Basketball

Trotz Erfolgswelle ist bei Alba nicht alles unter Kontrolle

Es scheint eine parallele Entwicklung zu sein. Je öfter Alba Berlin hintereinander gewinnt, desto eindringlicher werden die Warnungen von Marco Baldi, dem Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten.

Und diesmal ist die Lage für das siegverwöhnte Team – zwölf Erfolge hintereinander – besonders „bedrohlich“: Am Sonnabend (19 Uhr, O2 World) trifft die Mannschaft von Trainer Sasa Obradovic auf den Tabellenletzten Walter Tigers Tübingen. Lediglich drei ihrer bisherigen 17 Partien haben die ziemlich zahnlosen Tiger aus der beschaulichen Universitätsstadt in der Bundesliga gewonnen. Da kann Alba nichts passieren, ein Selbstläufer also?

Eine solche Einstellung treibt Baldi den Puls hoch. „Genau das ist die Riesengefahr.“ Das inzwischen bestehende große Selbstvertrauen „darf nicht durch Nachlässigkeiten riskiert werden“. Denn ein, zwei verlorene Spiele könnten „alles zum Einsturz bringen“. Halblang machen könne der momentan so erfolgreiche Alba-Jahrgang 2013/2014 nicht. Volle Pulle, hundertprozentige Intensität – nur über diese Einstellung kann Alba auch spielerische Klasse entwickeln. Wenn dies einmal nicht der Fall ist, wie phasenweise in der ersten Hälfte beim Sieg gegen Juschne am Mittwoch, bekommen die Berliner große Probleme. „Da waren wir nicht bereit“, schimpfte Obradovic. „Ich kenne die Gründe dafür nicht, schließlich kann ich ja nicht alles kontrollieren.“ Vertrauen ist gut, Kontrolle besser, angeblich eine Weisheit von Lenin, dürfte auch Obradovics Einstellung nahekommen.

Ein Vertrauen ganz anderer Art wird in Tübingen gezeigt. Während man bei ebenfalls unten stehenden Teams von Würzburg und Bayreuth bereits die Nerven verloren und einen Trainerwechsel vorgenommen hat, stehen die Tigers zu Coach Igor Perovic, der in der fünften Saison Tübingen trainiert. All die Jahre habe er mit kleinen Mitteln gute Arbeit geleistet, erklärte Gesellschafter Gunther Volck, „da setzen wir ihm doch nicht einfach den Stuhl vor die Tür.“

Alba-Profi Reggie Redding wird das gerne gehört haben, so kann er am Sonnabend Perovic wiedersehen. Bevor er im Sommer 2013 nach Berlin kam, hatte Redding zwei Jahre lang in Tübingen gespielt. „Ich verdanke Igor viel“, sagt Redding. „Durch ihn bin ich der Spieler geworden, der ich heute bin.“