Eishockey

Unser Mann in Washington

Capitals-Fans lieben deutschen Torwart Philipp Grubauer wie früher Ex-Eisbär Olaf Kölzig

Anfangs wunderte sich Philipp Grubauer. „Ich dachte, die buhen mich aus“, erzählt der Eishockey-Torhüter schmunzelnd. Doch die Fans riefen: „Gruuuuu“. Seit ein paar Wochen schallen die Rufe durch das Verizon Center in Washington. Der 22-Jährige aus Rosenheim ist urplötzlich die Nummer eins der Washington Capitals in der NHL, der besten Liga der Welt, geworden – und lebt seinen amerikanischen Traum.

„Du fliegst im eigenen Jet zu den Spielen, schläfst in den besten Hotels, frühstückst mit den besten Spielern der Welt“, schwärmt Grubauer, und der Stolz in seiner Stimme ist nicht zu überhören. Seit Anfang Dezember gehört der Oberbayer auch dazu.

Weil der Tscheche Michal Neuvirth Ende November beim Betreten des Eises auf einem Puck wegrutschte und wochenlang mit einer Knöchelverletzung ausfiel, holten die Caps Grubauer vom AHL-Klub Hershey Bears. Und der Deutsche, der mit 16 schon seine bayerische Heimat verlassen hatte und nach Nordamerika übergesiedelt war, nutzte seine Chance. In 14 Spielen stand er zwischen den Pfosten, verlor nur zweimal in der regulären Spielzeit, kassierte im Schnitt lediglich 2,06 Tore und wehrte 93,6 Prozent aller Schüsse ab.

Selbst Superstar Alexander Owetschkin lobt den Senkrechtstarter: „Er hat dem Druck standgehalten.“ Wie zufrieden Cheftrainer Adam Oates mit ihm war, erfuhr Grubauer „eher aus der Presse“. Erster Ansprechpartner für ihn ist Olaf Kölzig. Der ehemalige Nationaltorwart, der 763 NHL-Spiele bestritt und auch das Tor der Berliner Eisbären hütete, betreut die Goalies in Washington. Mit ihm hatte der Youngster schon in den Farmteams zu tun. „Er coacht mich durch die Ligen“, sagt Grubauer.

Sein NHL-Abenteuer hat ihm auch ein besonderes Erlebnis beschert. Plötzlich stand er dem Idol seiner Kindheit gegenüber. „Martin Brodeur war mein Vorbild. Auf der Playstation habe ich deshalb immer mit New Jersey gespielt“, erzählt er, „und jetzt spiele ich wirklich gegen ihn.“ Natürlich wollte er nach dem Spiel noch ein paar Worte mit dem erfolgreichsten Torhüter der NHL wechseln und ein gemeinsames Foto schießen, „aber die Zeit war zu knapp“.

Noch droht ein Schritt zurück

Wie lange der amerikanische Traum noch weitergeht, weiß Grubauer nicht. Derzeit ist er der beste der drei Washington-Goalies. Er weiß aber auch, dass es jeden Tag enden kann und er wieder im Farmteam das Tor hütet, „das kann schnell gehen“. Am liebsten würde er natürlich oben bleiben, „ich will hier die Nummer eins werden, jedes Spiel machen“. Dann könnte zur Regel werden, was derzeit noch ungewohnt ist. Dass ihn zum Beispiel Scharfschütze Owetschkin in jedem Training traktiert. „Vom besten Schützen der Welt Schüsse aufs Tor zu bekommen, macht mich nur besser“, sagt er. An die „Gruuuuu“-Rufe würde er sich schon gewöhnen. Ändern würde sich allerdings sein Zuhause in der Fremde. Derzeit wohnt er in einem Apartmenthotel, „eine Minute von der Trainingshalle entfernt“.