Europameisterschaft

Dänemark feiert Handball-Held „The Rock“ Hansen

EM-Gastgeber trifft heute auf Weltmeister Spanien

Wenn Mikel Hansen in diesen Tagen einen Raum betritt, wird es laut. Allein das Erscheinen des Rückraumstars löst bei seinen weiblichen Fans schon Begeisterungsschreie aus. Dänemarks Teenies jubeln ihrem Helden zu, wie man es sonst nur von Popstars wie Justin Bieber kennt. Aber auch weniger hormongesteuerte Handball-Liebhaber verehren „The Rock“.

„Mikkel ist gut, auch wenn er schlecht ist“, sagt Nationalcoach Ulrik Wilbek über seinen Star, der Dänemark bei der Europameisterschaft im eigenen Land erneut zum Titel werfen soll. Der Hype rund um den 1,96 Meter großen und knapp 100 Kilogramm schweren Koloss ist groß, wird nur noch von den Erwartungen übertroffen. Alles andere als der Triumph im Finale am 26. Januar wäre hier eine Enttäuschung.

Nicht die Zeit für Vergeltung

Und dieser Hansen, der mit seiner langen Zottelmähne und seinem geliebten Stirnband aussieht wie eine Mischung aus Rockstar und Björn Borg, trägt die Hoffnungen der Nation fast allein. Das Land erwartet von Hansen, dass er der Anführer ist, dass er die kniffligen Situationen löst. Und Hansen liefert. Der Mann von Paris Saint-Germain ist bisher Topscorer des Turniers: 17 Tore, 23 Assists. Mit drei Siegen in Serie ist der Favorit in die Zwischenrunde spaziert. „Wir müssen noch einen Gang hochschalten. Wir hatten Phasen, in denen wir unkonzentriert waren“, warnt Hansen dennoch: „Das wird in den nächsten wichtigen Spielen nicht reichen.“

Am Sonnabend kommt es zum Duell mit dem ungeschlagenen Weltmeister Spanien (20.30 Uhr), ehe am Montag Ungarn und am Mittwoch Island warten auf dem Weg ins Halbfinale. Zweifel am Titel-Triumph gibt es kaum. „Ich sehe keine Mannschaft, die Dänemark schlagen kann“, sagt Nikolaj Jacobsen. Der Trainer des dänischen Meisters Aalborg HB, der im Sommer in die Bundesliga zu den Rhein-Neckar Löwen wechselt, ist in Herning als TV-Experte aktiv. Bis zu zwei Millionen Menschen sahen bislang die Partien der Dänen im TV– bei nur 5,6 Millionen Einwohnern.

Spanien, weiß auch Hansen, wird die erste echte Prüfung für sein Team. „Wir dürfen nicht an Vergeltung und Rache denken“, fordert er. Die Iberer hatten Dänemark im WM-Finale 2013 regelrecht vorgeführt (35:19). „Wir müssen das richtige Gleichgewicht finden“, sagt Hansen. Und vor allem sich selbst. Hansen gestaltet das Spiel, ist ein Bollwerk in der Abwehr, setzt seine Nebenleute in Szene - oder schleudert den Ball mit brachialer Gewalt einfach selbst ins Tor. Dafür lieben die Dänen „The Rock“.