Motorsport

VW-Chef gibt grünes Licht für Rallye-Abenteuer in den USA

Auftrag ausgeführt. Martin Winterkorn, Vorstandschef beim amtierenden Rallye-Weltmeister VW, hatte es sich nicht nehmen lassen, kurz vor einer Dienstreise nach Detroit seine Mannschaft in Richtung Rallye Monte Carlo zu verabschieden.

Der 66-Jährige tat das auf dem Werksgelände mit einer klaren Erwartungshaltung. „2013 haben wir den Team- und Fahrer-WM-Titel geholt. Das muss wieder unser Ziel sein. Motorsport ist für uns kein Selbstzweck. Wir treten an, um unsere Qualitäten zu beweisen.“ Mit dem Auftaktsieg des französischen Duos Sebastien Ogier/Julian Ingrassia beim Frankreich-Klassiker wurde die Vorgabe umgesetzt.

Eine gute Motivation für die Wolfsburger. Ihr sportliches Spielfeld soll laut Vorstandsbeschluss ausgedehnt werden – in die USA. Im Rallyesport eher ein weißer Fleck auf der Landkarte, wächst in den Vereinigten Staaten momentan kaum eine Sportart so rasant wie Moto- und Rallyecross in Stadien oder riesigen Hallen. Für VW-Motorsportchef Jost Capito, selbst lange für Ford in den USA unterwegs, eine nachvollziehbare und logische Entscheidung. „Die Veranstaltungen werden in Ballungszentren ausgetragen wie Downtown Los Angeles oder bei den Nascar-Rennen. Jeder Zuschauer kann alles sehen, natürlich dann auch unsere Autos“, so der 54-Jährige.

Partner der Wolfsburger wird Ex-Formel-1-Pilot Mike Andretti, dessen Team (Andretti Autosport) vornehmlich bei Rundstreckenrennen (Indycars), aber auch im Gelände auf viel Erfahrung und viele Erfolge zurückblicken kann. Mike Andretti, Sohn des Formel-1-Weltmeisters von 1978 Mario Andretti, wollte die Zusammenarbeit eigentlich persönlich zum Start der Monte-Carlo-Rallye in Deutschland verkünden, aber seine Frau Jodi erwartet Zwillinge.

Aus 315 PS werden 600

Als einer der Fahrer ist Scott Speed, Vorgänger von Sebastian Vettel bei Toro Rosso in der Formel 1, im Gespräch. Gefahren wird vorerst mit einem Polo, später soll der Käfer-Nachfolger „Beetle“ Einsatzfahrzeug werden. Liegt beim Rallye-Auto die Leistung bei ziemlich exakt 315 PS, so sind es beim Rallyecross satte 600 – und mehr. Für Monte-Sieger Ogier ist Rallyecross eine „logische Entwicklung, weil die Zuschauer spektakuläre Aktionen auf vergleichsweise wenig Platz erleben können“. Wäre es für ihn auch eine Alternative zur Rallye-WM? „Noch nicht“, sagt der 30 Jahre alte Franzose: „Später vielleicht schon.“ Auf dem Weg zur möglichen Titelverteidigung geht es für ihn aber erst einmal vom 7. bis 9. Februar nach Schweden und Mexiko (7. bis 9. März).