel besser, das war dem Trainer der Berliner da schon klar, würde es kaum werden – 4:7 (1:4, 2:1, 1:2) hieß es am Ende eines schaurigen Spiels.

Für den Titelverteidiger wird es damit als Elfter immer schwieriger, sich den begehrten zehnten Platz zu erkämpfen, der die Teilnahme am Pre-Play-off- erlaubt. Nach der Niederlage in Köln am vergangenen Sonntag (4:5) befinden sich die Berliner erstmals seit dem 14. Spieltag wieder außerhalb dieser Zone. Und Auftritte mit solch eklatanten Schwächephasen wie gegen Hamburg, die vierte Niederlage in Folge, lassen elf Spiele vor dem Ende der Hauptrunde kaum daran denken, dass sie sich noch einmal hineinschieben könnten.

Im Oktober, als die Berliner die Freezers zum ersten Mal in dieser Saison empfingen, sah es für die Hamburger auch nicht gut aus. Mit einem 3:2 schickte der EHC den Bruderklub, beide Vereine gehören der Anschutz-Gruppe, auf den letzten Tabellenplatz. Dadurch ist einiges passiert in diesem Team. „Die Berliner haben uns den Genickschuss verpasst. Danach haben wir aufgeräumt, seitdem haben wir wieder Spaß am Eishockey“, sagte Kapitän Christoph Schubert kürzlich.

Und seither marschieren die Hanseaten. Die Mischung von Jugend und Erfahrung stimmt, die Mannschaft spielt unglaublich intensiv. „Wir kämpfen jedes Spiel, als würden wir in den Krieg ziehen“, beschreibt Stürmer Jerome Flaake die Einstellung des Teams. So eilen die Hamburger von Vereinsrekord zu Vereinsrekord und lassen sich durch nichts davon abbringen. Gegen die Eisbären, die selbst mit sieben Ausfällen vom Verletzungspech gebeutelt sind, fehlten immerhin fünf Spieler.

Langsam wendet sich nun das Blatt zwischen den Anschutz-Klubs. Die Berliner, DEL-Rekordmeister mit sieben Titeln, waren stets die Erfolgreichen, Hamburg immer eine Enttäuschung mit nur einer Halbfinalteilnahme seit 2002. Jetzt sagt Tomlinson: „Sie sind ein Favorit auf den Titel.“ Der Manager wehrt sich noch dagegen, dass die Hamburger ihm den Rang ablaufen. „Sie spielen ein überragendes Jahr, aber wir haben die Hoffnung, dass wir das in diesem Jahr noch drehen können“, sagt Peter John Lee. Aber wie soll das funktionieren?

Wenn Stammtorhüter Rob Zepp nicht bald zurückkehrt, könnte das Play-off schnell verspielt sein. Als er im Dezember mit Rippenbruch ausfiel, wurde Trainer Tomlinson von den Fans böse angegangen, weil er sich wegen des großen Unterschieds zwischen Zepp und Vertreter Sebastian Elwing sorgte. Der laute Teil des Anhangs stellte sich hinter den gebürtigen Berliner. Seit ein paar Spielen zeigt sich jedoch, dass Elwing zur Achillesferse wird. Gegen die Freezers hielt er anfangs gefühlt keinen Schuss. Flaake (2.), Thomas Oppenheimer (3.) und Druval Westcott (9.) sorgten schnell für eine klare Führung. Als Travis Mulock für den EHC traf (10.), konnte Flaake nur 29 Sekunden später wieder jubeln.

Nachdem Oppenheimer das fünfte Hamburger Tor erzielt hatte (24.), keimte beim EHC noch mal etwas Hoffnung auf durch Treffer von Daniel Weiß (33.) und Mads Christensen in Überzahl (37.). In Gefahr konnten die Berliner, bei denen Sven Ziegler sein erstes DEL-Tor markierte (57.), den Gegner allerdings nicht bringen. Die Freezers, für die Adam Mitchell (43.) und erneut Oppenheimer (59.) erhöhten, gaben den Ton vor. Und es scheint, als würden sich die Eisbären daran gewöhnen müssen.