Nachfolger

Tayfun Korkut statt Trapattoni: 96 überrascht bei der Trainerwahl

Hannover setzt auf einen Jugend-Coach statt auf WM-Erfahrung

Die Pointe zum Jahreswechsel, mit der Hannover 96 bundesweit überrascht hat, stärkt vor allem Sportdirektor Dirk Dufner. Vier Tage nach der Entlassung von Cheftrainer Mirko Slomka gelang ihm mit Tayfun Korkut die Verpflichtung eines Nachfolgers, ohne dass vorher darüber öffentlich debattiert werden konnte. „Diese Verpflichtung ist eine bewusste Entscheidung für die Zukunft von Hannover 96“, sagte Dufner zur Personalie. Rund um die öffentliche Entmachtung des erfolglosen Slomka hatte sich die Vereinsführung des Fußball-Bundesligisten, der keine Folgelösung parat hatte, viel Kritik eingehandelt. Aber auf die plaudertaschenartige Öffentlichkeitsarbeit ist eine gute Antwort gefunden worden. Auf den früheren türkischen Nationalspieler Korkut war dank der Verschwiegenheit von Dufner niemand vorab gekommen.

Präsentation am Freitag, Trainingsstart am Sonntag: Die Premiere von Korkut als Cheftrainer im deutschen Profifußball gestattet dem 39-Jährigen keinen langen Vorlauf. Nach anderthalb Jahren als Assistenztrainer der türkischen Nationalmannschaft und einem halben Jahr ohne Beschäftigung übernimmt Korkut eine ebenso reizvolle wie knifflige Aufgabe. Die Auswärtsbilanz in der Hinrunde mit acht Pleiten in acht Partien kann der neue Trainer nur verbessern. Wie es ihm als Neuling in der Bundesliga gelingt, einen ambitionierten Verein zurück in das obere Drittel der Tabelle zu führen, bleibt abzuwarten. „Wir sehen da kein Risiko. Es ist eine mutige Entscheidung mit Perspektive“, findet Hannovers Präsident Martin Kind. Es gab andere Optionen. „Ich habe einen Riesenordner mit Bewerbungen“, sagte Kind der „Bild“. „Mein persönliches Highlight war Giovanni Trapattoni. Für uns fast eine Ehre, dass er sich für 96 interessiert.“

Statt des WM-erfahrenen Italieners nun also ein Neuling. Einen Vertrauensvorschuss wird Korkut brauchen. Zum Start geht es gegen Wolfsburg, Gladbach und Schalke. „Ich danke Hannover 96 für das Vertrauen“, sagte Korkut. Sein Vertrag läuft bis 2016. Der frühere U 19-Trainer des VfB Stuttgart setzt in Hannover zum Karrieresprung an, zu dem ihm Harun Arslan verholfen haben dürfte. Der in Hannover lebende Türke ist als Berater aktiv, betreut unter anderem Bundestrainer Joachim Löw und konnte sein Geschäftsjahr mit einer verblüffenden Transaktion beenden.