Eishockey

Eisbären stürzen aus Play-off-Rängen

In Köln verliert der Titelverteidiger beim 4:5 zum dritten Mal in Folge und ist nur noch Elfter

– Lange schien der neunte Platz in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) für den EHC Eisbären wie zementiert, über Wochen setzte sich der angeschlagene Meister trotz eines steten Auf und Ab dort fest. Allerdings zeigte sich in den vergangenen Tagen eine Tendenz, und nun ist es wirklich passiert: Die Berliner sind auf Rang elf abgerutscht und stehen damit zwölf Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde außerhalb der Pre-Play-off-Ränge. Während der Titelverteidiger bei den Kölner Haien 4:5 (1:1, 2:4, 1:0) unterlag, zogen die Augsburger Panther mit einem 7:1 (2:0, 3:1, 2:0)-Kantersieg gegen Ingolstadt und die Iserlohn Roosters mit einem 2:0 (0:0, 1:0, 1:0) in München an der Mannschaft von Trainer Jeff Tomlinson vorbei.

Mit einem Punkt Rückstand auf Iserlohn und drei Zählern auf Augsburg ist die Lage nicht aussichtslos, die Situation stellt sich nach der dritten Niederlage in Folge allerdings schon prekär dar. „Es ist schwierig, damit umzugehen. Man muss trotzdem positiv bleiben, obwohl man immer mehr unter Druck gerät“, sagte Verteidiger Frank Hördler. Letzteres gilt umso mehr, da sich die direkten Konkurrenten Augsburg und Iserlohn zuletzt in starker Form präsentierten. Die Roosters etwa gewannen acht ihrer vergangenen neun Partien.

15. Auswärtsniederlage

Von einer solchen Konstanz sind die Eisbären in dieser Saison weit entfernt. Gerade zwei Serien von jeweils drei Erfolgen brachte der Serienmeister zu Stande. Gute Ansätze wurden immer wieder unterbrochen, so dass die Saison einer Berg- und Talfahrt gleicht. Zuletzt dominierte jedoch der Abwärtstrend. Bedingt unter anderem durch weiterhin große Verletzungsprobleme, in Köln fehlten sechs Spieler. Ein anderer Faktor ist die Auswärtsschwäche, bei den Haien setzte es im 21. Spiel auf fremdem Eis die 15. Niederlage. Das ist der zweitschlechteste Wert in der Liga.

Die allgemeine Saisontendenz der Berliner überträgt sich neuerdings auch auf einzelne Partien. Ein kleiner Aufschwung mit Siegen gegen Mannheim (3:2) und Krefeld (7:3) deutete an, dass durchaus Potenzial in der Mannschaft steckt. Auch in den Partien danach zeigten die Eisbären ansprechende Leistungen, sie führten gegen Wolfsburg (3:4), führten in Augsburg (3:6) und lagen ebenfalls bei den Haien vorn. Doch innerhalb weniger Minuten verloren die Berliner die Kontrolle, begingen individuelle Fehler und verspielten eine bessere Ausbeute. „Wir spielen gut nach vorn, aber das bringt nichts, wenn man nicht genauso nach hinten arbeitet“, sagte Torhüter Sebastian Elwing.

Trainer Tomlinson stand im zweiten Drittel mit glasigen Augen kopfschüttelnd an der Bande, weil er schon wieder das gleiche Niederlagen-Muster ansehen musste und seine Mannschaft nicht davor bewahren konnte. Angefangen hatte sie gut, Darin Olver traf zum 1:0 (7.), nach dem Ausgleich durch Andreas Falk in Überzahl (13.) erzielte Hördler ebenfalls im Powerplay das 2:1 (27.) und hatte kurz darauf die Chance zum dritten EHC-Treffer, da die Haie in der Defensive nicht aggressiv genug agierten.

Köln war zuletzt selbst nicht in Bestform gewesen, hat nur wenig Tore erzielt. Seit November schoss der Tabellenzweite lediglich zweimal vier Treffer. Eine Reihe von Torjägern litt unter Ladehemmung. Die Berliner allerdings boten sich als Aufbaugegner an, weil ab der Hälfte der Partie für zehn Minuten die Konzentration abhanden kam und Gegenspieler kaum mehr an Torschüssen gehindert wurden. Nach dem 2:2 durch Marcel Müller (33.) traf Philip Gogulla nach zuvor 17 Partien ohne Tor zum 3:2 (34.). Bei Chris Minard dauerte die Flaute nur neun Partien, gegen den EHC erzielte er das 4:2 (38.) ebenso in Überzahl wie kurz darauf Alexander Weiß das 5:2 (39). „Wir haben es verpasst, die Leute zu decken. Es ist zu einfach bei uns im Drittel“, beschwerte sich Elwing.

Zwar versuchen die Berliner, aus der Not eine Tugend zu machen und junge Spieler zu integrieren. Die erledigen ihre Aufgaben auch ordentlich, nur fehlt es noch an Konstanz, um das Niveau ständig zu bestätigen. Jonas Schlenker und Sven Ziegler, beide 19, hatten gegen die Haie genau wie Vladislav Filin, 18, in seinem zweiten DEL-Einsatz Probleme. Ebenso wiegt der Ausfall von Stammkeeper Rob Zepp immer schwerer, denn Elwing kann den Nationalspieler nicht adäquat ersetzen. Bei ihm schleichen sich Fehler ein, er kann der Mannschaft nicht die nötige Ruhe vermitteln. Gegen die Haie jedoch gab nicht Elwing den Ausschlag.

Zwar konnten sich die Eisbären durch Treffer von Barry Tallackson (40.) und Olver (59.) noch einmal heranarbeiten, auch gab das Team mehr Schüsse ab als die Haie. Doch die phasenweisen, dafür aber groben Unzulänglichkeiten genügten dem Kontrahenten wieder einmal, um das Spiel für sich zu entscheiden. Die Gefahr des erstmaligen Verpassens des Play-off seit 2001 wird damit immer realer.

Hoffnung auf Rückkehrer

Aktionen seitens des Managements sind dennoch nicht zu erwarten. Neue Spieler, das hatte Manager Peter John Lee angekündigt, werde er wohl nicht verpflichten. Auch Jeff Tomlinson, der sein Amt im Sommer antrat, steht nicht zur Disposition. Der Manager kreidet angesichts der langen Zeit mit vielen Ausfällen nicht dem Trainer die alleinige Schuld an der Misere an. Vielmehr gibt sich die sportliche Führung der Hoffnung hin, nach der Länderspielpause im Februar die meisten der verletzten Leistungsträger wieder auf dem Eis zu haben und dann mit besseren Voraussetzungen doch noch den zehnten Pre-Play-off-Platz ergattern zu können. Bis dahin kann allerdings noch viel Boden verloren werden. Vielleicht auch zu viel.