Zuschauerzahl

Auf dieses Europa haben Albas Fans keine große Lust

Unbekannte Gäste sorgen für Lücken auf den Rängen

Eine Viertelstunde vor Beginn schienen selbst die Spieler etwas verwundert zu sein. Während sich die Basketballprofis von Alba Berlin für ihr Eurocupspiel gegen Chimik Juschne (Ukraine) warm machten, schaute immer mal einer in Richtung der leeren Tribünen, als wenn er fragen wollte: „Kommt denn heute überhaupt niemand?“ Ganz so schlimm war es dann doch nicht, am Ende wurde am Mittwochabend als offizielle Zuschauerzahl 6204 bekannt gegeben.

Diejenigen, die in der O2 World waren, fühlten sich jedenfalls – trotz einigen Anlaufschwierigkeiten des Alba-Teams – von ihrer Mannschaft gut unterhalten. Die Berliner gewannen mit 87:71, blieben im dritten Spiel des „Last 32“ ungeschlagen und machten damit schon einen großen Schritt in Richtung Achtelfinale des Eurocups.

Alba im Eurocup, das ist in dieser Saison eine komplizierte Angelegenheit. Während es sportlich sehr gut läuft, Alba ist im „Last 32“ eines von nur fünf unbesiegten Teams, wird der Wettbewerb von den Zuschauern nicht gerade euphorisch aufgenommen. Bisher kamen zu den sieben Heimspielen im Schnitt 7042 Zuschauer in die Halle.

6204 Zuschauer, man muss im Archiv lange suchen, um eine ähnlich schwache Resonanz zu finden, seit Alba Berlin im Herbst 2008 von der Max-Schmeling-Halle in die 14.500 Plätze bietende Arena umgezogen ist. Sogar nur einmal, am 19. März 2009, kamen weniger Besucher zu einem Basketballspiel als jetzt gegen die Ukrainer aus Juschne. Damals besiegte Alba in der Bundesliga das Team aus Köln mit 86:77 – vor 6103 Augenzeugen.

Europaliga zieht bei Fans mehr

Geschäftsführer Marco Baldi sieht in der Zuschauerentwicklung auf europäischer Ebene „kein Drama“. Er mache sich „keine Sorgen“, denn die Besucherzahlen in der Liga sind erfreulich. Nach den neun Heimspielen in der Hinrunde verzeichnet Alba durchschnittlich 10.762 Besucher, deutlich mehr als in der vergangenen Spielzeit, als man – Stand Saisonende – auf 10.171 kam. „Die Leute spüren, dass jetzt eine Mannschaft auftritt, die alles gibt“, freut sich Baldi, der von „extrem hoher Identifikation“ spricht.

Doch so weit geht die Liebe trotz zuletzt zwölf Siegen hintereinander (noch) nicht, dass die Zuschauer massenhaft zu den Partien im hinter der Europaliga zweitklassigen Eurocup, der mit 48 Teams startete, strömen. In der vergangenen Saison hatte das internationale Geschäft in der Beliebtheitsskala der Fans einen anderen Stellenwert: Alba erreichte in der Europaliga das „Top 16“, im Schnitt kamen 9010 Fans in die Arena am Ostbahnhof. Es wurde damals ebenfalls zu eher ungünstigen und familienunfreundlichen Terminen abends unter der Woche gespielt. Auch im vergangenen Jahr waren winterliche Bedingungen – wie am Mittwoch – nicht gerade dazu angetan, „die Menschen hinter dem Ofen hervorzulocken“ (Baldi).

Es ist eben ein riesiger Unterschied, ob die Gegner Olympiakos Piräus, Real Madrid oder Maccabi Tel Aviv heißen – und nicht Juschne, Mons (Belgien) oder Kragujevac (Serbien). Der Berliner Fan hat in dieser Richtung hohe Ansprüche. Einst hatte Alba einmal die Vision, sich dauerhaft unter den zehn, zwölf besten Teams in Europa zu etablieren. Geschafft hat der Klub das nicht. „Von den Top acht sind wir ein gutes Stück entfernt, von den besten 16 nicht so weit“, sagt Baldi. Doch erst einmal ist Albas Platz im Eurocup, der Weg zurück in die Beletage ist noch ein weiter.