Zweite Liga

Der Nachwuchs sucht eine Heimat

Für den Bau der Jugendakademie fehlt dem Zweitligaklub Union das passende Grundstück

Baustellen gibt es noch genug beim 1. FC Union. Kleinere wie die endgültige Befestigung des Parkplatzes vor der Haupttribüne. Die Arbeiten dafür sollen, so versicherte es Dirk Thieme, Union-Präsidiumsmitglied und Vorstandsvorsitzender der „An der Alten Försterei“ Stadionbetriebs AG, „am ersten Tag nach dem Winter beginnen“. Die Planungen für die größeren Baustellen dauern hingegen an. Gemeint sind das Fanhaus, vor allem aber das Nachwuchsleistungszentrum. Für jene Stätte, in der Union seine Talente ausbildet, sucht der Klub dringend ein Zuhause. Und das ist derzeit leichter gesagt als getan.

Es ist ein hehres Ansinnen, wenn Unions Präsident Dirk Zingler zu verstehen gibt: „Das Nachwuchsleistungszentrum steht definitiv auf der Tagesordnung.“ Wann, besonders jedoch wo gebaut wird, „soll noch innerhalb dieser Saison entschieden werden“, so Zingler. Doch gerade das Wo bereitet den Klubverantwortlichen Kopfzerbrechen. Derzeit spielt der Nachwuchs entweder im ungeliebten Jahnsportpark (U23) im Prenzlauer Berg oder – wie Unions A- und B-Junioren-Bundesligateams – auf dem Sportplatz im Freizeit- und Erholungszentrum (FEZ) in der Wuhlheide.

Favorit ist die Wuhlheide

„Das FEZ ist unser Favorit, aber nicht der vom Bezirksamt“, erklärte Zingler mit Blick auf den zukünftigen Standort. Das Bezirksamt Treptow-Köpenick ließ dazu gegenüber der Morgenpost in Person von Rainer Hölmer (Bezirksstadtrat für Bauen, Stadtentwicklung und Umwelt) wissen: „Bisher gab es lediglich informelle Gespräche mit Vertretern des Vereins. In diesem Rahmen wurden auch grundsätzliche Vorstellungen und Überlegungen des 1. FC Union zu möglichen Standorten geäußert, darunter auch ein Standort in der Wuhlheide, der aber nicht in räumlicher Verbindung oder Nähe zum FEZ steht.“ Laut Hölmer will der Bezirk den Klub jedoch unterstützen. „Wir haben unsererseits allgemeine Prüfungen der Standorte – soweit das ohne konkrete Planungen möglich ist – zugesagt, da der Bezirk die Nachwuchsarbeit des 1. FC Union positiv beurteilt.“

Union plant für den Bau eines solchen Zentrums inklusive eines Amateurstadions mit Kosten in Höhe von fünf Millionen Euro. Drei Millionen sollen dabei aus Lottogeldern kommen. Deshalb betont Zingler: „Das Nachwuchsleistungszentrum wird ein öffentliches Projekt. Wir werden aber immer auch Eigenleistungen bringen müssen.“ Union möchte zwei Millionen Euro selbst beisteuern.

Der Erfolg kann sich trotz bislang dezentraler Spielorte durchaus sehen lassen. Die U23 liegt auf dem vierten Platz in der Regionalliga Nordost, A- und B-Junioren sind in ihren Bundesligen auf Kurs Klassenerhalt.

Erst vor einem Jahr wurde das Nachwuchsleistungszentrum unter der sportlichen Leitung von Herman Andreev zum dritten Mal vom DFB und DFL zertifiziert und mit zwei von drei möglichen Sternen ausgezeichnet. In den vergangenen Jahren erreichten Eigengewächse wie Christoph Menz, 25 (jetzt Dynamo Dresden), Steven Skrzybski, 21, Christopher Quiring, 23, oder Björn Jopek, 20, Profi-Status. Und vor wenigen Wochen erlebten Pascal Wedemann, 19, und David Hollwitz, 24, beim 4:0 in Bochum ihr Profidebüt. „Sie haben ihre Chance zurecht bekommen wegen ihrer guten Leistungen in der U23. Und man sieht ja, wie schnell es gehen kann: Ruckizucki sind mal sechs Spieler verletzt oder gesperrt, und dann braucht man gute Spieler aus der Zweiten. Das ist auch wichtig für den Trainer“, gab es Lob von Kapitän Torsten Mattuschka.

Eine Absage gab Zingler den Hoffnungen zahlreicher Fans, die U23 könnte künftig ebenso wie die Profis in der Alten Försterei spielen. Zum einen würden die Kosten, die die Öffnung des Stadions verursachen, kaum durch die Zuschauer abgedeckt werden. Im Schnitt kommen gerade einmal 500 Fans zu den Spielen, selbst im prestigeträchtigen Duell gegen Carl Zeiss Jena, das in der Alten Försterei stattfand, kamen nur 1300 Besucher. Zum anderen gilt es, einen Rasen im für Profispiele besten Zustand zu haben. Das zeigt, wie dringend Unions Talente eine feste Heimat benötigen.