Tennis

Rückschlag zum Saisonstart

Vor Beginn der Australian Open trennt sich Mercedes von Markenbotschafter Boris Becker

Es ist ein ungleiches Duo, das sich auf dem blauen Boden der Rod-Laver-Arena auf den Saisonstart vorbereitet. Zumindest auf einen flüchtigen Blick. Hier der Tennisstar, Novak Djokovic, austrainiert bis aufs letzte Gramm. Leichtfüßig. Auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Dort der Altmeister, Boris Becker: Füllig im Gesicht und an der Taille. Hüftsteif und gezeichnet von aufreibenden Jahren auf der Profitour.

Novak Djokovic hatte mehr als einen flüchtigen Blick riskiert, bevor er Becker Ende vergangenen Jahres als Headcoach verpflichtete. Der Weltranglistenzweite sah die Gemeinsamkeiten mit dem dreimaligen Wimbledonsieger, Beckers Willen, seine Überzeugung und Erfahrung, wenn es wirklich wichtig wird. „Ich habe den allergrößten Respekt vor dem, was er in unserem Sport erreicht hat“, sagte Djokovic: „Ich sehe in unserer Zusammenarbeit nur Vorteile.“

Bei den Australian Open in Melbourne ist es nun so weit. Die bekannteste Zweckgemeinschaft der Tennis-Tour wird auf den Prüfstand gestellt, zum Auftakt am Montag mit einem Match gegen den Slowaken Lukas Lacko.

Es ist ein kleiner Anfang auf dem Weg zu einem großen Ziel, und Novak Djokovic wäre auch ohne Becker in der Lage, problemlos die zweite Runde zu erreichen. Hilfe wird der 26-Jährige erst tief in der zweiten Woche erwarten, wenn die Gegner Rafael Nadal, Andy Murray oder Roger Federer heißen. Auf alle drei kann Djokovic zwar erst im Finale treffen, doch wer zweifelt schon an einem weiteren Siegeszug des Serben?

Viermal hat er schon in Down Under gewonnen, zuletzt dreimal in Folge, seit dem verlorenen Endspiel der US Open ist er ungeschlagen und weiß nun auch noch Becker an seiner Seite. „Seine aggressive Einstellung zum Spiel wird mir helfen“, sagte Djokovic, „vor allem auf der mentalen Seite“. Djokovic sieht jedoch auch die Gefahr darin, das Altbewährte hinter sich zu lassen: „Ein Wechsel trägt immer ein potenzielles Risiko.“

Miteinander Bälle geschlagen haben Spieler und Trainer bislang allerdings noch nicht, sehr zu Djokovics Bedauern: „Ich freue mich wirklich darauf, mit ihm zu spielen, aber er hat Probleme mit seinen Knöcheln. Er ist erst kürzlich operiert worden.“ Beckers Hüftprobleme sind zudem unübersehbar.

Nicht ganz spurlos an Becker vorbei gehen dürfte auch die Nachricht, dass Mercedes-Benz sich von ihm als Markenbotschafter getrennt hat. Laut SWR-Informationen wurde der Vertrag noch vor Ende der Laufzeit gekündigt. Markenbotschafter sind Prominente, die für Mercedes-Benz mit ihrem „guten Namen“ die Werbetrommel rühren. Ein Mercedes-Sprecher sagte dazu nur: „Wir kommentieren das nicht.“ Becker war vor nicht einmal zwei Jahren als Markenbotschafter engagiert worden. Der dreimalige Wimbledonsieger hatte in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt – unter anderem mit einer Biografie und umstrittenen Fernsehauftritten. Nach SWR-Informationen wurde deshalb der Vertrag zum Jahreswechsel aufgehoben.