Gewalt

Krawalle in Köln überschatten Kongress in Berlin

„Diese Vögel werden wir mit keinem Konzept einfangen“

Die Massenschlägerei in Köln brachte die Fan-Szene in Erklärungsnot, DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig reagierte bestürzt. „Diese Vögel werden wir mit keinem Konzept der Welt einfangen“, erklärte der Spitzenfunktionär der Deutschen Fußball Liga (DFL) beim Fankongress in Friedrichshain zur Randale am Rande des Testspiels zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Schalke.

Dabei wurde am Sonnabend in der Kölner Innenstadt bei einer Prügelei zwischen 200 Anhängern ein Fan schwer verletzt und schwebte zwischenzeitlich in Lebensgefahr. Inzwischen ermittelt eine Mordkommission. „Wir stehen hier hilflos. Das Problem ist, dass das Leute sind, die wir nicht erreichen“, meinte „ProFans-Sprecher“ Alex Schulz. „Das können wir absolut nicht gutheißen, wir sind schockiert.“

Der Punkt „Fans als Sicherheitsrisiko“ sollte beim Kongress in der Hauptstadt eigentlich kein Thema sein, betonten die Veranstalter bei der Eröffnung. Rund 700 Anhänger bemühten sich in Berlin, dem Bild der Fans als Krawallmacher entgegenzutreten und zu zeigen, wie sich die aktive Szene den Fußball wünscht. „Wir haben die große Chance, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen“, sagte Daniel Nowara, Vertreter der BVB-Fanabteilung und der Organisation „Unsere Kurve“ einleitend. Doch nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen war alles anders. „Nicht nur Sie als Fan-Vertreter, auch wir als Verbände erreichen diese nicht“, sagte Rettig.

Fans rivalisierender Klubs tauschten sich im Kino Kosmos über Themen wie Vereinsstrukturen und Mitspracherechte aus. Auch Vertreter des DFB, der DFL und der Polizei waren da. Emotional wurde über das immer wieder eskalierende Verhältnis zwischen Polizei und Fans gesprochen. Gesucht werden Wege zu einem friedlichen Miteinander.

Warnung vor einer Vorverurteilung

„ProFans-Sprecher“ Schulz warnte vor einer Vorverurteilung der Anhänger. Die Fußball-Szene müsse differenziert betrachtet werden. Dafür plädierte auch der Sicherheitsexperte Helmut Spahn: „Es gibt nicht die Polizei, es gibt nicht die Fans, es gibt nicht die Ultras.“

Rechtsextremismus sollte im Fußball nichts zu suchen haben. „Sich klar gegen Rechts zu positionieren, ist selbstredend“, sagte Rettig. Als ein Schritt im Kampf gegen Rechts beginnt die DFL eine Kooperation mit der Aussteigerinitiative „Exit“. Der Leiter Fanangelegenheiten, Thomas Schneider, bestätigte einen Bericht der „ARD-Tagesthemen“. Die „aktive Fanarbeit der Vereine“ soll mit dem Projekt unterstützt werden, erklärte Rettig.

Zu dem zweitägigen Fankongress, dem zweiten nach 2012, waren auf Einladung der Organisationen „ProFans“ und „Unsere Kurve“ 700 Besucher gekommen. Sie diskutierten unter anderem über Vereinsstrukturen, Mitspracherechte, Antidiskriminierung und das Verhältnis zur Polizei. Auch DFL-Geschäftsführer Rettig äußerte sich positiv über die Veranstaltung: „Es gibt keinen Ersatz für Kommunikation.“