Unfall

Familie Schumacher bittet um mehr Rücksichtnahme

Auch nach der achten Nacht gibt es keine Entwarnung für den ehemaligen Rennfahrer

Mehr als eine Woche nach seinem schweren Skiunfall kämpft Michael Schumacher weiter um sein Leben. Der Formel-1-Rekordweltmeister befand sich auch am Montag und damit acht Tage nach seinem schrecklichen Sturz in einem kritischen Zustand. Das teilten die behandelnden Ärzte in einer schriftlichen Erklärung mit.

„Der klinische Zustand von Michael Schumacher wird als stabil angesehen und kontinuierlich beaufsichtigt. Das zuständige Ärzteteam unterstreicht jedoch, dass sie nicht aufhören werden, die Situation von Michael als kritisch zu betrachten“, hieß es in der Mitteilung, die Schumachers Managerin Sabine Kehm am Nachmittag verbreitete. Es ist die erste Auskunft von offizieller Stelle zum Gesundheitszustand des ehemaligen Rennfahrers seit vergangenem Sonnabend.

Darin betonten die Mediziner auch, die Privatsphäre des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters verlange, dass Details seiner Behandlung nicht genannt würden. „Aus diesem Grund planen wir zunächst keine weitere Pressekonferenz oder schriftliche Pressemitteilung“, stellten die Ärzte des Universitätskrankenhauses von Grenoble klar.

Dieses wurde, seit Schumacher rund anderthalb Stunden nach seinem Unfall dorthin gebracht worden war, tagelang von Medienvertretern regelrecht umlagert. Trotz geringer gewordener Aufregung vor dem Haupteingang warteten auch am Montag noch rund zwei Dutzend Kamerateams am Seitenportal, das die Familie und die Freunde des mittlerweile 45-Jährigen meist nutzen.

Pressekonferenz am Mittwoch

Die Mediziner und Kehm baten die Öffentlichkeit eindringlich darum, „das Arztgeheimnis zu respektieren und sich ausschließlich an die Informationen des zuständigen Ärzteteams oder Managements zu halten, die die einzigen gültigen Informationen sind“, was auch als ein Appell an mehr Rücksichtnahme auf die Familie zu verstehen sein dürfte.

Wie sich der Unfall genau ereignete, dürfte am Mittwoch verdeutlicht werden. Dann wollen die ermittelnden Behörden ihre Ergebnisse präsentieren. Staatsanwalt Patrick Quincy kündigte am Montag eine Pressekonferenz zu den dramatischen Ereignissen an. Der französischen Nachrichtenagentur AFP bestätigte er, dass die Pressekonferenz um 11 Uhr im Justizpalast von Albertville stattfinden soll.

Aufschluss über den Unfallhergang könnten zum einen Bilder der Helmkamera von Michael Schumacher liefern, die die Familie den Ermittlern übergeben hat. Unklar ist aber, ob diese zum Zeitpunkt des Unglücks eingeschaltet war. Zudem soll es laut dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ ein zufällig gedrehtes Video eines 35 Jahre alten Touristen aus Deutschland geben, das Schumacher bei dem Unfall zeigen könnte. Eine Kopie hat die Staatsanwaltschaft von dem Zeugen angefordert.

Schumacher liegt seit mehr als einer Woche im künstlichen Koma. Bei dem Sturz mit dem Kopf auf einen Felsen hatte er ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Er war unmittelbar nach seinem Transport per Hubschrauber im Unikrankenhaus von Grenoble notoperiert worden. Bei einem zweiten Eingriff am Abend des 30. Dezember war ihm ein Hämatom in der linken Hirnseite entfernt worden. Andere seien schwerer zugänglich, hatten die Mediziner anschließend berichtet.

Vor allem die Frage, wie schnell Schumacher vor seinem Sturz unterwegs war, bewegt die Öffentlichkeit. Der vermeintliche Zeuge mit dem Handy-Video soll gesagt haben, Schumacher sei „gemächlich gefahren“. Managerin Kehm hatte unter Hinweis auf Schilderungen von Schumachers Begleitern bei dem Skiausflug ebenfalls bereits berichtet, dass er nicht mit hoher Geschwindigkeit gefahren sei. Bei der Unglücksstelle handelt es sich um einen eher flachen Abschnitt zwischen zwei markierten Pisten.

Keine Netze auf der Skipiste

Die französischen Ermittler prüfen derzeit, ob die Pisten ausreichend abgesteckt und die Warnungen vor dem felsigen Bereich zwischen einer blauen und einer roten Piste deutlich genug waren. Offenbar war das Unfallgebiet nicht mit Netzen abgesperrt, sondern nur mit Stangen ausgewiesen.