Eishockey

In der Krise setzt Meister Eisbären auf die Jugend

Zahlreiche Ausfälle verhelfen Nachwuchs zu großer Chance

Der Reizpegel bewegt sich in engen Bahnen dieser Tage, es braucht nur einen kleinen Anstoß, und Peter John Lee wirkt genervt. Denn die Lage wird eher schlechter als besser, der EHC Eisbären verliert gerade wieder mehr, als dass er gewinnt. Schlecht für einen Titelverteidiger, wenn darüber die Play-off-Teilnahme in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in Gefahr gerät. „Die Saison ist noch nicht vorbei“, quäkt der Manager. Es klingt ein bisschen nach: Was soll ich denn machen?

Aktuell bleiben ihm nicht viele Möglichkeiten. Er kann über Trainer Jeff Tomlinson nachdenken, einen neuen Spieler holen. An den Verletzungsproblemen ändert das wenig. Beim 3:4 n.P. gegen den 13. der Tabelle, die Schwenninger Wild Wings, fehlten neun Profis; gegen den Zweiten, die Hamburg Freezers, werden es am Dienstag kaum weniger sein. Bei manchen Spielern weiß er nicht mal, wann sie wieder eingreifen können. „Bei Florian Busch und André Rankel mache ich mir Sorgen“, sagt Lee. Den einen plagt eine hartnäckige Magen-Darm-Infektion, den anderen eine Gehirnerschütterung.

Rankel kam gegen Schwenningen in die Halle und sah dem Notaufgebot mit etlichen jungen Spielern als Aushilfskräften zu. „Die machen ihr Ding, Jonas Müller in der Abwehr hat mir gut gefallen“, sagt der Kapitän, der derzeit wegen seiner Kopfverletzung nicht auf dem Eis trainieren kann. Rankel sah dabei ein wenig in seine eigene Vergangenheit, auch er fing so bei den Eisbären an. Deshalb weiß er: „Man sollte nicht zu viel erwarten von ihnen.“

In den vergangenen Jahren unter Trainer Don Jackson erhielten Talente bei den Eisbären nicht mehr viele Chancen, sich in der DEL zu präsentieren. Tomlinson war im Sommer unter anderem mit der Vorgabe angetreten, dies zu ändern. Ein wenig besser ist es auch geworden, wenngleich der Coach vielen noch zu zaghaft blieb. In der aktuellen Situation müssen die Jungen nun aufs Eis. „Sie haben ihre Sache gut gemacht“, sagt Lee.

Eine Aussage zur Qualität des Nachwuchses trifft er damit nicht. Dort lag lange ein Problem, Jackson tat sich schwer, Perspektiven zu sehen für die Youngster. Überschäumende Freude verbreiten viele der Talente bei der sportlichen Leitung immer noch nicht. Aber: „Es sind ein paar interessante Spieler dabei“, sagt Lee. Müller oder auch Jonas Schlenker gehören dazu. „Wir versuchen, die jungen Spieler langsam voranzubringen“, sagt Tomlinson. Im Moment wäre es besser, wenn das schnell ginge. In den nächsten drei Wochen stehen acht Partien auf dem Plan, sechs davon gegen Mannschaften aus den Top-Sechs. Das lässt vermuten, dass der Reizpegel des Managers beständig niedrig bleibt. Und dass danach vielleicht mehr von der Saison vorbei ist, als Lee lieb ist.