Fußball

Harter Kampf um das Hertha-Tor

Luhukay lobt beim Training in der Türkei Zugang Jarstein. Stammkeeper Kraft hält gleich einen Ronny-Elfmeter, Talent Gersbeck verletzt sich

18 Grad, die Sonne lacht. „Und der Platz ist in noch besserem Zustand als im Vorjahr“, sagt Jos Luhukay. Der Trainer von Hertha BSC ist kein großer Freund von Trainingslagern, aber an den Bedingungen in Belek in der Türkei hat auch der anspruchsvolle Holländer nichts auszusetzen. Luhukay lobt die Ruhe und das Fünf-Sterne-Hotel „Cornelia Diamond“. Wichtiger für ihn noch: Die Mannschaft geht drei Minuten zu Fuß durch ein Wäldchen und steht auf dem hoteleigenen Fußballfeld. Dort werden auch die Testspiele gegen den FC Aarau (am heutigen Sonnabend), Hannover 96 (Sonntag) und Borussia Mönchengladbach (15. Januar) gespielt.

Damit niemand der mitgereisten 28 Profis auf die Idee kommt, die Dienstreise ans Mittelmeer hätte etwas mit Urlaub zu tun, war der Trainer bei der ersten Einheit in Belek sehr lautstark. Die Übung bestand darin, dem Mitspieler den Ball aus Nahdistanz zuzupassen. Nico Schulz spielte einen Ball viel zu ungenau. Luhukay brüllte: „So ein Scheißpass! Das sind nur fünf Meter. Das muss besser sein. Mehr Konzentration!“

Luhukay kritisiert seine Spieler

Beim Spiel auf kleinem Feld ohne Tore schnauzte der 50-Jährige immer wieder seine Spieler an: „Ihr müsst Laufwege und Linien sehen!“ Besonders einer bekam gleich mal zu spüren, was es heißt, bei den Profis mitzumischen: Farid Abderrahmane. Der 17-Jährige, der kurzfristig zum Kader gestoßen war, hatte ein paar Probleme, sich bei den Bundesliga-Profis zurecht zu finden. Luhukay aber will, dass er schnell lernt, und machte ihn lautstark auf Fehler aufmerksam: „Farid, du bleibst einfach stehen. Du musst Ball und Gegner im Auge haben!“”

Das Signal des Trainers: Die Rückrunde beginnt in exakt 14 Tagen mit der Auswärtspartie bei Eintracht Frankfurt. Luhukay fordert, dass seine Spieler, ob etabliert oder nicht, sofort begreifen, dass es jetzt darum geht, jeden Tag Höchstleistung zu bringen.

Bei einer Personalie jedoch war der Trainer sehr positiv gestimmt: Bei Rune Jarstein, 29, der neue Torwart, der zu Jahresbeginn von Viking Stavanger zu Hertha gewechselt ist. Luhukay sagte: „Rune ist unkompliziert. In der Mannschaft ist er einer der Ruhigeren. Aber auf dem Platz hat er eine sehr gute Ausstrahlung. Er ist ein erfahrener Mann und weiß, was er will.“ Vor allem ist der Trainer angetan, dass der Nationaltorwart von Norwegen (35 Länderspiele) „obwohl er erst wenige Tage im Land ist, versucht, seine Verteidiger auf Deutsch zu coachen.“

Nun spricht Luhukay in der Öffentlichkeit zumeist wohlwollend über seine Schützlinge. Aber natürlich weiß der Coach, dass alles, was die neu zusammengesetzte Torwart-Crew betrifft, bei Hertha besonders registriert wird. Nicht nur bei den Fans, sondern auch intern. Thomas Kraft, in den vergangenen anderthalb Jahren die unumstrittene Nr. 1 im Hertha-Tor, weiß, dass auch von ihm eine Steigerung erwartet wird. Kraft wirkt präsent auf dem Trainingsplatz. Er wirft sich mit Verve in die Aufgabe. Beim ersten Trainingsspiel hatte er etwas zu viel Schwung und holte im eigenen Strafraum Peer Kluge von den Beinen. Macht nichts, dachte sich Kraft. Den fälligen Elfmeter legte sich der sicherste Strafstoßschütze von Hertha zurecht: Ronny. Der Brasilianer nahm einen langen Anlauf und schoss scharf und platziert unten rechts. Doch Kraft tauchte, wie von einer Feder losgelassen, ins bedrohte Eck und parierte glänzend. Und erhielt Szenenapplaus der rund 30 mitgereisten Hertha-Fans auf der kleinen Tribüne am Trainingsplatz.

Das ist es, was sich Luhukay und Torwarttrainer Richard Golz erhofft haben: Dass Kraft und Jarstein sich gegenseitig zu guten Leistungen antreiben. Wie schwer die Torwart-Positionen im Hochleistungssport aber zu planen sind, zeigte sich beim Nachmittagstraining. Da verletzte sich Junioren-Nationalspieler Marius Gersbeck am rechten Knie. Der 18-Jährige Torhüter, der beim letzten Hinrunden-Spiel bei Borussia Dortmund (2:1) einen so bemerkenswerten Bundesliga-Einstand gegeben hatte, musste das Training abbrechen. Torwarttrainer Golz sagte: „Marius hatte beim Aufstehen Schmerzen im Knie. Es scheint, als sei er da blockiert.“

Trainingslager kostet 40.000 Euro

40.000 Euro kostet den Hauptstadt-Klub das Trainingslager in der Türkei. Um einen Teil der Kosten wieder hereinzuholen, hat Hertha die Vermarktungsrechte für die drei Freundschaftsspiele verkauft. Das erste davon wird um 17 Uhr Ortszeit (16 Uhr in Berlin) gegen den FC Aarau angepfiffen, den Tabellen-Achten aus der Schweiz. Die Kosten für Hin- und Rückflug mit Air Berlin werden gegen Werbeleistungen aufgerechnet. Unter dem Strich muss Hertha für den der Acht-Tages-Trip in die Türkei mit einem 44-köpfigen Tross lediglich 10.000 Euro selbst aufbringen.