Turnier

Handball-EM – ein Dreikampf der Giganten

Gastgeber Dänemark will Frankreich und Spanien ärgern

Karabatic gegen Hansen gegen Aguinagalde – Olympiasieger Frankreich gegen Europameister Dänemark gegen Weltmeister Spanien: Die am Sonntag beginnende EM wird zum Kampf der Handball-Giganten. Während die deutsche Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger erstmals bei einer Europameisterschaft zuschauen muss, brennt vor allem Gastgeber Dänemark auf die Wiederholung des Titel-Coups von 2012.

„Wir wollen eine Medaille gewinnen und zwar die goldene“, sagte Bundesliga-Torschützenkönig Hans Lindberg (HSV Handball) dem Magazin „Handball Time“ und spricht damit die Erwartungshaltung einer ganzen Nation aus. Das Turnier im handballverrückten Dänemark soll eine rauschende Party in Rot und Weiß werden. Und die Chancen dafür stehen gut: Während die großen Rivalen mit Verletzungssorgen zu kämpfen haben, startet das skandinavische Starensemble um Rückraum-Kanonier Mikkel Hansen nahezu in Bestbesetzung. Zum großen Vorteil könnten in den kommenden zwei Wochen die Zuschauer werden. „Ich denke, Dänemark wird explodieren“, sagte Flensburgs Kreisläufer Michael V. Knudsen vor der ersten Männer-EM auf dänischem Boden, warnte aber auch: „Die Erwartungshaltung in unserem Land ist riesig, alles andere als Gold wäre ein Fiasko.“

Das wollen die dänischen Kontrahenten verhindern – allen voran die wiedererstarkten Franzosen um Superstar Nikola Karabatic. Nach dem blamablen Hauptrunden-Aus vor zwei Jahren und Rang sechs bei der WM vor zwölf Monaten giert die Grande Nation, die den Welthandball zwischen 2006 und 2011 noch nach Belieben beherrscht hatte, wieder nach einer Medaille.

Und auch Weltmeister Spanien macht sich Hoffnungen auf seinen ersten EM-Titel. Obwohl Keeper Arpad Sterbik (verletzt) und Shooter Alberto Entrerrios (Karriereende) nicht dabei sind, rechnen sich die Iberer um Star-Kreisläufer Julen Aguinagalde Chancen aus. „Wenn wir so auftrumpfen wie bei der Heim-WM, traue ich uns zu, das Finale zu erreichen – und dieses dann auch zu gewinnen“, sagte Torjäger Victor Tomas.

Deutsche abseits in Afrika

Bundestrainer Heuberger setzt auf den Gastgeber. „Dänemark hat eine starke und eingespielte Mannschaft“, sagte der 49-Jährige und gab zu, dass ihn die verpasste Qualifikation noch immer verfolgt: „Es schmerzt und tut weh.“ Während die europäischen Top-Teams zur EM reisen (Sport1 überträgt 28 Spiele live), weilt die deutsche Mannschaft in Tunesien. Am Sonnabend in Tunis und Sonntag in Hammamet will die Heuberger-Auswahl ihre gewachsene Reife gegen den Afrikameister nachweisen. Heuberger verfolgt mit dem Nordafrika-Trip zwei Ziele: Raus aus der Komfortzone von Heimspielen und seinem Team weiteren Schliff für das WM-Play-off im Juni geben. „Auswärtsspiele sind ein wichtiger Baustein in der Entwicklung.“ Mit dabei in Tunesien sind auch zwei Spieler der Füchse Berlin. Neben Torhüter Silvio Heinevetter nominierte Heuberger für die beiden Länderspiele Nachwuchshoffnung Fabian Wiede.