Fußball

Vom Aussortierten zur Nummer eins im Hertha-Tor

Weil vier Torhüter verletzt sind, kehrt Philip Sprint zurück

Im Fußball drehen sich die Uhren bekanntlich schneller als anderswo: Was gestern so war, kann morgen ganz anders sein. Als Hertha BSC am Sonntagnachmittag zum zweiten Testspiel im Trainingslager an der türkischen Mittelmeerküste in Belek gegen den Bundesligakontrahenten Hannover 96 antrat, stand handschriftlich nachgetragen ein Name auf dem Spielbogen, der eigentlich gerade erst aus dem Profi-Kader gestrichen war: Philip Sprint.

Kaum anderthalb Wochen ist es her, da erklärte der Cheftrainer des Bundesligasechsten, Jos Luhukay, dass der 20 Jahre alte Schlussmann, der als Nummer drei der Berliner in die Saison gegangen war, in die Regionalliga-Mannschaft zurückgestuft werde. Marius Gersbeck, 18, hatte ihn überholt und in der Liga beim Auswärtsspiel gegen Borussia Dortmund (2:1) zum Hinrundenabschluss ein glänzendes Debüt gegeben. Zudem hatte Hertha zum neuen Jahr mit dem norwegischen Nationalkeeper Rune Jarstein, 29, einen weiteren Torwart verpflichtet. Außerdem gehört (der derzeit verletzte) Sascha Burchert zum Aufgebot – da war für Sprint Torwart Nr. 5 kein Platz mehr.

In Belek aber verletzte sich Gersbeck am ersten Trainingstag. Eine MRT-Untersuchung am Montag in Berlin soll ermitteln, wie schwer die Knieverletzung ist. Weil aber Stammkeeper Thomas Kraft wegen einer Bänderdehnung im Knie passen muss und Jarstein (Probleme am Oberschenkel) ausfiel, stand Hertha ohne Torwart da. Eben noch hatten die Berliner mit drei starken Keepern ein angenehmes Luxusproblem zwischen den Pfosten – nun eine temporäre Baustelle. Am Sonntagmorgen wurde Sprint eingeflogen – einmal raus und wieder rein in den Profikader.

Debüt von 96-Trainer Korkut

Sprint hielt die Null gegen Hannover 96, wo Trainer Tayfun Korkut sein erstes Spiel verantwortete. 0:0 endete der insgesamt flotte Vergleich der beiden Erstligisten. Auf der Tribüne saßen einige bekannte Gesichter aus der Branche wie Hans Meyer, Ralf Rangnick, Alexander Iashvili, Uwe Rapolder, Rudi Wojtowicz oder Jens Todt. Sprint zeigte in der zweiten Hälfte drei Paraden, zweimal half der Pfosten mit. Bei Hertha hatte Sandro Wagner die meisten Chancen. Als der Stürmer endlich traf, entschied der Schiedsrichter auf Abseits.

Trainer Jos Luhukay sagt, er habe „einen sehr guten Test“ gesehen. „Die Mannschaft hat gut gespielt, es hat nur das eine oder andere Tor gefehlt.“ Zur Leistung von Sprint sagte der Trainer: „Philip hat sehr gut gehalten. Er hat Ruhe und Sicherheit ausgestrahlt. Kompliment an den Jungen. Das war ein turbulenter Tag für ihn, prima.“

Im letzten Spiel des Trainingslagers in der Türkei trifft Hertha am Mittwoch auf Borussia Mönchengladbach.