Football

Noch zwei Spiele bis zum Super Bowl

Der Berliner Björn Werner hat sich bei den Indianapolis Colts durchgesetzt und steht im Viertelfinale der NFL

Sein Name ist schon seit Jahren für viele Amerikaner eine Herausforderung. Aber mittlerweile haben auch die Profis der National Football League NFL mit „Bjorn Wörnör“ so ihre Probleme – die jedoch vor allem sportlich. Der 23 Jahre alte Liga-Neuling der Indianapolis Colts zeigt in seiner ersten Saison genau zum richtigen Zeitpunkt die Leistungen, die sich sein Klub vom „Germinator“ bei der Verpflichtung im April erhofft hatte. Nun steht Björn Werner vor dem vorerst wichtigsten Spiel seiner jungen Profi-Karriere.

Trainer Chuck Pagano hat beim Berliner „in den vergangenen Wochen eine stetige Verbesserung und größeres Selbstvertrauen“ ausgemacht. „Er geht in die richtige Richtung und spielt genau die Art von körperbetontem Football, die wir als Team spielen wollen“, sagt der Coach. Und Werner wird sich auch am Sonnabend wieder von seiner besten Seite zeigen müssen. Im Play-off-Viertelfinale spielen die Colts bei den New England Patriots (2.00 Uhr, Sat.1). Der dreimalige Meister um Quarterback-Star Tom Brady und Trainer-Guru Bill Belichick gilt als Favorit. Doch die Indianapolis Colts reisen mit einer Serie von vier Siegen an. Das grandiose 45:44 nach zwischenzeitlichem 10:38 im Wild-Card-Match gegen die Kansas City Chiefs vor einer Woche dürfte die Colts neu aufgeputscht haben. Nie zuvor hatte der Klub einen derartigen Rückstand drehen können. Werner war nach dem „epischen Sieg“ (Pagano) glücksbeseelt. Und jetzt fehlen noch zwei Siege bis zum Erreichen des Finales, genannt Super Bowl. Zu Saisonbeginn hatte sich der deutsche Debütant noch schwer getan. Nach einer erfolgreichen College-Karriere an der Florida State University (FSU) hatten ihn die Colts beim Draft in der ersten Runde an 24. Stelle ausgewählt und mit einem Vier-Jahres-Vertrag über knapp acht Millionen Dollar ausgestattet. An Erstrunden-Verpflichtungen werden besonders große Erwartungen geknüpft. Quarterback Andrew Luck, auf den die Colts im Jahr zuvor gleich an erster Stelle zugriffen, gilt als der Spielmacher der Zukunft in Indianapolis.

An der FSU wühlte sich Werner als Defensive End zum gegnerischen Quarterback durch, um ihn zu Boden zu reißen, bevor dieser werfen konnte. Die Colts jedoch schulten ihn zum Outside Linebacker um. Somit duelliert er sich nun vor allem mit den Tight Ends, Angriffsrecken, die nicht selten mit ebenso imposanten Maßen auflaufen wie der 1,90 Meter große und 118 Kilogramm schwere Berliner.

Ein Bänderriss im Fuß hatte ihn im Oktober zu drei Wochen Pause gezwungen. Mittlerweile hat er seine Position und die dazu gehörenden Spielzüge mehr und mehr verinnerlicht und spiele deshalb „freier“ auf. Seinen deutschen Akzent hat er auch nach knapp fünf Jahren in Amerika noch immer nicht verloren – sehr zur Freude seiner Mitspieler. „Egal, wo ich hinkomme, die Leute ziehen mich damit auf. Aber ich bin jemand, der über sich selbst lachen kann“, sagt der Berliner.