Katar

Warum gastiert Bayern so oft bei den Scheichs?

Armut der Katari bekommt dabei aber kein Profi zu sehen

Die Vögel zwitschern, der Wind wiegt die Palmen am Trainingsplatz des FC Bayern, der Rasen liegt wie ein grüner Teppich vor den Spielern. Vogelgezwitscher in der Wüste? Das Piepsen kommt vom Band. Den Gästen aus Deutschland soll es an nichts fehlen.

Auch Schalke kann sich vor Annehmlichkeiten in Katar kaum retten. Das Mannschaftshotel „The Torch“ bietet Privatzugang zur größten Shoppingmall. Und wenn den Gästen nach Schlittschuhlaufen zumute ist – eine Eisbahn gibt es auch. Ja, es lässt sich gut leben am Persischen Golf. Nur nicht für jeden.

Im Austragungsland der WM 2022 gibt es viele reiche Menschen – und sehr viele arme. Die armen allerdings werden Franck Ribéry, Julian Draxler und Co. nicht zu sehen bekommen. Katar soll weltweit über die höchste Quote an Arbeitsmigranten verfügen, vor allem aus Nepal, Indien und Sri Lanka. 88 Prozent der katarischen Bevölkerung sind Ausländer, und die meisten von ihnen schuften dort unter menschenunwürdigen Bedingungen. Das Kafala-System erlaubt es Firmen, die Pässe ihrer Angestellten einzuziehen. Die Monatslöhne liegen zum Großteil unter 370 Euro im Monat.

Zahlreiche Tote auf den WM-Baustellen, aber auch der Fall des festgehaltenen französischen Spielers Zahir Belounis, brachten die Missstände an die Öffentlichkeit. „Es kann nicht sein, dass die WM in einem Land stattfindet, das seine Arbeiter wie Sklaven behandelt“, kritisierte Michael Sommer, der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Ist es da vertretbar, dass deutsche Vereine dort ihr Trainingslager abhalten?

„Ja“, sagt Regina Spöttl, bei Amnesty International Expertin für die Golfregion. „Ein Boykott der Region bringt nichts. Wenn die Vereine dort hinfahren und die perfekten Trainingsbedingungen nutzen, ist das in Ordnung. Sie sollten dort nur nicht blind durch die Gegend laufen, sondern sich informieren und die Augen offen halten. Die Vereine sind sehr mächtig und können etwas zum Positiven bewegen.“

Offiziell gibt es von den Klubs zu den Missständen vor Ort keinen Kommentar, intern wird über das heikle Thema durchaus gesprochen. Bereits zum vierten Mal sind die Münchner in Katar, sehr zur Freude von Klub-Investor Audi übrigens, der sehr aktiv im Mittleren Osten ist. Auch für die Deutsche Fußball Liga (DFL) ist der Trip beste Werbung, um die Auslandsumsätze zu erhöhen. Sylvia Schenk, die internationale Sportbeauftragte von Transparency International, wünscht sich bei allem Geschäft aber auch: „Es gibt ja Fußballspieler, die sehr reflektiert sind. Vielleicht können sie vor Ort Fragen stellen. Sie können Interesse zeigen und damit auch den Druck erhöhen.“