Paradox

Bei jedem Sprung überwindet Wank seine Höhenangst

Der Olympia-Zweite kämpft um ein Ticket für Sotschi

Skispringer sind so etwas wie die tollkühnen Herren der Lüfte. Sie lieben das Fliegen, das Adrenalin, testen Grenzen aus, brauchen Mut. Und sie müssen schwindelfrei sein. Ein Skispringer, der die Höhe fürchtet? Niemals. Und dann ist da Andreas Wank, 25 Jahre alt, 1,90 m groß, einer der athletischeren Typen im Springerlager. Er steht am Schanzentisch und sagt: „Ich habe Höhenangst.“ Das klingt paradox.

Ein Skispringer mit Höhenangst – wie soll das gehen? Wank hätte doch jetzt eine perfekte Ausrede für Platz 33 beim dritten Springen der Vierschanzentournee in Innsbruck. Wie soll er denn auch mit Höhenangst aus der Höhe springen? Doch Platz 33 hatte andere Gründe: Wie der Österreicher Thomas Morgenstern zog auch Wank eine Niete bei der Windlotterie am Bergisel. Auch im Finale in Bischofshofen lief es gar nicht, er schied im ersten Durchgang aus.

Mit sechs Jahren angefangen

Aber er kann es. 2008 gewann Wank den Titel des Juniorenweltmeisters. 2010 folgte dann sein bislang größter Erfolg: Olympiasilber mit dem Team in Vancouver. „Es war ein perfekter Tag und das Größte, was ein Sportler erleben darf“, sagt der Mann mit der Höhenangst. Nach dem Olympiawinter hatte Wank allerdings sportlich zu kämpfen, sprang sich dann zurück und gewann mit der Mannschaft WM-Silber im Skifliegen (2012) und von der Großschanze (2013) – trotz Höhenangst.

Als er im Alter von sechs Jahren auf der Suche nach einem Hobby war, tangierte ihn der Blick in die Tiefe noch nicht allzu sehr. Fußball war nichts für ihn, da hörte er von einer kleinen Kinderschanze in der Nähe seiner Heimatstadt Halle/Saale. Es war eher ein Hügel. „Ich wollte nur zuschauen, aber der Trainer sagte: Gibt es nicht, gleich ausprobieren“, erinnert sich Wank. Seitdem kommt er nicht mehr davon los.

Ein guter Turmspringer wäre er nie geworden, aber beim Skispringen ist die Sache etwas anders. „Das kann ich problemlos machen“, sagt Wank. Wenn er ein paar Regeln befolgt, geht die Sache gut. Sich aber einfach mal oben auf der Schanze entspannt an die äußerste Seite stellen und nach unten blicken, wäre fatal für ihn. „Es kribbelt dann, mein Gleichgewichtssinn lässt nach, ich schwanke und stolpere auch mal“, erklärt der 25-Jährige. „Ich darf rechts, links und hinten nicht hinunterschauen. Alles, was schräg bergab ist, in die Ferne geht oder wenn ich frei im Raum hänge – das geht.“

Das große Ziel des 25-Jährigen sind jetzt die olympischen Winterspiele in Sotschi. Der Kampf um einen Platz im Team ist hart, Schuster darf nur fünf Springer mitnehmen. Aber er sagt auch: „Inzwischen etabliert sich Andreas als echte Bank. Ich glaube, seine Entwicklung ist noch lange nicht zu Ende.“